Das erste Quartal 2026 liefert Shell ein gemischtes Bild: Starke Raffinerie-Margen und ein gut laufendes Ölhandelsgeschäft treffen auf sinkende Gasproduktion. Kein Wunder, dass Analysten die Aktie derzeit sehr unterschiedlich einschätzen.
Starkes Downstream, schwächeres Gas
Im Downstream-Bereich läuft es rund. Die Raffineriemargen stiegen im ersten Quartal auf 17 Dollar je Barrel — nach 14 Dollar im Schlussquartal 2025. Auch das Marketing-Ergebnis soll deutlich über dem Vorjahresniveau liegen. Im Bereich Erneuerbare Energien und Energielösungen erwartet Shell ein bereinigtes Ergebnis zwischen 0,2 und 0,7 Milliarden Dollar, nach 0,1 Milliarden Dollar im Vorquartal.
Weniger erfreulich ist die Entwicklung im Flüssiggas-Segment. Die Produktionsprognose für Integrated Gas wurde auf 880.000 bis 920.000 Barrel Öläquivalent pro Tag gesenkt — zuvor lag die Spanne bei 920.000 bis 980.000. Ursache sind Störungen in Katar infolge des Nahostkonflikts. Shell gleicht den Ausfall teilweise über sein globales LNG-Portfolio aus, etwa durch erhöhte Lieferungen nach Indien im März 2026.
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Was Analysten sagen
Die Einschätzungen der Banken fallen auffallend auseinander:
- TD Cowen (10. April): Kursziel leicht auf 110 Dollar gesenkt (zuvor 112 Dollar), Rating „Buy“ bestätigt
- Wells Fargo (9. April): Kursziel deutlich auf 94 Dollar angehoben (zuvor 77 Dollar), Rating „Equal Weight“ — Hintergrund ist eine angepasste Langfrist-Ölpreisprognose von 75 Dollar je Barrel Brent nach dem Iran-Waffenstillstand
- Rothschild & Co Redburn (9. April): Abstufung auf „Neutral“ von zuvor „Buy“, Kursziel 3.640 Pence
Die Shell-Aktie liegt aktuell rund 22 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt und notiert nahe ihrem 52-Wochen-Hoch.
Am 7. Mai 2026 veröffentlicht Shell die vollständigen Quartalsergebnisse. Dann wird sich zeigen, ob die starken Raffinerie- und Handelsergebnisse den Produktionsrückgang im Gassegment tatsächlich kompensieren konnten — und welche der divergierenden Analystenmeinungen näher an der Realität lag.
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