ServiceNow verzeichnete am Freitag im belasteten Softwareumfeld eine Tagesveränderung von -3,2%. Hinter dem Verkaufsdruck steht eine Neubewertung der Wachstumserwartungen: Morgan Stanley und BMO Capital senkten am Donnerstag ihre Kursziele, behielten aber ihre positiven Anlageurteile bei.
Reuters berichtete zugleich über Sorgen vor einer Verdrängung bestehender Softwareangebote durch künstliche Intelligenz. Die Analystenreaktionen zeigen damit eine klare Unterscheidung zwischen niedrigeren Erwartungen und einer grundsätzlich negativen Einschätzung.
Niedrigere Ziele, positive Anlageurteile
Morgan Stanley reduzierte das Kursziel am Donnerstag Medienberichten zufolge von 180 $ auf 160 $. Das Haus bestätigte die Einstufung „Overweight“. Als Gründe nannte es das langsamere cRPO-Wachstum und den Ausblick auf das Schlussquartal.
Damit korrigierte Morgan Stanley die Bewertungserwartung, ohne die positive Empfehlung aufzugeben. Für Anleger ist diese Trennung wichtig: Ein gesenktes Kursziel und ein bestätigtes Anlageurteil senden unterschiedliche Signale. Die Wachstumssorgen wiegen schwerer, reichen dem Haus aber nicht für eine Herabstufung der Empfehlung.
BMO Capital senkte sein Kursziel am Donnerstag Medienberichten zufolge von 165 $ auf 155 $. Die Einstufung „Outperform“ wurde bestätigt. Das Haus verwies auf die Ergebnisse des Septemberquartals und ein cRPO-Wachstum unter seinen Erwartungen.
Beide Häuser benannten somit denselben zentralen Schwachpunkt. Ihre Reaktionen waren keine vollständige Abkehr von ServiceNow, sondern eine vorsichtigere Bewertung der Geschäftsperspektiven.
Wachstum allein reicht nicht
Die am Donnerstag gemeldeten Zahlen für das dritte Quartal 2026 verdeutlichen den Gegensatz zwischen Wachstum und Erwartungen. Der Abonnementumsatz erreichte 3.988 Millionen $, ein Plus von 21% gegenüber dem Vorjahr.
Reuters zufolge verfehlte ServiceNow dennoch die Gewinnerwartungen. Auch der schwächer als erwartete Ausblick belastete die Stimmung. Der Kursdruck erklärt sich damit nicht durch fehlendes Umsatzwachstum, sondern durch die Lücke zwischen den Geschäftszahlen und den Ansprüchen der Anleger.
Für das vierte Quartal stellte ServiceNow einen Abonnementumsatz von 4.245–4.255 Millionen $ in Aussicht. Beim cRPO-Wachstum lautete die Prognose auf 18,5%.
KI bleibt Chance und Bewertungsrisiko
Die Debatte um künstliche Intelligenz wirkt dabei in beide Richtungen. Reuters beschrieb Verdrängungsängste als Belastung für Softwareaktien. ServiceNow setzte dem im Quartalsbericht höhere eigene KI-Ambitionen entgegen.
Das Unternehmen hob sein KI-ACV-Ziel für 2026 auf 1,7 Milliarden $ an. Zugleich erhöhte es den Ausblick für die freie Cashflow-Marge auf 36%.
Diese Anhebungen verhinderten die Kurszielsenkungen nicht. Entscheidend ist deshalb weniger die grundsätzliche KI-Ausrichtung als die Frage, ob sie sich mit einem Wachstum verbinden lässt, das die Erwartungen erfüllt. Die bestätigten positiven Analystenurteile stehen für Zuversicht – die niedrigeren Ziele für geringeren Bewertungsspielraum.
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