ServiceNow greift wieder zu. Der Softwarekonzern übernimmt das israelische Startup ai.work für einen Betrag im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Bestätigt wurde der Deal am 2. Juli 2026. Es ist bereits die vierte Akquisition in Israel in diesem Jahr.
Der Kauf zeigt, wohin ServiceNow steuert. Das Unternehmen will seine Plattform zu einer Art „AI Control Tower“ für Konzerne weltweit ausbauen. Autonome KI-Agenten sollen dabei nicht mehr nur Informationen liefern, sondern eigenständig Aufgaben ausführen.
Was ai.work mitbringt
Ai.work wurde 2024 von ehemaligen WalkMe-Managern gegründet. Die Firma hat sich auf KI spezialisiert, die komplexe interne Arbeitsabläufe versteht und selbstständig steuert. Für ServiceNow schließt das eine Lücke: internes Service-Management und operative Prozesse sollen künftig weitgehend automatisiert laufen.
CEO Bill McDermott hatte diese Richtung erst kürzlich auf der „Knowledge 2026“-Konferenz vorgegeben. Sein Argument: Bis 2030 droht weltweit ein Arbeitskräftemangel von bis zu 50 Millionen Menschen. KI-Agenten sollen diese Lücke zumindest teilweise schließen.
Kurserholung nach turbulentem Juni
An der Börse hat sich die Lage zuletzt beruhigt. Die Aktie schloss am Freitag bei 92,30 Euro, ein minimales Tagesminus von 0,62 Prozent. Auf Wochensicht steht dagegen ein Plus von 6,24 Prozent — nach einem Rückgang von 9,24 Prozent im 30-Tage-Vergleich.
Die Schwankungsbreite bleibt hoch. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei 81,97 Prozent. Im Hintergrund läuft eine grundsätzliche Debatte: Ersetzen KI-Agenten klassische Workflow-Software, oder profitieren Anbieter wie ServiceNow selbst am meisten von der Entwicklung?
Die jüngsten Analystenreaktionen sprechen für die zweite These. Guggenheim hob die Einstufung am 1. Juli auf „Buy“ mit einem Kursziel von 125 Dollar. Benchmark zog nach und erhöhte sein Ziel auf 130 Dollar. Als Begründung nannte die Bank das „saubere Betriebsmodell“ des Konzerns und dessen Führungsrolle bei KI-gestützter Cloud-Adoption.
Terminplan für die kommende Woche
Mehrere Termine könnten die Kursentwicklung in den nächsten Tagen beeinflussen:
- Montag, 6. Juli: Veröffentlichung des ISM Services PMI für Juni — ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des Dienstleistungssektors.
- Technisches Bild: Der 14-Tage-RSI liegt bei 54,9 und damit im neutralen Bereich. Die jüngste Erholung hat noch keine überkaufte Zone erreicht.
- Sektorrotation: Kapital fließt aktuell zurück in Software-Werte, nachdem Halbleiter- und Infrastrukturtitel zuvor unter Verkaufsdruck standen.
- 8. Juli, London: Ein CRM Special Interest Group Meeting, bei dem ServiceNow weitere Anwendungsfälle für KI-gestützte CRM-Agenten zeigen will.
Der nächste große Termin steht bereits fest. Am 22. Juli, nach Börsenschluss, legt ServiceNow die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor. Der Bericht dürfte zeigen, wie gut sich die „Now Platform“ monetarisieren lässt — und wie schnell sich die frisch gekauften KI-Firmen ins Geschäft integrieren.
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