ServiceNow gerät weiter unter Verkaufsdruck und markiert neue Jahrestiefs. Gleichzeitig stellt das Management in Davos seine KI-Strategie in den Vordergrund und versucht, den Fokus auf messbare Erträge aus künstlicher Intelligenz zu lenken. Im Markt prallen damit kurzfristige Sorgen um Staatsaufträge und Sektorrotation auf einen überwiegend positiven Analystenblick.
KI-Fokus in Davos und Belastung durch US-Staatsaufträge
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos skizzierte ServiceNow-Vizechef Nick Tzitzon den Wandel im Bereich Unternehmens-KI. Die Phase reiner Pilotprojekte gehe zu Ende, stattdessen verlangten Aufsichtsräte nun „vertrauenswürdige Plattformen, Governance und messbare Ergebnisse“ statt isolierter Tools ohne klaren Return on Investment.
ServiceNow positioniert sich dabei als eine Art „KI-Kontrollzentrum“. Tzitzon stellte in Aussicht, dass KI-Agenten Produktivitätsgewinne von 10 bis 30 Prozent für Mitarbeiter ermöglichen könnten.
Gleichzeitig kämpft die Aktie mit sehr konkreten Gegenwinden. Eine Analyse von Stifel vom heutigen Montag verweist auf Belastungen im US-Bundesgeschäft. Analyst Brad Reback nennt eine Kürzung eines Treasury-Vertrags um rund 15 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit dem „Deferred Resignation Program“ (DRP). Stifel hält zwar an der Kaufempfehlung fest, senkte das Kursziel jedoch von 230 auf 200 US-Dollar.
Die Nachrichten treffen auf ein ohnehin schwaches Umfeld. An der NYSE hatte die Aktie am Freitag bei 127,31 US-Dollar geschlossen, ein Minus von knapp 3 Prozent und ein neues 52‑Wochen-Tief von 126,85 US-Dollar. Heute setzten die in Europa gehandelten Papiere den Abwärtstrend fort und lagen am Nachmittag bei rund 108,62 Euro (-1,04 %). Zusätzlich drücken geopolitische Spannungen und neue Zoll-Androhungen auf die Stimmung.
Analysten zuversichtlich, Kurs schwach
Zwischen der Kursentwicklung und den Einschätzungen vieler Analysten hat sich eine deutliche Lücke aufgetan. Während die Aktie unter der allgemeinen Rotation aus Softwarewerten und der Debatte um mögliche KI-Disruption leidet, bleiben mehrere große Häuser bei ihrer positiven Sicht.
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Zwischen dem 12. und 14. Januar haben mehrere Institute ihre Kaufempfehlungen bekräftigt:
- Citi: Buy, Kursziel 250,60 US-Dollar – gestützt auf die Erwartung eines starken kommenden Quartals mit gesünderen Vertriebspipelines.
- Evercore ISI: Buy, Kursziel 225 US-Dollar.
- Oppenheimer: Buy, Kursziel 200 US-Dollar.
- Goldman Sachs: Neuaufnahme mit Buy und Kursziel 205 US-Dollar.
Citi hebt hervor, die Aktie wirke im Vergleich zu früheren Zyklustiefs ungewöhnlich günstig bewertet. Am Markt dominieren jedoch derzeit kurzfristige Risiken: die Angst vor KI-getriebenen Umbrüchen im SaaS-Sektor sowie die konkret reduzierten Staatsaufträge, auf die Stifel verweist.
Sektor-Schwäche und geopolitisches Umfeld
Die Schwäche von ServiceNow steht vor dem Hintergrund eines angespannten Technologiesektors. Berichte vom heutigen Montag verweisen darauf, dass Softwarewerte seit Jahresbeginn 2026 etwa 15 Prozent verloren haben. Auslöser sind Sorgen, dass generative KI traditionelle SaaS-Geschäftsmodelle unter Druck setzen könnte. In diesem Kontext wird ServiceNow explizit als Titel genannt, der wegen dieser Bedenken auf Bewertungsniveaus wie seit Jahren nicht mehr gehandelt wird.
Hinzu kommt ein insgesamt nervöses Marktumfeld. Weltweit gaben Aktienindizes nach, nachdem US-Präsident Donald Trump neue Zolldrohungen gegenüber europäischen Staaten formuliert hatte. Die Futures auf den S&P 500 lagen daraufhin rund 0,8 bis 1,12 Prozent im Minus. Diese Gemengelage verstärkt die Flucht aus Wachstumswerten und belastet ServiceNow zusätzlich, obwohl das Unternehmen operativ im Bereich Workflow-Automatisierung gut positioniert ist.
Ausblick auf die Zahlen
Der nächste konkrete Prüfstein folgt mit dem Quartalsbericht am 28. Januar. Dann wird sich zeigen, ob sich die von Citi angesprochenen „gesunden Vertriebspipelines“ tatsächlich in den Zahlen widerspiegeln.
Charttechnisch steht die Aktie unter Druck, nachdem frühere Unterstützungen unterschritten und neue 52‑Wochen-Tiefs markiert wurden. Bei einem KGV von rund 77 und einer Marktkapitalisierung von 132 Milliarden US-Dollar muss ServiceNow belegen, dass die „Now Platform“ tatsächlich einen relevanten Anteil der KI-Budgets gewinnt, wie das Management in Davos argumentiert hat. Der Analystenkonsens liegt derzeit bei „Moderate Buy“ und deutet damit darauf hin, dass Fachbeobachter die aktuelle Schwächephase als Chance sehen – vorausgesetzt, das Unternehmen kommt kurzfristig mit den Kürzungen im US-Bundesgeschäft zurecht.
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