ServiceNow hat eine Schwelle überschritten, die Investoren lange erwartet hatten. Im zweiten Quartal 2026 kletterte der jährliche Auftragswert (ACV) aus KI-Produkten erstmals über eine Milliarde Dollar. Die Aktie reagiert: Am Dienstag steht der Kurs bei 94,54 Euro, ein Plus von 1,46 Prozent zum Vortag.
Der Wert ist kein Ausreißer. Binnen einer Woche legte die Aktie um 5,65 Prozent zu, über 30 Tage summiert sich das Plus auf 8,05 Prozent. Der Auslöser liegt tiefer als der reine Kursverlauf: ServiceNow verwandelt sich gerade vom klassischen Anbieter für IT-Servicemanagement in eine zentrale Steuerungsebene für Unternehmens-KI.
Die KI-Sparte trägt jetzt eigenes Gewicht
Die Milliarden-Marke bei der KI-ACV umfasst das gesamte Portfolio, von der „Now Assist“-Produktfamilie bis zum „AI Control Tower“. Gerade Letzterer sticht heraus. Dieses Kontrollsystem für Unternehmens-KI-Agenten übertraf laut Management die internen Adoptionsziele bereits zwei Monate nach dem Marktstart.
Der Erfolg schlägt sich in harten Zahlen nieder. Das Segment Security and Risk wuchs währungsbereinigt um 21,5 Prozent. Die aktuellen offenen Vertragsverpflichtungen (cRPO) erreichten zum Quartalsende 13,20 Milliarden Dollar. Diese Kennzahl zeigt, wie viel Umsatz ServiceNow aus bestehenden Verträgen in den kommenden zwölf Monaten sicher erwarten kann.
Neue Partner erweitern das Ökosystem
Ende Juli baute ServiceNow sein Netzwerk gezielt aus. Am 23. Juli unterzeichnete der Konzern eine mehrjährige Partnerschaft mit TeamViewer. Ziel ist es, IT-Betrieb stärker zu automatisieren. TeamViewer bringt seine Fernzugriffs- und Mitarbeiter-Erfahrungslösungen direkt in die ServiceNow-Plattform ein, manuelle Eingriffe sollen dadurch seltener nötig sein.
Parallel dazu erweiterte ServiceNow die Zusammenarbeit mit Experian. Das Unternehmen nutzt agentenbasierte KI-Workflows innerhalb der ServiceNow-Umgebung, um Risikoprüfungen bei Drittanbietern und das Onboarding neuer Mitarbeiter zu automatisieren. Beide Deals zeigen die gleiche Richtung: ServiceNow positioniert sich als Orchestrator für KI-Anwendungen quer durch ganze Unternehmen.
Zahlen übertreffen die Erwartungen
Der Quartalsumsatz von 3,99 Milliarden Dollar lag über den Schätzungen der Analysten. Das Abo-Geschäft, das Rückgrat des Konzerns, wuchs um 24,5 Prozent auf 3,88 Milliarden Dollar. ServiceNow reagierte prompt und hob die Umsatzprognose für das Abo-Geschäft 2026 auf eine Spanne von 15,755 bis 15,780 Milliarden Dollar an.
Auch beim Kapitalrückfluss legt der Konzern nach. Der Vorstand hatte zuvor das Rückkaufprogramm um 5 Milliarden Dollar aufgestockt. Nun kündigte das Management zusätzlich ein beschleunigtes Aktienrückkaufprogramm über 2 Milliarden Dollar an.
Ein weiteres Detail unterstreicht den Strategiewechsel: Die Hälfte des neuen Geschäfts basiert inzwischen nicht mehr auf klassischen Nutzerlizenzen, sondern auf Verbrauch und Ergebnissen. Diese Verschiebung gilt als Beleg dafür, dass sich die Nachfrage nach generativer KI tatsächlich in Umsatz übersetzen lässt – und nicht nur ein Hype-Thema bleibt.
Mit einem RSI von 55,7 notiert die Aktie derzeit in neutralem Terrain, weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 61,89 Prozent bleibt hoch. Für die kommenden Quartale wird sich zeigen, ob der AI Control Tower seinen frühen Schwung halten und die Milliarden-Schwelle beim KI-Auftragswert weiter ausbauen kann.
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