ServiceNow liefert gute Argumente für seine KI-Strategie, aber noch keine Entwarnung beim Wachstum. Genau deshalb halte ich die Skepsis nach den gestern veröffentlichten Quartalszahlen für nachvollziehbar. Entscheidend ist nicht die knappe Gewinnverfehlung allein.
Schwerer wiegt, dass selbst das kräftig expandierende KI-Geschäft die Sorgen um das künftige Vertragstempo bislang nicht ausräumt. Die strategische Richtung überzeugt mich mehr als der kurzfristige Ausblick.
Das gesenkte Kursziel trifft den Kern
Morgan Stanley hat heute das Kursziel von 180 auf 160 US-Dollar reduziert und die Einstufung „Overweight“ bestätigt. Diese Kombination beschreibt die Lage treffender als ein pauschales Krisenurteil: Das Haus hält an seiner grundsätzlich positiven Einschätzung fest, setzt die Messlatte für die Bewertung aber niedriger.
Für mich ist das keine widersprüchliche Haltung. Ein Unternehmen kann technologisch Fortschritte machen und gleichzeitig weniger Bewertungsspielraum verdienen. Anleger müssen zwischen der Qualität einer Strategie und dem Tempo ihrer wirtschaftlichen Umsetzung unterscheiden. Bei ServiceNow läuft beides derzeit nicht im Gleichschritt.
Morgan Stanley verweist auf eine organische Abschwächung des cRPO-Wachstums von 19% auf 18% zwischen dem zweiten und dritten Quartal 2026. Damit geht es nicht bloß um Wechselkurse oder eine unglückliche Schlagzeile zum Gewinn. Die Analysten sehen auch im zugrunde liegenden Geschäft weniger Dynamik.
Das macht den Ausblick zum wichtigeren Prüfstein als den Rückblick. Wer allein auf die gestiegene Nachfrage nach KI-Angeboten schaut, übersieht den Teil der Zahlen, der die Vorsicht begründet.
Für das vierte Quartal 2026 erwartet ServiceNow ein währungsbereinigtes cRPO-Wachstum von 18,5%. Morgan Stanley nennt einen Konsens von 20%. Diese Lücke ist für mich der stärkere Einwand gegen kurzfristige Zuversicht als die kleine Abweichung beim Quartalsgewinn.
KI-Erfolge sind noch kein Gegenbeweis
Die positiven Signale sollte man deshalb nicht kleinreden. ServiceNow hat sein KI-ACV-Ziel für 2026 von 1,5 auf 1,7 Milliarden US-Dollar angehoben. Das Management traut dem Geschäft damit mehr zu als zuvor.
Meine Einschränkung lautet: Ein höheres KI-Vertragsziel beantwortet noch nicht die Frage nach der Dynamik des gesamten Geschäfts. Für eine überzeugende Neubewertung müssten die Fortschritte im KI-Angebot auch die breiter angelegten Wachstumssorgen entschärfen. Genau dieser Beleg fehlt mir im Ausblick noch.
Dabei ist das KI-Wachstum keineswegs nur ein Versprechen. Im dritten Quartal 2026 stieg das neue Netto-KI-ACV gegenüber dem Vorjahr um 65%. Die produktive Nutzung agentischer KI erreichte nach Unternehmensangaben das Dreizehnfache des Vorjahres.
Das spricht gegen die These, ServiceNow habe lediglich eine attraktive KI-Erzählung. Kunden nutzen die Angebote offenbar intensiver. Die gestern ausgeweitete OpenAI-Partnerschaft passt dazu: Ein verfügbares Plugin ermöglicht konfigurierte ServiceNow-Aktionen über ChatGPT. Organisationsregeln und Berechtigungen sollen dabei durchgesetzt werden.
Aus Anlegersicht ist diese Verbindung von Nutzung und kontrollierter Ausführung ein plausibler strategischer Ansatz. Sie ersetzt allerdings keinen Nachweis, dass sich das Wachstum insgesamt wieder beschleunigt. Partnerschaften sind ein Baustein der Umsetzung, nicht deren finanzielles Endergebnis.
Der Vertragsmix verlangt Geduld
Morgan Stanley erwartet durch den Vertragsmix im Jahr 2027 eine Belastung des cRPO-Wachstums um 50 Basispunkte. Das ist eine Prognose, keine bereits eingetretene Verschlechterung. Trotzdem verdient sie Aufmerksamkeit, weil sie über die unmittelbare Quartalsreaktion hinausweist.
Für mich liegt hier die eigentliche Herausforderung: ServiceNow muss nicht nur neue KI-Funktionen verkaufen. Das Unternehmen muss deren Erfolg auch in einer Vertragsentwicklung sichtbar machen, die weniger Anlass für Wachstumszweifel bietet.
Zusätzlich könnten mehr „Delivery Services“ laut Morgan Stanley das Abo-Umsatzwachstum im vierten Quartal 2026 und im Folgejahr um 50–100 Basispunkte drücken. Damit benennt das Haus einen weiteren möglichen Gegenwind trotz der KI-Fortschritte.
Unterm Strich überwiegt für mich kurzfristig die Vorsicht. Die KI-Erfolge geben der Strategie Substanz; sie widerlegen aber noch nicht die schwächeren Wachstumssignale. Eine belastbare Aufhellung würde ich deshalb nicht am nächsten Partnerschaftsnamen festmachen, sondern an einer überzeugenderen Vertragsdynamik. ServiceNow hat Fortschritte vorzuweisen. Den entscheidenden Beleg für neue Zuversicht muss das Unternehmen noch liefern.
Stand heute, 29. Oktober: ServiceNow – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in ServiceNow investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 29. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
