ServiceNow-Chef Bill McDermott verteidigt derzeit lautstark seine KI-Strategie. Der Grund: Sorgen über außer Kontrolle geratene KI-Agenten, ausgelöst durch einen Schreckmoment rund um OpenAI. McDermott kontert mit einem Argument, das bei Investoren zieht — einem „Kill-Switch“ für autonome KI-Systeme.
Die Aktie reagierte entsprechend nervös. Am Freitag schloss das Papier bei 86,76 Euro, ein Plus von 7,38 Prozent an einem einzigen Tag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 3,86 Prozent zu Buche — nach einem kräftigen Rücksetzer in der Wochenmitte, der auf den ersten Kurssprung nach den Zahlen folgte.
Governance als Verkaufsargument
McDermott positioniert die „AI Control Tower“ als Kontrollzentrale für sogenannte agentische KI. Das System soll verhindern, dass autonome Software-Agenten unkontrolliert handeln. Genau diese Sorge belastet aktuell die Bewertungen vieler Software-Konzerne.
Analysten sehen in dieser Governance-Funktion den entscheidenden Unterschied zu Wettbewerbern. ServiceNow hat sein Angebot durch die Übernahmen von Veza, Armis und Moveworks erweitert. Das Ziel: verlässliche, vorhersehbare Ergebnisse liefern, die Unternehmen brauchen, um autonomer KI im großen Stil zu vertrauen.
Kursziele klettern nach oben
Die Quartalszahlen lösten eine Welle von Kurszielanhebungen aus. Canaccord Genuity bestätigte die Kaufempfehlung und nannte ein Kursziel von 145 US-Dollar. Baird hob sein Ziel von 118 auf 125 US-Dollar an und beließ die Einstufung bei „Outperform“.
Der Optimismus stützt sich auf konkrete Wachstumszahlen. Der Auftragswert im KI-Geschäft soll bis 2026 auf 1,5 Milliarden US-Dollar steigen. Der Umsatz im Cybersecurity-Segment soll die Marke von einer Milliarde US-Dollar überschreiten.
Experian baut Partnerschaft aus
Die Kreditauskunftei Experian liefert dazu passend neue Argumente. Das Unternehmen weitet den Einsatz der ServiceNow-KI-Plattform aus, um eine unternehmensweite KI-Transformation voranzutreiben. Für das Management ist das genau die Art von Großkunden-Adoption, die die eigene Monetarisierungsstrategie bestätigt.
Die Kursbewegung der vergangenen Woche zeigt trotzdem, wie gespalten der Markt die Lage einschätzt. Der RSI liegt bei 46,2 — ein neutraler Wert, der weder auf Über- noch auf Unterverkauf hindeutet. Die annualisierte Volatilität von 60,68 Prozent belegt dagegen, wie heftig die Aktie rund um die Quartalszahlen ausgeschlagen hat.
Der Blick auf den Monat relativiert die Turbulenzen etwas: Über 30 Tage steht ein Plus von 5,01 Prozent. Ob sich das fortsetzt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell weitere Großkunden dem Beispiel von Experian folgen. Die Spanne der Analystenkursziele bleibt breit — ein Signal dafür, dass der Markt die Frage nach ServiceNows KI-Governance im Vergleich zu den Disruptionsrisiken der Branche noch nicht abschließend beantwortet hat.
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