Die Nachricht kam am Donnerstag: Wipro weitet seine Partnerschaft mit ServiceNow aus. Der indische IT-Dienstleister will die KI-Agenten-Technologie des US-Konzerns tief in Unternehmenssysteme integrieren – von der IT über Personalabteilungen bis zur Cybersicherheit. Für Aktionäre von ServiceNow ist das ein aktuelles, handfestes Signal, dass die Strategie des Konzerns aufgeht: KI nicht als isoliertes Tool, sondern als Infrastruktur für gesteuerte Unternehmensautomation zu verkaufen.
Partnerschaft mit Substanz
Wipro kombiniert dazu seine eigene KI-Plattform „Wipro Intelligence“ mit der ServiceNow-Plattform. Ziel ist es, Workflows über verschiedene Unternehmenssysteme hinweg zu orchestrieren – mit nachvollziehbaren Prozessen und klaren Kontrollmechanismen.
Die Marktreaktion war zunächst vor allem bei Wipro sichtbar. Die Aktie legte am Donnerstag in Mumbai um bis zu vier Prozent zu. An der New Yorker Börse schoss das Wipro-American-Depositary-Receipt sogar um fast 19 Prozent nach oben.
Kurserholung zum Wochenende
ServiceNow selbst schloss die Woche mit einem deutlichen Plus. Der letzte reguläre Handelsschluss lag bei 108,73 US-Dollar – ein Plus von 6,47 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs von 102,12 Dollar. Über die gesamte Woche, die wegen Feiertagen verkürzt war, gewann die Aktie gut 6,5 Prozent.
Der Monat Mai läuft damit rund. Vom ersten Handelstag bei 91,16 Dollar aus errechnet sich ein Monatsplus von knapp 19 Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 211,48 Dollar bleibt allerdings groß: Gut 48 Prozent beträgt das Minus.
Zahlen als Fundament
Die Quartalszahlen vom April untermauern die Erzählung. ServiceNow erzielte im ersten Quartal einen Abonnement-Umsatz von 3,671 Milliarden Dollar, ein Plus von 22 Prozent zum Vorjahr. Die aktuellen vertraglichen Verpflichtungen (Current Remaining Performance Obligations) stiegen um 22,5 Prozent auf 12,64 Milliarden Dollar.
Besonders aufschlussreich: Kunden mit einem Jahresvertragswert von über einer Million Dollar für das KI-Produkt „Now Assist“ legten im Jahresvergleich um mehr als 130 Prozent zu. Genau diese Kennzahl wird durch die Wipro-Partnerschaft noch relevanter.
Technisch in der Schwebe
Der Sprung über die 108 Dollar brachte ServiceNow über die kurzfristige 50-Tage-Linie bei knapp 98 Dollar. Die langfristige 200-Tage-Linie bei rund 142 Dollar bleibt dagegen eine mächtige Hürde – der Kurs liegt rund 23 Prozent darunter.
Analysten von Trefis identifizierten eine Unterstützungszone zwischen 103 und 114 Dollar. Der Schlusskurs liegt innerhalb dieser Spanne. Die kommende Woche wird zeigen, ob ServiceNow dieses Niveau halten kann.
Der grundlegende Bewertungsrahmen bleibt derselbe: Kann agentische KI zum Nachfragetreiber für die Workflow-Plattform werden – oder wird sie traditionelle Unternehmensausgaben verdrängen? Die Wipro-Allianz ist ein Argument für Ersteres.
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