ServiceNow treibt den Ausbau sogenannter „agentischer KI“ mit neuen Produkten und einem wichtigen Compliance-Meilenstein voran. Gleichzeitig bleibt die Aktie nach der kräftigen Korrektur im Software-Sektor angespannt. Entscheidend wird, ob die neuen KI-Angebote nicht nur gut klingen, sondern messbar Umsatz und Marge stützen.
Kurs: Erholung, aber tiefer Rückstand
Am Dienstagnachmittag sprang die Aktie um 4,2% nach oben, nachdem Anleger nach dem Abverkauf offenbar wieder zugriffen. Auslöser waren laut Bericht positive Nachrichten rund um KI-Produktstarts; daneben wird eine optimistische Diskussion auf Reddit als Stimmungsfaktor genannt. Das stand im Kontrast zu einem insgesamt schwächeren Marktumfeld, geprägt von wieder aufflammenden Inflationssorgen und geopolitischen Spannungen.
Trotz der Gegenbewegung bleibt das Bild angeschlagen: Seit Jahresbeginn liegt die Aktie 23,2% im Minus. Mit 113,18 US-Dollar notiert sie zudem 45,8% unter dem 52‑Wochen-Hoch von 208,94 US-Dollar aus Juli 2025. In den drei Monaten bis Anfang dieser Woche summierte sich der Rücksetzer auf 34% – trotz eines Umsatzplus von 4,8% und eines kräftigen Anstiegs der Q4-Subscriptions um 21%.
Rückenwind von Nvidia – und neue KI-Produkte
Ein Stabilisierungstreiber kam aus ungewohnter Richtung: Fünf Tage zuvor gewann die Aktie 4,3%, nachdem Nvidia-Chef Jensen Huang Sorgen zurückwies, KI könne Enterprise-Software grundsätzlich „kannibalisieren“. In einem CNBC-Auftritt sagte er, der Markt liege hier falsch, und betonte die weiterhin zentrale Rolle etablierter Plattformen – ausdrücklich auch solcher wie ServiceNow.
Operativ setzt ServiceNow parallel auf den bislang ambitioniertesten Vorstoß in agentische KI. Mit „Autonomous Workforce“ wurden KI-Spezialisten vorgestellt, die Aufgaben mit dem für Unternehmen nötigen Rahmen aus Befugnissen und Governance ausführen sollen. Kurz nach Abschluss der Moveworks-Übernahme brachte ServiceNow zudem „EmployeeWorks“ auf den Markt. Das Produkt kombiniert Moveworks’ Conversational AI und Enterprise Search mit ServiceNow-Portal und autonomen Workflows, um Anfragen in natürlicher Sprache in kontrollierte End-to-End-Ausführung zu übersetzen – adressiert laut Unternehmen eine Nutzerbasis von fast 200 Millionen Beschäftigten.
Als Proof-of-Scale verweist ServiceNow auf den eigenen Einsatz eines „Level 1 AI Specialist“: Dieser bearbeite mehr als 90% der IT-Anfragen von Mitarbeitern autonom und sei dabei 99% schneller als menschliche Agents. EmployeeWorks ist laut Bericht bereits allgemein verfügbar. Der erste „Autonomous Workforce“-Spezialist befindet sich in einer kontrollierten Freigabe, die breite Verfügbarkeit peilt ServiceNow für das zweite Quartal 2026 an.
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FedRAMP für Moveworks – Tür zum Public Sector
Mit potenziell langfristiger Wirkung meldete ServiceNow, dass Moveworks die FedRAMP-Moderate-Autorisierung erhalten hat. Damit können Bundesbehörden, Verteidigungsauftragnehmer und öffentliche Organisationen die Moveworks-AI-Assistant-Plattform abgesichert einsetzen, um über Business-Anwendungen hinweg zu suchen und Aktionen auszuführen.
ServiceNow hatte Moveworks im Dezember 2025 für 2,85 Mrd. US-Dollar übernommen. Auf dem ServiceNow Gov Forum heute soll die FedRAMP-autorisierte Technologie präsentiert werden. FedRAMP gilt als zentrale Hürde für Cloud-Verkäufe an US-Bundesbehörden – eine Autorisierung auf „Moderate“-Niveau kann daher die Attraktivität des gesamten Workflow-Stacks für IT-, HR- und Finance-Anwendungsfälle erhöhen.
Fundament: Pipeline stark, Margen im Blick
Die operativen Kennzahlen fielen zuletzt solide aus, änderten die Stimmung aber nicht nachhaltig. Im vierten Quartal 2025 stiegen die Subscription-Erlöse um 21% auf 3,466 Mrd. US-Dollar. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,92 US-Dollar und übertraf damit die Schätzung von 0,89 US-Dollar. Die „current remaining performance obligations“ (cRPO) kletterten um 25% auf 12,85 Mrd. US-Dollar – ein Indikator für eine weiterhin gut gefüllte Pipeline.
Belastend wirkten laut Bericht vor allem Sorgen über sinkende Margen sowie der Tech-Abverkauf insgesamt. Dazu kommt ein intensiver werdender Wettbewerb: Im Zentrum steht die Frage, ob ServiceNows „Now Assist“-Upsell-Zyklus schneller wächst als der Preisdruck durch Microsofts „gut genug“-KI, die in M365 gebündelt angeboten wird. Zusätzlich verschärft sich die Rivalität mit Salesforce, da beide Anbieter sich mit ITSM (Salesforce) beziehungsweise CRM (ServiceNow) stärker gegenseitig in angestammten Feldern begegnen. ServiceNow stellte zudem einen Aktienrückkaufrahmen von 5 Mrd. US-Dollar in Aussicht und erwartet für dieses Jahr KI-bezogene Erlöse von über 1 Mrd. US-Dollar.
Im Fokus steht nun das zweite Quartal 2026: Dann soll der erste „Autonomous Workforce“-Spezialist breit verfügbar werden – und genau daran wird sich messen lassen, ob die neuen KI-Produkte die versprochene Wirkung liefern und das Vertrauen nach der Korrektur dauerhaft stützen können.
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