ServiceNow liefert der Softwarebranche eine seltene Gegenstory. Während viele SaaS-Werte unter der Sorge leiden, dass künstliche Intelligenz klassische Abo-Modelle angreift, wird genau diese Technologie hier zum Kurstreiber. Die Aktie verzeichnete den stärksten Tagesgewinn seit einem Jahr.
Am 18. Mai sprang der Kurs um 8,89 Prozent auf 103,52 Dollar. Die Börsenbewertung rückte auf rund 106,73 Milliarden Dollar vor.
Bank of America sieht KI als Rückenwind
Den Ausschlag gab eine Neubewertung durch Bank of America. Analyst Tal Liani nahm die Beobachtung mit „Buy“ wieder auf und setzte das Kursziel bei 130 Dollar. Seine zentrale These: KI ist für ServiceNow eher ein Wachstumstreiber als eine Bedrohung.
Der Kern liegt in der Positionierung der Plattform. ServiceNow will mit seiner „Action Fabric“-Architektur zur Schaltzentrale für autonome KI-Agenten in Unternehmen werden. Die Software soll solche Agenten steuern, einbinden und in bestehende Arbeitsabläufe integrieren.
Zukäufe wie Armis und Veza erweitern das Spielfeld in Richtung Sicherheit und Datensteuerung. Damit greift ServiceNow nicht nur den klassischen Workflow-Markt an, sondern rückt tiefer in kritische Unternehmensprozesse vor.
Auffällig ist der Kontrast zu Salesforce. Liani stufte den Rivalen am selben Tag auf „Underperform“ ab, während ServiceNow von der KI-Welle profitieren soll. Ein wichtiger Beleg: Der jährliche Vertragswert von „Now Assist“ hat sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt.
Retail-Interesse trifft auf institutionelle Nachfrage
Hinzu kam ein zweiter Impuls. Finanzoffenlegungen deuteten auf eine Beteiligung von Donald Trump im Volumen zwischen einer Million und fünf Millionen Dollar hin. Im außerbörslichen Handel legte die Aktie daraufhin um rund 4 Prozent zu.
Solche Meldungen bewegen nicht immer die Fundamentaldaten. Sie können aber die Wahrnehmung drehen, besonders wenn ohnehin eine frische Analystenstory auf dem Tisch liegt. Bei ServiceNow kippte die Stimmung im Retail-Lager von neutral auf ausgesprochen optimistisch.
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Auch institutionelle Investoren traten zuletzt stärker in Erscheinung. Der Pensionsplan von Canada Post erhöhte seine Position um 547,7 Prozent, iA Global Asset Management und Stephens Inc. AR stockten ebenfalls deutlich auf. Institutionelle Anleger halten inzwischen rund 87,18 Prozent der ausstehenden Aktien.
Operative Zahlen geben Rückhalt
Die Kursreaktion steht nicht allein auf Stimmung. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 22,1 Prozent auf 3,77 Milliarden Dollar. Das Wachstum bleibt damit robust, trotz schwächerer Phase im Softwaresektor.
Noch wichtiger ist die Qualität der Erlöse. Die Abo-Umsätze kletterten um 22 Prozent auf 3,671 Milliarden Dollar. Das stützt die These, dass ServiceNow weiter über wiederkehrende Einnahmen skaliert.
Die aktuellen verbleibenden Leistungsverpflichtungen erreichten 12,64 Milliarden Dollar, ein Plus von 22,5 Prozent. Dieser Wert gilt als Frühindikator für künftige Umsätze.
Bei Großkunden zeigt sich ebenfalls Zugkraft. ServiceNow zählt nun 630 Kunden mit einem jährlichen Vertragswert von mehr als fünf Millionen Dollar, ebenfalls ein Zuwachs von 22 Prozent.
Die Bruttomarge lag bei 76,6 Prozent. Für die freie Cashflow-Marge peilt das Management bis 2028 eine Spanne von 35 bis 37 Prozent an.
Der Kurssprung nimmt Druck aus dem Chart, löscht die Schwäche des Jahres aber nicht aus: Die Aktie liegt weiterhin rund 30 Prozent im Minus. Der nächste Belastungstest ist die KI-Monetarisierung. Das Management setzt auf hybride Preismodelle, die bei breiter Einführung autonomer Agenten einen Aufschlag von 20 bis 30 Prozent ermöglichen könnten.
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