Monatelang fürchteten Investoren das Ende klassischer Software-Abos durch künstliche Intelligenz. Nun greift die US-Regierung ein und zwingt die mächtigsten KI-Modelle in die Warteschleife. Die Folge: Ein massiver Kursaufschwung im Software-Sektor. ServiceNow zählte am Freitag mit einem Kurssprung von fast zehn Prozent zu den größten Gewinnern.
Washington bremst die KI-Konkurrenz
Der Auslöser für die Rallye kam überraschend aus der Politik. Die Trump-Administration beschränkte am 26. Juni die drei neuen GPT-5.6-Modelle. Sol, Terra und Luna bleiben vorerst in einer geschlossenen Testphase. Es gibt keine öffentliche Warteliste. Ein Datum für die breite Freigabe fehlt.
Das verschafft der Branche dringend benötigte Zeit. Zuvor fürchtete die Wall Street, autonome KI-Agenten würden teure Software-Lizenzen überflüssig machen. Diese Angst hatte die ServiceNow-Aktie zeitweise stark belastet. Nun dreht sich der Markt. Der iShares Tech-Software ETF stieg um 3,3 Prozent. Parallel dazu verlor der VanEck Semiconductor ETF 3,7 Prozent.
Neue Allianz und starkes Kerngeschäft
Neben dem politischen Rückenwind treibt eine neue Partnerschaft den Kurs. HCLTech baut seine Zusammenarbeit mit Google Cloud und ServiceNow aus. Gemeinsam bringen sie KI-Agenten auf die Gemini-Enterprise-Plattform. Erste Lösungen richten sich an den Kundenservice und Außendienstmitarbeiter. Hier liefert die KI Echtzeit-Daten direkt in die bestehenden Arbeitsabläufe.
Operativ steht der Konzern ohnehin robust da. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 13,28 Milliarden US-Dollar. Die Bruttomarge erreichte starke 76,6 Prozent. Besonders wichtig: Die Hälfte des neuen Vertragsvolumens stammt inzwischen aus nutzungsbasierten Tarifen. Das schützt den Umsatz, selbst wenn Unternehmen künftig weniger Einzellizenzen für Mitarbeiter buchen.
Analysten sehen massives Aufholpotenzial
Marktbeobachter halten die Aktie weiterhin für unterbewertet. Das durchschnittliche Kursziel an der Wall Street liegt bei 140,63 US-Dollar. Die Investmentbank Benchmark hob ihr Ziel kürzlich auf 130 Dollar an. Die Experten loben das saubere Geschäftsmodell des Softwarekonzerns.
Aktuell notiert das Papier bei 86,88 Euro. Trotz der jüngsten Erholung bleibt auf Monatssicht ein deutliches Minus. Die Schwankungsbreite von über 80 Prozent zeigt die extreme Nervosität der Investoren. Mit einem RSI von 49,1 befindet sich die Aktie nun an einem neutralen Wendepunkt. Hält die politische Bremse für neue KI-Modelle an, dürfte sich die aktuelle Sektor-Rotation zugunsten von Software-Werten weiter verfestigen.
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