IBM warnt, ServiceNow zahlt den Preis. Die Aktie des KI-Workflow-Spezialisten geriet am Dienstag unter Druck, nur wenige Tage vor den eigenen Quartalszahlen. Grund war ein enttäuschendes vorläufiges Zweitquartal von IBM, das die gesamte Software-Branche verunsicherte.
In Frankfurt schloss ServiceNow am Dienstag bei 91,82 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 2,65 Prozent zu Buche, über den Monat betrachtet bleibt die Aktie mit 2,09 Prozent im Plus. Die Marktkapitalisierung liegt bei umgerechnet rund 97,3 Milliarden Euro.
IBM-Warnung trifft engen Partner
An der US-Börse fiel die Reaktion deutlicher aus: ServiceNow-Aktien brachen um etwa 8 Prozent ein und schlossen bei rund 102,40 Dollar. Auf Jahressicht steht damit ein Minus von 27,37 Prozent.
Der Grund für die Ansteckung liegt in der engen Verzahnung beider Unternehmen. Erst vergangene Woche hatten ServiceNow und IBM eine erweiterte Partnerschaft angekündigt, um Unternehmenssysteme zu modernisieren und Daten für KI-Anwendungen nutzbar zu machen. Diese Nähe macht die ServiceNow-Aktie empfindlich für jede Stimmungsverschiebung rund um IBMs Geschäftsverlauf.
IBM selbst meldete einen vorläufigen Quartalsumsatz von 17,2 Milliarden Dollar. Das Plus von 1 Prozent zum Vorjahr blieb klar unter der Konsensschätzung von 17,86 Milliarden Dollar. CEO Arvind Krishna nannte die Zahlen in einem Brief an Investoren „enttäuschend“. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,93 Dollar, ebenfalls unter der Erwartung von 3,022 Dollar.
Laut Krishna trieb vor allem eine schwächere Entwicklung im Mainframe-Geschäft rund um die Z-Serie und die zugehörige Software das Ergebnis nach unten. Ein Wall-Street-Kommentator beschrieb den Tag als „hässlichen Moment für IBM und Softwarewerte“. Ein direkter operativer Zusammenhang mit ServiceNow selbst bleibt allerdings unbestätigt.
UBS erhöht Kursziel trotz Vorsicht
Mitten im Ausverkauf meldete sich UBS zu Wort. Die Bank hob ihr Kursziel für ServiceNow von 100 auf 115 Dollar an, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“. Die Analysten sehen im Setup für das zweite Quartal stabile Nachfrage, aber nur begrenzte kurzfristige KI-Dynamik. Das neue Ziel impliziert ein Aufwärtspotenzial von rund 9,7 Prozent gegenüber dem damaligen Kurs.
UBS verwies zudem auf die noch junge KI-Kooperation mit Hitachi. Das Potenzial sei erkennbar, habe aber bislang keine breite Adoption ausgelöst, die eine optimistischere Einstufung rechtfertigen würde.
Auch am Optionsmarkt zeigte sich Nervosität. Das Handelsvolumen lag mit rund 93.000 Kontrakten im Durchschnittsbereich, dominiert von Call-Optionen. Die implizite Volatilität (IV30) stieg um 2,0 Punkte auf etwa 75,31 – ein Wert im obersten Zehntel der historischen Messungen.
Zahlen am 22. Juli
Der Ausverkauf trifft ServiceNow gut eine Woche vor der eigenen Quartalsvorlage. Das Unternehmen wird die Ergebnisse für das am 30. Juni 2026 endende zweite Quartal nach US-Börsenschluss am Mittwoch, dem 22. Juli 2026, veröffentlichen.
Analysten werten die IBM-Warnung eher als möglichen Vorboten für Ausgabemuster im Enterprise-Software-Sektor, weniger als direkten Hinweis auf ServiceNows eigene Lage. Das Unternehmen verkauft wiederkehrende Cloud-Workflows und Sicherheitslösungen. Der Auftragsbestand (cRPO) von 12,64 Milliarden Dollar kann kurzfristige Schwankungen abfedern.
Das Risiko liegt woanders: Sollten Kunden ihre Budgets länger umschichten, Großaufträge sich verzögern oder KI-Agenten das Wachstum bei Nutzerlizenzen bremsen, wiegt das schwerer. Die Aktie handelt derzeit zum rund 62-Fachen des Gewinns der vergangenen zwölf Monate – ein Bewertungsniveau, das wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt.
Der Auftragsbestand von 12,64 Milliarden Dollar entspricht dem 3,3-Fachen des Mittelwerts der eigenen Umsatzprognose für das Abo-Geschäft, die zwischen 3,815 und 3,820 Milliarden Dollar liegt. Investoren werden genau prüfen, ob dieses Wachstum beim Bestand stabil bleibt. Auch Kommentare zum Timing von Großaufträgen dürften Beachtung finden, nachdem IBM bereits von verschobenen Investitionsmustern bei Unternehmenskunden berichtet hatte.
Die kommenden Tage dürften geprägt bleiben von der erhöhten Volatilität und der Reaktion auf Zahlen anderer Softwarewerte. Der Bericht am 22. Juli wird zeigen, ob die durch IBM ausgelöste Nervosität eine breitere Abkühlung im Sektor widerspiegelt – oder ein isoliertes Problem eines einzelnen Unternehmens war.
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