Die Aktie von ServiceNow steht vor einer entscheidenden Woche. Am 22. Juli legt der Softwarekonzern seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Optionshändler rechnen mit einem Kursausschlag von mehr als 11 Prozent in die eine oder andere Richtung — eine Zahl, die zeigt, wie nervös der Markt gerade ist.
Der Kurs schloss zuletzt bei 90,20 Euro, ein Minus von 0,79 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 4,39 Prozent zu Buche. Über 30 Tage gerechnet liegt die Aktie dennoch 8,57 Prozent im Plus. Die annualisierte Volatilität von 56,11 Prozent verrät: Hier wird vor den Zahlen kräftig gehandelt.
Analysten erwarten Wachstum, IBM sorgt für Unruhe
Für das zweite Quartal rechnen Analysten mit 3,92 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn je Aktie von 0,86 Dollar. Das Management selbst peilt beim Abo-Umsatz ein Wachstum von 22,5 Prozent auf 3,815 bis 3,82 Milliarden Dollar an. Diese Spanne wird zur Messlatte für den Bericht am Mittwoch.
Ein Teil der jüngsten Schwäche hat nichts mit ServiceNow selbst zu tun. IBM veröffentlichte vorläufige Quartalszahlen, die hinter den Erwartungen der Wall Street zurückblieben. ServiceNow und Accenture gerieten daraufhin im Sog nach unten. Die Sorge dahinter: Wenn IBMs Geschäft mit Unternehmenssoftware Risse zeigt, könnten auch ServiceNows Auftragseingänge im Enterprise-Bereich genauer unter die Lupe genommen werden.
Kursziele steigen, Zacks bleibt skeptisch
Die Stimmung unter Analysten ist gespalten. Auf der positiven Seite hob UBS ihr Kursziel von 100 auf 115 Dollar an. RBC Capital erhöhte von 121 auf 130 Dollar. Truist Financial bestätigte seine Kaufempfehlung.
Guggenheim ging noch einen Schritt weiter. Die Bank stufte ServiceNow am 2. Juli von Neutral auf Kaufen hoch und nannte ein Kursziel von 125 Dollar. Begründung: Das Unternehmen sei profitabel und werde auf absehbare Zeit weiter mit zweistelligen Raten organisch wachsen — bei der aktuellen Bewertung eine attraktive Einstiegschance.
Nicht jeder teilt diesen Optimismus. Zacks vergibt trotz starker Nachfrage nach der KI-Plattform nur Rang 4, was einer Verkaufsempfehlung entspricht. Als Gründe nennt das Analysehaus Margendruck und einen Kursrückgang von 32,5 Prozent seit Jahresbeginn. Diese Kluft zwischen steigenden Kurszielen und der skeptischen quantitativen Einstufung zeigt, wie umstritten die Aktie vor den Zahlen ist.
KI-Partnerschaften wachsen weiter
Abseits der Zahlen-Debatte baut ServiceNow sein Ökosystem an KI-Partnerschaften aus. Anfang Juli kündigten Partner wie Ciroos, Esri, Hitachi Digital Services, Hexnode UEM und C1Secure neue KI-Integrationen auf der ServiceNow-Plattform an. Separat vereinbarte ServiceNow mit Hitachi eine Kooperation für KI-gestütztes Infrastruktur-Monitoring — ein weiterer Schritt in Richtung Betriebstechnik und Infrastruktur-Anwendungen für die Now-Assist-Produkte.
Charttechnik bietet keine klare Richtung
Der RSI liegt bei 48,6 Punkten. Damit bewegt sich die Aktie in neutralem Terrain, weder überkauft noch überverkauft. Das lässt nach den Zahlen Raum für eine deutliche Bewegung in beide Richtungen.
Investoren richten den Blick nun auf drei Punkte im Bericht: das Abo-Umsatzwachstum im Vergleich zur Guidance, die aktuellen Restleistungsverpflichtungen als Indikator für künftige Nachfrage, und die Kommentare des Managements zu KI-gestützten Auftragseingängen über Now Assist. Bei der hohen implizierten Volatilität an den Optionsmärkten dürfte der Ausschlag nach der Veröffentlichung am 22. Juli entsprechend heftig ausfallen.
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