Starke Zahlen, schwacher Kurs. Bei ServiceNow klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Das Software-Unternehmen wächst rasant. Dennoch straft der Markt den Titel gnadenlos ab.
Am Freitag erholte sich das Papier leicht auf 79,24 Euro. Das ändert wenig am übergeordneten Bild. In den vergangenen 30 Tagen verlor der Titel fast zehn Prozent an Wert.
Vom 52-Wochen-Hoch ist die Aktie mittlerweile rund 30 Prozent entfernt. Mit einem RSI von 39,4 nähert sich der Wert dem überverkauften Bereich. Die hohe Volatilität unterstreicht die Nervosität der Investoren.
Angst vor der KI-Revolution
Der gesamte Software-Sektor litt Anfang 2026 unter einem massiven Ausverkauf. Investoren fürchten den Siegeszug von KI-Agenten. Diese könnten das klassische Lizenzmodell pro Nutzer überflüssig machen.
Bei ServiceNow greift diese Sorge allerdings ins Leere. Der Konzern rechnet seine Dienste zunehmend nach tatsächlicher Nutzung ab. Ein Vergleich mit dem Konkurrenten Salesforce verdeutlicht diese Stärke. ServiceNow steigert seine Umsätze deutlich konstanter.
Im ersten Quartal kletterten die Abo-Erlöse um 22 Prozent auf 3,67 Milliarden US-Dollar. Die vertraglich zugesicherten künftigen Einnahmen stiegen auf über 12 Milliarden US-Dollar.
Analysten erwarten für das Gesamtjahr ein Umsatzplus von 22 Prozent. Salesforce kommt hier nur auf knapp zehn Prozent.
Milliarden-Meilenstein bei Amazon
Die Nachfrage nach den neuen KI-Werkzeugen des Unternehmens wächst rasant. Die Zahl der Großkunden mit über einer Million US-Dollar Jahresumsatz stieg um 130 Prozent.
Um dieses Tempo zu halten, baut das Management neue Allianzen auf. Am 25. Juni erweiterte ServiceNow die Zusammenarbeit mit Google Cloud und HCLTech. Gemeinsam bringen sie KI-Agenten in die Unternehmensabläufe.
Ein weiterer Meilenstein gelang bei Amazon. Kunden kauften über den AWS-Marktplatz bereits Software für über eine Milliarde US-Dollar. Dieser Wert zeigt die enorme kommerzielle Reichweite der Plattform.
Analysten rechnen für das laufende Geschäftsjahr mit einem Gewinnwachstum von fast 20 Prozent. Die operativen Geschäfte laufen auf Hochtouren. Hält die Unterstützung im Bereich der aktuellen Tiefs, könnte sich die Lücke zwischen starkem Geschäft und schwachem Kurs bald schließen. Fällt der Wert weiter, droht eine Fortsetzung der Talfahrt.
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