ServiceNow schwächelt an der Börse, doch Wall-Street-Analysten kaufen genau jetzt zu. Die Aktie des Softwarekonzerns verlor in der vergangenen Woche 7,73 Prozent und schloss am Freitag bei 90,20 Euro. Nur wenige Tage vor den Quartalszahlen häufen sich ausgerechnet jetzt neue Kaufempfehlungen.
Seit Jahresbeginn steht ein Kursverlust von rund 32 Prozent zu Buche. Grund sind Sorgen, dass generative KI klassische Softwaregeschäfte wie das von ServiceNow verdrängen könnte. Trotzdem stufen mehrere Analysten die Aktie diese Woche neu mit „Buy“ ein.
Analysten setzen auf Erholung
Benchmark-Analyst Yi Fu Lee bestätigte am Freitag seine Kaufempfehlung und ein Kursziel von 130 Dollar. Er bezeichnete ServiceNow als einen der am meisten missverstandenen Large-Cap-Softwarewerte am Markt. Der jüngste Kursrückgang sei vor allem eine Reaktion auf enttäuschende vorläufige Zahlen von IBM gewesen, so Lee.
IBM und ServiceNow arbeiten inzwischen mit völlig unterschiedlichen Wachstums- und Geschäftsmodellen, argumentiert der Analyst. Die Sorgen um eine KI-bedingte Disruption bei ServiceNow hätten sich seit dem ersten Quartal verschoben. Investoren wollen nun handfeste Beweise sehen, dass KI-Anwendungen dem Kerngeschäft neuen Schwung geben.
Auch Oppenheimer-Analyst Jeff Jones stieg am Mittwoch mit einer Kaufempfehlung ein. Die Angst vor KI-Disruption sei überzogen, so Jones. ServiceNow sei tief in Unternehmensprozessen verankert, und auch das eigene KI-Geschäft wachse.
Über alle 35 Analysten der vergangenen drei Monate hinweg steht ServiceNow mit 33 Kauf- und zwei Halteempfehlungen als Strong Buy da. Erst Anfang Juli hatte UBS das Kursziel von 100 auf 115 Dollar angehoben, Truist Financial bestätigte seine Kaufempfehlung, und RBC Capital zog ebenfalls nach. Goldman Sachs senkte sein Kursziel dagegen leicht.
Wachstum trotz KI-Sorgen erwartet
Für das zweite Quartal rechnen Analysten mit einem Umsatzsprung von 3,22 auf 3,93 Milliarden Dollar, ein Plus von rund 22 Prozent. Der Gewinn je Aktie soll auf 0,86 Dollar steigen, nach 0,82 Dollar im Vorjahresquartal – ein Zuwachs von etwa 5 Prozent.
Die Kursbewegung dieses Jahres spiegelt eine breitere Verunsicherung wider: Der Markt preist ServiceNow so ein, als hätte künstliche Intelligenz dem Geschäft bereits geschadet. Klare Anzeichen dafür, dass sich die Fundamentaldaten kurz- oder mittelfristig verschlechtern, gibt es bisher nicht. Das Unternehmen wächst weiterhin mit über 20 Prozent – die Frage ist, ob der Ausverkauf an der Börse dieser Realität gerecht wird.
Markt bleibt vor den Zahlen gespalten
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 56,11 Prozent, der RSI bei neutralen 48,6 Punkten. Beide Werte zeigen: Der Markt hat sich vor der Berichtssaison noch nicht auf eine Richtung festgelegt. Die Kaufempfehlungen von Benchmark und Oppenheimer aus dieser Woche deuten darauf hin, dass ein Teil der Wall Street die jüngste Schwäche für eine Überreaktion hält, nicht für ein fundamentales Warnsignal.
Der Quartalsbericht kommt am Mittwoch, den 22. Juli, nach Handelsschluss. Er wird zeigen, ob das Umsatzwachstum von rund 22 Prozent Bestand hat oder ob die Sorgen vor KI-Disruption tatsächlich berechtigt waren.
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