Der Höhenflug von ServiceNow ist abrupt geendet. Innerhalb einer Woche brach der Kurs um gut 16 Prozent ein. Die Aktie schloss am Freitag bei 97,64 Euro. Ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht traf auf ein überkauftes Papier. Anleger nahmen massiv Gewinne mit.
Zinsangst würgt Rally ab
Die US-Wirtschaft schuf im Mai 172.000 neue Stellen. Ökonomen hatten lediglich mit 85.000 gerechnet. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,3 Prozent. Diese robusten Daten dämpfen die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen. Ein anhaltend hohes Zinsniveau belastet traditionell wachstumsstarke Technologieunternehmen. Die Folge: Zukünftige Gewinne sind heute weniger wert.
Der Kursrutsch folgt auf eine rasante Aufholjagd. Auf Monatssicht steht immer noch ein Plus von rund 26 Prozent auf der Anzeigetafel. Zuvor hatte das Unternehmen starke Quartalszahlen präsentiert. Ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm trieb den Kurs Ende Mai zusätzlich an. Wenige Tage später befeuerte Nvidia-Chef Jensen Huang den gesamten Softwaresektor. Er zerstreute Bedenken über KI-bedingte Jobverluste in der Branche.
Wachstum intakt, Margen unter Druck
Trotz der aktuellen Kursverluste wächst das operative Geschäft rasant. Die Aboeinnahmen kletterten im ersten Quartal um 22 Prozent. Das Management hob daraufhin die Jahresprognose an. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet ServiceNow nun Abosätze von bis zu 15,77 Milliarden US-Dollar.
Allerdings belasten geopolitische Konflikte das Geschäft. Im Nahen Osten verzögerten sich zuletzt mehrere große Cloud-Projekte. Das bremste das Umsatzwachstum im ersten Quartal spürbar. Zusätzlich drückt die geplante Übernahme von Armis auf die Profitabilität. Das Management rechnet für 2026 mit einem Rückgang der freien Cashflow-Marge um 200 Basispunkte.
KI-Partnerschaft und Insider-Deals
Parallel dazu baut ServiceNow sein KI-Ökosystem aus. Eine neue Partnerschaft mit Cognizant soll die Überwachung von KI-Systemen verbessern. Unternehmen können damit ihre automatisierten Prozesse sicherer und transparenter steuern.
Unterdessen trennen sich einige Führungskräfte von ihren Anteilen. Insider verkauften im vergangenen Quartal Aktien für 2,7 Millionen US-Dollar. Zuletzt kündigte Direktorin Teresa Briggs einen Verkauf an. Angesichts einer institutionellen Eigentümerquote von fast 88 Prozent fallen diese Verkäufe kaum ins Gewicht.
Die Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch. Von 48 Experten raten fast alle zum starken Kauf der Aktie. Die hohe Schwankungsbreite erfordert starke Nerven. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von fast 77 Prozent preist der Markt derzeit jede Nachricht aggressiv ein.
