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ServiceNow Aktie: 1,5 Milliarden KI-Umsatz bis 2026

ServiceNow überzeugt mit KI-Umsatzzielen und Sicherheitsfokus. Trotz Kursschwäche sehen Analysten deutliches Aufwärtspotenzial.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • KI-Umsatz soll bis 2030 stark steigen
  • Neuer AI Control Tower adressiert Sicherheitsbedenken
  • Aktie zeigt relative Stärke trotz Marktturbulenzen
  • Analysten sehen Kurspotenzial bis 175 Dollar

Der gestrige Handelstag an den US-Börsen war für Software-Anleger eine harte Lektion in Sachen Sippenhaft. Als Intuit mit einem schwachen Ausblick die Sorge vor einer KI-bedingten Disruption im Massenmarkt schürte, wurden Schwergewichte wie ServiceNow kurzerhand mit in die Tiefe gerissen. Doch für mich offenbart dieser Rücksetzer bei genauerem Hinsehen eher eine Fehleinschätzung des Marktes.

Während andere noch mit den Schattenseiten der Automatisierung kämpfen, hat ServiceNow längst begonnen, die Spielregeln für die Enterprise-KI neu zu definieren. Die Kombination aus aggressiver Monetarisierung und einem bemerkenswerten Fokus auf Sicherheit macht das Unternehmen in meinen Augen zu einem der am besten positionierten Akteure im aktuellen Zyklus.

Monetarisierung durch Vertrauen und neue Preismodelle

Ein zentrales Problem vieler Software-Häuser ist derzeit die Frage, wie man mit KI tatsächlich Geld verdient, ohne die bestehenden Margen zu kannibalisieren.

ServiceNow liefert hier eine beeindruckende Antwort: Rund 50 Prozent der Netto-Neuabschlüsse (ACV) basieren bereits auf verbrauchsorientierten Preismodellen. Das ist ein kluger Schachzug, da es die Einstiegshürden für Kunden senkt und gleichzeitig bei steigender Nutzung massives Aufwärtspotenzial für den Umsatz bietet.

Wir sehen hier kein bloßes Versprechen mehr: Bis Ende 2026 sollen die KI-bezogenen Umsätze bereits 1,5 Milliarden US-Dollar erreichen. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird sogar mit einem Anstieg auf etwa 9,6 Milliarden US-Dollar kalkuliert.

Was mich jedoch besonders überzeugt, ist die strategische Weitsicht von CEO Bill McDermott. Mit der Ankündigung eines „AI Control Tower“ inklusive eines „Kill Switch“ adressiert das Unternehmen die größte Angst der Firmenkunden: unkontrollierbare KI-Agenten.

In einer Welt, in der Sicherheitsverletzungen bei Plattformen wie Hugging Face die Branche verunsichern, schafft ServiceNow eine Governance-Ebene, die für Großunternehmen unverzichtbar ist.

Wer die Kontrolle über die KI behält, gewinnt das Vertrauen der IT-Entscheider. Diese Souveränität dürfte sich langfristig in einer höheren Kundenbindung niederschlagen, zumal sich die Vertragslaufzeiten laut Unternehmensangaben bereits verlängert haben.

Die Entkoppelung vom Software-Sentiment

Trotz der kurzfristigen Turbulenzen zeigt die Aktie eine bemerkenswerte relative Stärke. Zwar verlor das Papier gestern im deutschen Handel 0,9 Prozent auf einen Schlusskurs von 107,75 Euro, doch im breiteren Kontext steht ServiceNow stabil da.

Der S&P 500 Software-Index hat seit seinem Rekordhoch im letzten Oktober eine wahre Achterbahnfahrt hinter sich, während ServiceNow über einen Zeitraum von 30 Tagen ein Plus von 11 Prozent vorweisen kann. Diese Widerstandsfähigkeit rührt auch daher, dass das Unternehmen sein Ökosystem konsequent ausbaut, statt nur auf organisches Wachstum zu setzen.

Die Nachricht, dass NTT DATA den schwedischen Spezialisten Netgain übernimmt, um gemeinsam mit der bereits erworbenen The Cloud People den größten reinen ServiceNow-Partner in Schweden zu formen, unterstreicht die Relevanz der Plattform.

Wenn globale IT-Dienstleister derart massiv in spezialisierte Kapazitäten rund um ServiceNow investieren, ist das für mich ein klares Signal für eine dauerhafte Marktdurchdringung.

Auch Integrationen wie die der Deal-Optimierungs-App von Pricefx zeigen, dass die Plattform zunehmend zum zentralen Betriebssystem für KI-gestützte Geschäftsprozesse wird, das weit über einfaches IT-Service-Management hinausgeht.

Fazit: Eine neue Phase der Bewertung

Unterm Strich steht ServiceNow heute fundamental besser da als während der Hype-Phase Ende 2024. Damals zahlten Anleger Spitzenpreise mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 60. Aktuell handelt das Papier bei etwa 25,4x des erwarteten Gewinns für 2027. Das ist für ein Unternehmen, das im zweiten Quartal 2026 seinen Abonnement-Umsatz um 24,5 Prozent auf 3,88 Milliarden US-Dollar steigern konnte, eine fast schon nüchterne Bewertung.

Die Analysten von Wells Fargo mit einem Ziel von 175 US-Dollar und die Bank of America mit 150 US-Dollar signalisieren, dass die Experten hier noch erheblichen Spielraum nach oben sehen.

Für mich ist die These klar: ServiceNow profitiert nicht nur vom KI-Boom, sondern gestaltet ihn aktiv durch Sicherheit und flexible Preisgestaltung. Der gestrige Kursrückgang wirkt vor diesem Hintergrund wie ein rein technisches Phänomen, das durch die Schwäche anderer Branchenteilnehmer ausgelöst wurde.

Solange das Unternehmen seine ambitionierten Umsatzziele für den KI-Bereich untermauert und die operative Marge stabil hält, bleibt ServiceNow für mich einer der Top-Werte im Cloud-Sektor. Das Risiko einer „Rogue AI“ wird durch den neuen Kontrollturm minimiert – das Risiko einer Unterbewertung durch den Markt scheint mir derzeit das deutlich größere Thema für Anleger zu sein.

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Diskussion zu ServiceNow

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.