Ein Kursrutsch von rund 35 Prozent seit Dezember 2025 hat aus ServiceNow offenbar eine Schnäppchen-Aktie gemacht. Zumindest sieht das Guggenheim-Analyst John DiFucci so. Er stuft die Softwareaktie von Neutral auf Buy hoch und setzt ein Kursziel von 125 Dollar.
Guggenheim wechselt die Seiten
DiFucci begründet sein Umdenken nicht mit kurzfristiger KI-Euphorie. Sein Argument ist nüchterner: Die Bewertung stimmt. ServiceNow handelt aktuell bei etwa dem 7,5-Fachen des erwarteten Umsatzes der nächsten zwölf Monate, gemessen am Unternehmenswert.
Nach Einschätzung des Analysten habe der Markt bereits die „dunkelsten Szenarien“ rund um eine mögliche KI-Disruption eingepreist. Sein Fazit: Der Einstiegspunkt sei attraktiv für ein Unternehmen, das weiterhin zweistellig wächst. KI-Risiken bleiben zwar ein Faktor, bedrohen das Geschäftsmodell aber nicht existenziell — so die Guggenheim-These.
Bundesgeschäft als Wachstumstreiber
Ein zentraler Baustein der neuen Prognose ist die erwartete Stabilisierung der Nachfrage aus US-Bundesbehörden. Analysten verweisen zudem auf die starke Marktposition im Bereich Unternehmenssoftware. Die „komfortable Profitabilität“ gilt vielen als defensive Qualität in einem volatilen Marktumfeld.
Die operativen Zahlen stützen diese Sicht. Im ersten Quartal 2026 stieg der Abo-Umsatz um 22 Prozent auf 3,671 Milliarden Dollar. Die aktuellen Restleistungsverpflichtungen (cRPO) legten um 22,5 Prozent auf 12,64 Milliarden Dollar zu.
Zahlen und Termine im Blick
ServiceNow veröffentlicht seine Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026 am Mittwoch, den 22. Juli, nach Börsenschluss. Eine Telefonkonferenz um 14:00 Uhr Pacific Time schließt sich an.
Für das zweite Quartal hat das Management bereits eine Umsatzprognose von 3,815 bis 3,820 Milliarden Dollar für das Abo-Geschäft ausgegeben. Das liegt leicht über dem Marktkonsens von 3,75 Milliarden Dollar. Langfristig strebt der Konzern bis 2030 einen Abo-Umsatz von über 30 Milliarden Dollar an — das entspricht einem jährlichen Wachstum von rund 17,5 Prozent.
Kurserholung nach steilem Rückgang
Der Aktienkurs zeigt bereits erste Reaktionen auf die veränderte Stimmung. Nach Schlusskurs von 92,98 Euro am Mittwoch steht binnen sieben Tagen ein Plus von 18,11 Prozent zu Buche. Der 30-Tage-Blick bleibt mit minus 15,28 Prozent aber weiter negativ.
Der RSI von 55,8 signalisiert eine neutrale bis leicht positive Dynamik — keine Überhitzung, aber auch kein Ausverkaufssignal mehr. Die annualisierte Volatilität von 82,07 Prozent zeigt allerdings: Ruhig ist dieser Titel derzeit nicht.
Auf der Partnerseite bleibt ServiceNow aktiv. Accenture bringt gemeinsam mit dem Unternehmen KI-gestützte Cybersicherheits- und Migrationslösungen auf die Plattform. IBM wiederum arbeitet an der Modernisierung von Altsystemen — ein Projekt, das in der zweiten Jahreshälfte 2026 an Fahrt gewinnen soll.
Die eigentliche Bewährungsprobe steht mit den Zahlen am 22. Juli an. Erst dann zeigt sich, ob die Guggenheim-These vom eingepreisten Worst-Case-Szenario auch die breitere Analystengemeinde überzeugt.
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