Nach einem Kursanstieg von fast 30 Prozent in nur einem Monat gerät ServiceNow am Donnerstag wieder unter Druck. Die Aktie schwankte allein im Tagesverlauf zwischen 112,97 und 129,69 Dollar — ein Ausschlag von fast 17 Dollar innerhalb weniger Stunden.
Snowflake-Effekt verpufft
Der Rücksetzer folgt auf eine außergewöhnliche Rally. In den beiden Vortagen hatte die Aktie zunächst 12,7 Prozent und dann weitere 9,4 Prozent zugelegt. Auslöser waren starke Quartalszahlen von Snowflake und Dell. Beide Unternehmen zeigten: Konzerne investieren massiv in KI-Infrastruktur — und kaufen dabei weiterhin klassische Unternehmenssoftware.
Das widerlegte vorübergehend die Angst, KI könnte SaaS-Modelle überflüssig machen. Nun kehrt diese Unsicherheit zurück.
Die „SaaSpocalypse“ sitzt tief
Anfang Februar 2026 verlor der Sektor innerhalb von 48 Stunden rund 285 Milliarden Dollar an Börsenwert. Auslöser war Anthropics Claude-Cowork-Plattform. Sie weckte ernsthafte Zweifel daran, ob KI-Agenten das klassische Lizenzmodell nach Nutzerplätzen ablösen könnten.
Der iShares Expanded Tech-Software ETF (IGV) fiel danach um mehr als ein Drittel vom September-Hoch. Im April erreichte er ein 52-Wochen-Tief. Die Erholung kam schnell: Im Mai stieg der IGV um 21 Prozent — die stärkste Monatsperformance seit Oktober 2001.
Kein Wunder, dass Anleger bei jedem Rückschlag nervös reagieren.
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Preismodell sorgt für Unsicherheit
Ein zentrales Problem für Analysten: ServiceNow erzielt inzwischen 50 Prozent des Neugeschäfts über nutzungsbasierte Modelle statt über feste Sitzlizenzen. Das ist strukturell zukunftsfähig — aber schwer zu modellieren. Vergleichswerte fehlen. Der Markt kann ein Geschäftsmodell, das er nicht zuverlässig berechnen kann, nur begrenzt einpreisen.
Hinzu kommt eine Insidermeldung: Direktorin Teresa Briggs meldete am 2. Juni die geplante Veräußerung von 1.595 Aktien im Wert von rund 173.000 Dollar. In den vergangenen zwölf Monaten gab es bei ServiceNow 42 Insiderverkäufe und nur einen Kauf.
Fundamentaldaten bleiben stark
Trotz der Kursschwankungen — der RSI liegt bei 59,5, die annualisierte Volatilität bei fast 93 Prozent — sind die Geschäftszahlen solide. Im ersten Quartal 2026 stieg der Abonnementumsatz um 22 Prozent auf 3,67 Milliarden Dollar. Die kurzfristigen Leistungsverpflichtungen (cRPO) kletterten um 22,5 Prozent auf 12,64 Milliarden Dollar.
Für das zweite Quartal erwartet ServiceNow einen Abonnementumsatz zwischen 3,815 und 3,820 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Unternehmen 15,735 bis 15,775 Milliarden Dollar an — ein Wachstum von 22 bis 22,5 Prozent.
48 Analysten vergeben im Schnitt ein „Strong Buy“-Rating. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 141,86 Dollar — mehr als 20 Prozent über dem aktuellen Niveau. Die Spanne zwischen 52-Wochen-Hoch bei 211,48 Dollar und Tief bei 81,24 Dollar zeigt, wie stark die Stimmung rund um KI und Enterprise-Software schwankt. Das dürfte vorerst so bleiben.
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