Starke Quartalsergebnisse, erhöhte Jahresprognose, eine ausgebaute Google-Partnerschaft — und trotzdem fällt die Aktie. Bei ServiceNow klafft die Lücke zwischen operativer Leistung und Börsenbewertung so weit auseinander wie selten zuvor.
Absturz trotz Rekordaufträgen
Der Kurs notiert rund 52 Prozent unter seinem Jahreshoch. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 39 Prozent verloren. Das Unternehmen lieferte im ersten Quartal 2026 trotzdem: Umsatz von 3,77 Milliarden Dollar übertraf die Erwartungen, der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,97 Dollar.
Die Auftragspipeline wächst ebenfalls. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen stiegen auf 27,7 Milliarden Dollar — ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kunden, die mehr als eine Million Dollar jährlich für das KI-Produkt Now Assist ausgeben, wuchsen um über 130 Prozent.
Für das Gesamtjahr 2026 erhöhte ServiceNow die Prognose für Abonnementumsätze auf 15,74 bis 15,78 Milliarden Dollar. Das ist eine deutliche Anhebung gegenüber dem vorherigen Zielkorridor.
Geopolitik und Margendruck
Ein Störfaktor bleibt der Nahe Osten. Mehrere große On-Premise-Verträge in der Region verzögerten sich wegen des anhaltenden Konflikts. CFO Gina Mastantuono sprach gegenüber CNBC von „zusätzlicher Vorsicht“ in der Jahresprognose. Der Effekt auf das Umsatzwachstum im ersten Quartal lag bei rund 75 Basispunkten.
Die GAAP-Bruttomarge sank auf 75 Prozent, nach 79 Prozent im Vorjahr. Integrationskosten aus der Armis-Akquisition drückten auf die Marge. Die Non-GAAP-Betriebsmarge stieg hingegen leicht auf 32 Prozent.
Google-Partnerschaft und KI-Strategie
Parallel zur Quartalsmeldung vertiefte ServiceNow seine Allianz mit Google Cloud. Beide Unternehmen präsentierten neue KI-Agenten für Großkonzerne — in Bereichen wie 5G-Netzwerke, Einzelhandel und IT-Systeme. Technisch verbindet ein gemeinsames Interoperabilitäts-Framework die Gemini-Plattform von Google mit der ServiceNow AI Platform. Google Cloud kürte ServiceNow zum Partner des Jahres 2026 in vier Kategorien.
Analysten bleiben konstruktiv
Die Reaktion der Analysten war gespalten im Ton, aber überwiegend positiv in der Richtung. Barclays-Analyst Raimo Lenschow nahm die Coverage am 23. April mit „Overweight“ und einem Kursziel von 132 Dollar wieder auf. Er sieht die Makrolage als Belastung, aber „nichts, das die fundamentale Story verändert.“
DA Davidson und Piper Sandler behielten ihre Kaufempfehlungen, senkten aber die Kursziele auf 190 beziehungsweise 140 Dollar. Die pessimistischste Einschätzung kommt von KeyBanc: Analyst Jackson Ader hält an seiner Verkaufsempfehlung fest und senkte das Ziel auf 85 Dollar — mit Verweis auf Dealverzögerungen und Margensorgen.
Der eigentliche Streitpunkt ist struktureller Natur. Agentenbasierte KI-Coding-Tools wie Anthropic’s Claude Code haben die Angst geschürt, dass Software künftig leichter replizierbar wird. ServiceNow hält dem entgegen, dass seine Plattform tief in die IT-Infrastruktur von Großkunden eingebettet ist — mit proprietärer Geschäftslogik und Sicherheitsstrukturen, die sich nicht einfach ersetzen lassen. Ob der Markt das mittelfristig wieder höher bewertet, entscheidet sich spätestens mit den Q2-Zahlen und dem weiteren Verlauf der Geopolitik im Nahen Osten.
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