Sembcorp ist einem grenzüberschreitenden Stromprojekt in Südostasien nähergekommen. Singapurs Energieregulierer EMA hat heute eine bedingte Genehmigung für die Einfuhr von bis zu 1,3 GW erteilt. Die Lieferungen aus Vietnam und Malaysia sollen 2035 beginnen. Für Anleger ist das ein Entwicklungsschritt, aber noch keine Absicherung künftiger Erlöse: Genehmigungen, Abnahmeverträge und Finanzierung müssen die Partner erst sichern.
Stromkorridor mit offenen Bedingungen
Die Genehmigung betrifft Sembcorp Utilities und das MY Energy Consortium mit Petronas, Tenaga Nasional und PTSC. Das Vorhaben verbindet vietnamesische Offshore-Windkraft mit Solarenergie und Batteriespeichern aus Malaysia. Über einen regionalen Stromkorridor soll die Energie nach Malaysia und Singapur gelangen. Malaysia übernimmt dabei sowohl die Rolle eines Abnehmers als auch eines Transitlandes.
Nach Angaben von Sembcorp baut das Projekt auf einer gemeinsamen Entwicklungsvereinbarung vom Mai 2025 auf. Weitere regulatorische und projektbezogene Zustimmungen bleiben erforderlich. Die heutige Entscheidung erlaubt deshalb noch nicht den Schluss, dass Bau und Stromlieferungen bereits verbindlich gesichert wären.
Die Bedeutung des Vorhabens liegt in der Verknüpfung unterschiedlicher Erzeugungsquellen über Landesgrenzen hinweg. Für Sembcorp rücken damit neben der technischen Entwicklung vor allem die kommerziellen Voraussetzungen in den Vordergrund. Erst gesicherte Abnehmer und eine tragfähige Finanzierung würden aus der bedingten Zulassung ein wirtschaftlich belastbareres Projekt machen.
Nxera eröffnet eine mögliche Absatzperspektive
Parallel dazu hat Sembcorp Utilities heute eine Absichtserklärung mit Nxera Singapore unterzeichnet. Der zu Singtel gehörende Betreiber von KI-Rechenzentren will gemeinsam mit Sembcorp die Versorgung seiner Rechenzentren in Singapur mit kohlenstoffarmer und erneuerbarer Energie prüfen.
Zur Auswahl stehen Strom aus Wasserstoff und Biomethan sowie Solaranlagen auf Gebäuden. Hinzu kommen mögliche Importe aus dem geplanten schwimmenden Solarprojekt am malaysischen Linggiu-Stausee. Die Vereinbarung beschreibt damit mehrere Versorgungswege, ist aber noch kein verbindlicher Stromabnahmevertrag.
Das Linggiu-Projekt ist auf 2,2 GWp ausgelegt. Für einen damit verbundenen Importplan über 300 MW erhielt Sembcorp bereits im August eine bedingte Zustimmung. Der Betriebsbeginn wird für 2029 erwartet.
Zwei Vorhaben mit unterschiedlichen Zeithorizonten
Das Linggiu-Vorhaben und der neu genehmigte Stromkorridor sind getrennte Projekte. Auch die Vereinbarung mit Nxera bestätigt keine Abnahme aus dem Vietnam-Malaysia-Singapur-Projekt. Sie zeigt vielmehr, dass Sembcorp parallel zu den Importplänen mögliche Versorgungslösungen für konkrete Kunden entwickelt.
Trotz der heutigen Fortschritte beträgt die Tagesveränderung der Sembcorp-Aktie -4,9%. Aus den Projektmeldungen lässt sich daher kein positiver Kursimpuls ablesen.
Für die weitere Bewertung zählt vor allem, ob Sembcorp die regulatorischen Fortschritte in verbindliche Verträge überführen kann. Die bedingte Genehmigung erweitert die Projektperspektive; über deren wirtschaftlichen Wert entscheiden jedoch die noch offenen Abnahme- und Finanzierungskonditionen.
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