Die Ukraine zeigt sich bereit zu einem gegenseitigen Verzicht auf Angriffe gegen die Energieinfrastruktur. Präsident Wolodymyr Selenskyj unterbreitete diesen Vorstoß nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in New York. Der Schritt soll die wechselseitigen Zerstörungen eindämmen und den Druck auf die weltweiten Treibstoffmärkte mindern. Eine schnelle Entlastung an den Rohstoffmärkten bleibt jedoch unwahrscheinlich, da die russische Führung den Teilwaffenstillstand vorerst abgewiesen hat.
Treibstoffpreise belasten Washington
Hinter der Initiative stehen handfeste wirtschaftliche Interessen beider Seiten. Ukrainische Drohnenangriffe hatten zuvor wiederholt russische Raffinerien getroffen und die dortige Kraftstoffverarbeitung empfindlich gestört. In Washington löste das Sorgen vor weiter steigenden Treibstoffpreisen im eigenen Land aus. Die Notierung für US-Rohöl der Sorte WTI stieg zuletzt um 1,15 Prozent auf 93,43 Dollar je Barrel.
Indes lehnte Kremlsprecher Dmitri Peskow den Vorstoß einer begrenzten Vereinbarung ab. Moskau pocht stattdessen auf eine umfassende Friedensregelung. Die ukrainische Wirtschaft leidet ihrerseits unter fortgesetzten russischen Schlägen gegen Kraftwerke, Lagerhallen und industrielle Großbetriebe.
Fehlende Zusagen für die Flugabwehr
Selenskyj nutzte das knapp einstündige Treffen mit Trump auch, um zusätzliche Lieferungen von Patriot-Flugabwehrraketen einzufordern. Eine feste Zusage aus Washington blieb jedoch aus. Die ukrainische Verteidigung kann ballistische Raketen derzeit kaum abfangen, weil entsprechende Abwehrflugkörper fehlen. Russland hatte seine Angriffe mit ballistischen Geschossen und Strahlflugdrohnen über die Sommermonate spürbar intensiviert.
Die Vereinigten Staaten wollen den Vorschlag für eine Energie-Waffenruhe nun an die russische Seite übermitteln. Den nächsten diplomatischen Berührungspunkt markiert ein Treffen am Mittwoch: In New York kommen dann US-Außenminister Marco Rubio und der russische Außenminister Sergej Lawrow zusammen.
