Scottish Mortgage hat sein stärkstes Jahr seit Langem hinter sich, und der Grund liegt nicht in einem breiten Marktaufschwung. Ein einzelner privater Wert zieht den 16 Milliarden Pfund schweren Trust nach oben: SpaceX. Das macht die Bilanz glänzend, aber auch verwundbarer.
Die Beteiligung an Elon Musks Raumfahrt- und Satellitenkonzern ist zur Schlüsselfigur geworden. Sie macht inzwischen rund ein Fünftel des Portfolios aus. Im Geschäftsjahr bis Ende März stieg ihr Wert um 179 Prozent.
SpaceX wird zur Schlüsselfigur
Zum Stichtag 31. März 2026 bewertete Scottish Mortgage die SpaceX-Position mit 2,98 Milliarden Pfund, umgerechnet etwa 3,94 Milliarden Dollar. Damit ist SpaceX der größte Einzelwert des Trusts.
Manager Tom Slater bezifferte den Wertzuwachs auf rund das 19-Fache des ursprünglichen Einsatzes. Verwaltungsratschef Christopher Samuel verwies auf eine deutliche Aufwertung der Position und auf die starke operative Entwicklung des Konzerns. Besonders Starlink steht im Zentrum dieser Neubewertung.
Slater räumte ein, die Größe der Position sei für Scottish Mortgage „höchst ungewöhnlich“. Es wäre fahrlässig, die mögliche Volatilität einer solchen Position zu ignorieren. Genau hier liegt der Kernkonflikt: Der größte Renditetreiber ist auch das größte Konzentrationsrisiko.
Slater sieht SpaceX nicht mehr als reinen Raumfahrtkonzern, sondern als „Doppelmonopol“. Gemeint sind die dominierende Stellung bei Raketenstarts und das globale Satelliteninternet über Starlink. Starlink baue berechenbare und sehr profitable Erlöse auf, wie sie die besten Softwarefirmen anstreben.
Die Anlagen im Orbit seien außergewöhnlich schwer nachzubauen. Die Übernahme von xAI füge eine weitere Ebene hinzu, die der Markt erst zu bewerten beginne. Das dürfte spannend werden, weil der Trust stark an dieser Neubewertung hängt.
Performance schlägt den Markt
Die Zahlen für das Gesamtjahr fallen entsprechend stark aus. Der Nettoinventarwert erzielte eine Gesamtrendite von 27,4 Prozent. Die Aktie kam auf 26,8 Prozent, während der FTSE All-World Index 18,0 Prozent erreichte.
Damit beendet Scottish Mortgage seine lange Erholung nach dem Wachstumseinbruch aus dem Jahr 2022. Der Trust hat sich wieder in die Nähe jener Bewertungslogik bewegt, die vor dem Zinsanstieg dominierte. Wachstumswerte mit langer Duration finden wieder mehr Käufer.
Der Abschlag zum Nettoinventarwert lag zum Jahresende noch bei 9,5 Prozent. Inzwischen handelt der Trust mit Aufschlag. Die Verschuldung sank leicht auf rund 11 Prozent, die Fremdkapitalkosten lagen bei etwa 3,6 Prozent.
Im Eurohandel notiert die Aktie bei 17,84 Euro und verliert heute 0,53 Prozent. Seit Jahresanfang steht dennoch ein Plus von 28,44 Prozent zu Buche.
Der Kurs bleibt damit klar im Aufwärtstrend. Das Tempo hat zuletzt aber nachgelassen.
Zum jüngsten Hoch fehlen 5,36 Prozent. Zugleich liegt die Aktie 11,39 Prozent über der 50-Tage-Linie bei 16,02 Euro.
IPO-Fantasie bleibt der Hebel
Scottish Mortgage bewertet SpaceX zum 31. März 2026 mit 1,25 Billionen Dollar. Die Position wurde im ersten Quartal höher angesetzt, nachdem der Sekundärmarkt die kombinierte Bewertung von SpaceX und xAI neu einpreiste.
Diese Marke liegt bewusst unter den 1,75 Billionen Dollar, die am Markt kursierten. Die Bewertung stützt sich auf überprüfbare Transaktionen. Baillie Gifford arbeitet dabei mit einem Bewertungsteam und S&P Global.
SpaceX reichte am 1. April 2026 einen vertraulichen Börsenprospekt bei der SEC ein. Ein Listing rund um Juni 2026 gilt als möglich, das Unternehmen hat aber keinen Termin bestätigt. Für Altaktionäre ist eine Haltefrist von etwa sechs Monaten üblich, genaue Bedingungen stehen noch aus.
Nach dem Geschäftsjahresende erweiterte Scottish Mortgage seine Anlagepolitik. Der Trust kann nun zusätzliche 250 Millionen Pfund in private Unternehmen investieren. Die laufenden Kosten bleiben mit rund 0,33 Prozent niedrig, erfolgsabhängige Gebühren gibt es nicht.
Die größten börsennotierten Positionen nach dem ersten Quartal zeigen weiter den Tech-Schwerpunkt:
- TSMC: 5,72 Prozent
- MercadoLibre: 3,99 Prozent
- Amazon: 3,56 Prozent
- ASML: 3,22 Prozent
- Nvidia: 3,17 Prozent
Am 2. Juli 2026 stimmt die Hauptversammlung in Edinburgh über eine Schlussdividende von 2,79 Pence je Aktie ab. Der Aufschlag zum Nettoinventarwert liegt inzwischen bei 6,5 Prozent. Diese Prämie bleibt vor allem dann plausibel, wenn die SpaceX-Börsenstory weiter trägt.
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