Scottish Mortgage Investment Trust steht vor einer der wichtigsten Abstimmungen seiner Geschichte — und der Markt macht schon vorab Druck. In den vergangenen sieben Handelstagen verlor der Trust knapp 5 Prozent und notiert aktuell bei 16,12 Euro.
Zinsfurcht trifft unlisted Growth
Auslöser des Kursrutsches war ein starker US-Arbeitsmarktbericht. Er trieb die implizite Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Dezember 2026 deutlich nach oben. Für einen Trust, dessen Portfolio von nicht börsennotierten Wachstumsunternehmen dominiert wird, ist das ein ernstes Problem: Höhere Zinsen drücken die Bewertungen genau dieser Firmen.
Mit einem RSI von 37,5 nähert sich der Trust der überverkauften Zone. Vom 52-Wochen-Hoch bei 19,50 Euro trennen ihn inzwischen mehr als 17 Prozent.
Die 41-Prozent-Frage
Am 2. Juli stimmen die Aktionäre in Edinburgh über eine Kernfrage ab: Darf das Management die Obergrenze für nicht börsennotierte Beteiligungen dauerhaft über die bisherige 30-Prozent-Marke anheben?
Das Problem: Die Grenze ist bereits überschritten. Private Beteiligungen machen aktuell 41,4 Prozent des Portfolios aus. Haupttreiber ist SpaceX — allein dieser eine Posten kommt auf 21 Prozent. Im April sicherte sich das Management eine befristete Ausnahmegenehmigung, die zusätzliche Investitionen von bis zu 250 Millionen Pfund über die 30-Prozent-Schwelle erlaubt. Das war ein Notbehelf. Jetzt soll die Hauptversammlung eine dauerhafte Lösung liefern.
Auf der Tagesordnung steht außerdem eine neue Rückkaufermächtigung für bis zu 14,99 Prozent der Aktien — allerdings nur unterhalb des Nettoinventarwerts.
Rückkauf und Dividende
Das Management kaufte am 8. Juni 800.000 eigene Aktien zu 1.436,86 Pence zurück. Der Kurs lag damit knapp 40 Pence unter dem NAV von 1.475,91 Pence. Das ist die erste Transaktion unter einer neu verschärften Rückkaufpolitik: Aktien werden künftig nur noch erworben, wenn der Marktpreis unter dem NAV liegt.
Nur wenige Wochen zuvor hatte der Trust noch Aktien ausgegeben. Am 1. Juni platzierte Scottish Mortgage 2,35 Millionen Aktien aus dem Eigenbestand zu 1.516,50 Pence, einen Tag später weitere 3,85 Millionen zu 1.545,42 Pence. Ein bemerkenswerter Schwenk innerhalb kurzer Zeit.
Die Dividende bleibt ein Stabilitätssignal. Die Schlusszahlung von 2,97 Pence je Aktie bringt die Jahresdividende auf 4,57 Pence — ein Plus von 4,3 Prozent und das 43. Jahr in Folge mit einer Erhöhung.
Institutionelle kaufen, Privatanleger verkaufen
Während Privatanleger verkaufen, steigt institutionelles Kapital ein. Mitsubishi UFJ Asset Management hat sich Anfang Juni mit gut 33,6 Millionen Aktien eine Beteiligung von mehr als 3 Prozent gesichert.
Das langfristige Bild bleibt stark. Im Geschäftsjahr bis März 2026 stieg der NAV um 27,4 Prozent, der Aktienkurs lieferte eine Gesamtrendite von 26,8 Prozent. Über zehn Jahre beträgt der NAV-Zuwachs 435,2 Prozent — der FTSE All-World kommt im gleichen Zeitraum auf 233,9 Prozent.
Das AGM am 2. Juli wird zeigen, ob die Aktionäre dem Management den Spielraum geben, den es für seine Wachstumsstrategie braucht — oder ob sie die Konzentration in nicht börsennotierten Giganten per Abstimmung begrenzen.
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