Der Countdown läuft. SpaceX soll noch im Juni an der Nasdaq debütieren — und Scottish Mortgage Investment Trust steckt mittendrin. Fast ein Fünftel des Portfolios hängt an einem einzigen Unternehmen, dessen Wert bislang kein Börsenhandel täglich neu berechnet.
Risikoprofil neu aufgestellt
Im Jahresbericht vom 1. Juni 2026 hat der Trust sein Risikorahmenwerk grundlegend umgebaut. Makroökonomische, geopolitische und regulatorische Faktoren behandelt der Vorstand nicht länger als eigenständige Risikokategorien. Sie gelten jetzt als Verstärker von Investitions- und Betriebsrisiken.
Zwei Verschiebungen stechen heraus. Die Cyberbedrohung stuft der Bericht als „moderat und steigend“ ein — geopolitische Spannungen und immer ausgefeiltere Angriffe könnten Baillie Gifford oder externe Dienstleister treffen. Das Discount-Risiko hingegen hat der Vorstand auf „fallend und moderat“ herabgestuft. Das Prämienumfeld soll anhalten.
Ab April 2026 gelten strengere interne Kontroll- und Risikoberichtsstandards. Der Trust bereitet sich auf dieses engere Regime vor.
Aktienplatzierungen statt Rückkäufe
Die Kapitalstrategie hat sich gedreht. In zwei aufeinanderfolgenden Handelssitzungen verkaufte Scottish Mortgage Aktien aus dem eigenen Bestand — jeweils mit Aufschlag auf den Nettoinventarwert. Am 1. Juni platzierte der Trust 2,35 Millionen Aktien zu 1.516,50 Pence, am 2. Juni folgten 3,85 Millionen Aktien zu 1.545,42 Pence. Der NAV lag zum Zeitpunkt der ersten Platzierung bei 1.409,70 Pence.
Das ist eine klare Kehrtwende. In den vergangenen zwei Geschäftsjahren kaufte Scottish Mortgage insgesamt 307,7 Millionen eigene Aktien zurück — rund 22 Prozent des damaligen Kapitals — und investierte dafür 3,02 Milliarden Pfund. Allein im letzten Geschäftsjahr flossen 1,31 Milliarden Pfund in Rückkäufe. Diese Phase der Kapitalverteidigung ist vorbei.
Die Nachfrage stützt den Kurswechsel. Im Mai war Scottish Mortgage beim Broker Interactive Investor den dritten Monat in Folge der meistgekaufte Investment Trust. Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 27 Prozent zugelegt, liegt aber rund sechs Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 18,85 Euro.
SpaceX: Größte Position, größte Unbekannte
SpaceX macht 19,3 Prozent des Portfolios aus. Baillie Gifford bewertet die Position mit 1,25 Billionen Dollar — bewusst unterhalb der in der Presse kursierenden 1,75 Billionen Dollar. Die Bewertung basiert auf verifizierbaren Transaktionen, nicht auf Marktgerüchten.
Was nach dem Börsengang gilt, ist offen. Der Trust weiß noch nicht, welche Lock-up-Bedingungen für Altaktionäre gelten, wie lange eine Sperrfrist dauert oder ob Scottish Mortgage dieselben Konditionen erhält wie andere Pre-IPO-Investoren. Erfahrungswerte aus früheren Börsengängen privater Unternehmen deuten auf etwa sechs Monate hin.
Die weiteren Top-Positionen sind Taiwan Semiconductor mit 5,7 Prozent, ByteDance mit 4,7 Prozent, MercadoLibre mit 4,0 Prozent und Stripe mit 3,9 Prozent.
Hauptversammlung und Dividendenrekord
Am 2. Juli stimmen die Aktionäre über mehrere Punkte ab. Einer davon ist zentral: Der Vorstand will die Obergrenze für nicht börsennotierte Beteiligungen über die bisherigen 30 Prozent anheben. Das würde den Trust tiefer in private Märkte treiben.
Außerdem beantragt der Vorstand eine neue Ermächtigung zum Rückkauf von bis zu 14,99 Prozent der ausgegebenen Aktien — allerdings nur bei einem Kursabschlag zum NAV.
Die Dividende steigt das 43. Jahr in Folge. Die Gesamtausschüttung liegt bei 4,57 Pence je Aktie, ein Plus von 4,3 Prozent. Die Abschlussdividende von 2,97 Pence zahlt der Trust am 10. Juli 2026.
Für das Geschäftsjahr bis März 2026 stieg der NAV um 27,4 Prozent, der Aktienkurs legte um 26,8 Prozent zu. Über zehn Jahre summiert sich der NAV-Zuwachs auf 435,2 Prozent — der FTSE All-World kommt im selben Zeitraum auf 233,9 Prozent. Der SpaceX-Börsengang wird zeigen, ob das neue Risikoprofil hält, was es verspricht.
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