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Schaeffler greift nach dem Orbit — BMW, Mercedes und Daimler Truck ziehen mit

Schaeffler steigt mit Satellitenteilen ins Raumfahrtgeschäft ein, BMW startet Wasserstoff-Produktion und Mercedes bringt autonomes Fahren auf deutsche Straßen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Schaeffler kooperiert mit Spire Global
  • BMW beginnt Wasserstoff-Vorserienproduktion
  • Mercedes Drive Pilot startet in Städten
  • Daimler Truck setzt Aktienrückkauf fort

Ein Autozulieferer baut künftig Satellitenteile, ein Premiumhersteller bringt autonomes Fahren auf deutsche Straßen, und in Landshut laufen die ersten Wasserstoff-Komponenten vom Band. Der heutige Handelstag verdichtet, was die Branche seit Monaten antreibt: Die deutschen Automobilwerte definieren sich neu — weit über das klassische Fahrzeuggeschäft hinaus.

Schaeffler: Raumfahrt-Deal katapultiert die Aktie nach oben

Was nach Science-Fiction klingt, ist seit heute vertraglich angebahnt: Schaeffler und das US-Unternehmen Spire Global haben eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung von Subsystemen für Satellitenhardware, Hochfrequenz- und Umweltsensorik. Konkret will Schaeffler hochkomplexe Schwungräder — sogenannte Reaction Wheels — fertigen, die Satelliten im Orbit stabilisieren und auf Kurs halten.

Das finanzielle Zielvolumen: 250 Millionen Euro Umsatz innerhalb von fünf Jahren. Bis Ende des Jahrzehnts soll ein eigenständiges europäisches Raumfahrt-Geschäftsfeld entstehen, industrialisiert in Deutschland, einsetzbar für Verteidigung, Wetter und kritische Infrastruktur.

Die Börse feiert den Vorstoß. Die Aktie legte heute über 6 Prozent zu und notiert bei rund 10,66 Euro. Allein auf Monatssicht beträgt das Plus gut 35 Prozent. Die neu gegründete Defence-Tochter in München bündelt nun auch die Raumfahrtaktivitäten — ein konsequenter Schritt, nachdem im ersten Quartal nur noch die Sparte E-Mobilität gewachsen war.

  • Umsatzziel mit Spire: 250 Mio. Euro in fünf Jahren
  • Fokus: Reaction Wheels, Sensorik, Satellitenplattformen
  • Analysten-Konsens zuletzt bei 7,68 Euro — der Kurs liegt bereits deutlich darüber

Die DZ Bank hatte die Einstufung nach den Q1-Zahlen auf „Kaufen“ belassen, mit einem fairen Wert von 10 Euro. Der heutige Kurssprung dürfte eine Neubewertung der Konsensschätzungen nach sich ziehen. Ob die Raumfahrt-Wette das bisherige Bewertungsgerüst dauerhaft verschiebt, hängt von Zertifizierungszyklen und Abrufrhythmen ab — kurzfristige Ergebniswirkungen sind bei solchen Programmen typischerweise begrenzt.

BMW: Wasserstoff-Offensive nimmt Fahrt auf

Im Werk Landshut hat die Vorserienproduktion einer zentralen Steuereinheit für den Wasserstoffantrieb begonnen. Der sogenannte „Energy Master“ kommt künftig im BMW iX5 Hydrogen zum Einsatz. Bemerkenswert: Entwicklung und Fertigung dieser Schlüsselkomponente erfolgen erstmals vollständig inhouse.

Ab 2028 soll der iX5 Hydrogen als reguläres Serienfahrzeug bestellbar sein. Geplant sind ein neuer Flachtank für bis zu 750 Kilometer Reichweite und die dritte Generation des Brennstoffzellensystems, entwickelt gemeinsam mit Toyota. BMW verfolgt dabei einen Multi-Antriebsansatz in der X5-Baureihe: batterieelektrisch, Plug-in-Hybrid, konventionell und Wasserstoff-Brennstoffzelle — alles auf einer Plattform.

Die Aktie notiert bei 77,10 Euro, ein Plus von gut 2 Prozent. Seit Jahresbeginn steht allerdings ein Minus von knapp 20 Prozent zu Buche. Zolldiskussionen, intensiver Wettbewerb im E-Segment und Konjunktursorgen in wichtigen Absatzmärkten belasten weiterhin. Über 273 Millionen Euro an Fördermitteln von Bund und Freistaat Bayern flankieren die Wasserstoffstrategie — ein Signal, dass die politische Rückendeckung steht. Die nächsten Quartalszahlen werden am 30. Juli erwartet.

Mercedes-Benz: Drive Pilot kommt auf deutsche Straßen

Mercedes-Benz steuert auf einen Meilenstein zu. Entwicklungsvorstand Jörg Burzer hat angekündigt, dass der Drive Pilot — das System für nahezu autonomes Fahren im dichten Stadtverkehr — zum Jahresende in den ersten deutschen Städten starten soll. Ab 2027 ist die flächendeckende Verfügbarkeit in ganz Deutschland geplant.

Technisches Rückgrat ist die firmeneigene Software-Architektur MB OS, ergänzt durch ein Netzwerk aus Lidar- und Radarsensoren sowie einem halben Dutzend Kameras. Modelle wie der neue CLA, der GLC oder die C-Klasse bringen die nötige Hardware bereits ab Werk mit. Teilweise lässt sich der Dienst sogar nachträglich per Over-the-Air-Update freischalten. Was er kosten wird, hat Mercedes noch nicht kommuniziert.

Heute gewinnt die Aktie rund 3,75 Prozent und klettert auf 52,54 Euro — der stärkste Tagesanstieg unter den großen Premiumherstellern. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 60,75 Euro, was ein Aufwärtspotenzial von etwa 15 Prozent impliziert. Bei einem KGV von 9,5 und einer Dividendenrendite von rund 7 Prozent bleibt die Bewertung im Value-Bereich. Der nächste Quartalsbericht steht am 28. Juli an.

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Daimler Truck: Rückkaufprogramm als stiller Kurstreiber

Während BMW und Mercedes technologische Schlagzeilen liefern, setzt Daimler Truck auf ein bewährtes Instrument der Aktionärspflege. Das laufende Aktienrückkaufprogramm wurde diese Woche fortgesetzt. Im Zeitraum vom 18. bis 22. Mai erfolgten weitere Käufe über die Börse — insgesamt hat Daimler Truck seit dem 16. März rund 3,17 Millionen eigene Aktien erworben.

Die Wirkung zeigt sich im Kurs. Mit einem Plus von gut 4 Prozent auf 43,24 Euro markiert die Aktie heute den stärksten Tagesanstieg im Quintett. Auf Wochensicht beträgt der Zugewinn über 8 Prozent, und seit Jahresbeginn liegt das Papier rund 15 Prozent im Plus — eine Outperformance gegenüber den Pkw-Herstellern.

Operativ fällt das Bild gemischter aus. Im ersten Quartal schrumpfte der Umsatz um knapp 20 Prozent auf rund 10 Milliarden Euro. Analysten sehen den fairen Wert im Schnitt bei 47,13 Euro und erwarten für das Gesamtjahr 2026 einen Gewinn von 3,44 Euro je Aktie. Die Nähe zum 52-Wochen-Hoch von 44,68 Euro signalisiert: Der Markt traut dem Weltmarktführer für schwere Lkw die Erholung zu.

Steyr Motors: Auftragsbestand als Sicherheitsnetz

Weniger spektakulär, aber strategisch bemerkenswert entwickelt sich Steyr Motors. Die Aktie notiert bei 37,80 Euro mit einem moderaten Tagesplus von knapp 2 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 63,40 Euro trennen das Papier noch gut 40 Prozent — eine Lücke, die die Q1-Zahlen allein nicht schließen konnten.

Im ersten Quartal erzielte der Motorenhersteller Umsatzerlöse von 11,7 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT sank von 2,1 auf 0,9 Millionen Euro, bedingt durch zeitliche Verschiebungen größerer Aufträge aus Indien und dem Mittleren Osten. Die Schwäche ist also eher ein Timing-Problem als ein strukturelles.

Was Zuversicht gibt: Der Gesamtauftragsbestand liegt bei 308 Millionen Euro, davon rund 200 Millionen rechtlich bindend. Der Defence-Marine-Bereich wächst dynamisch, der Markt für unbemannte Überwasserfahrzeuge (USV) öffnet sich zunehmend. Zusätzlich entwickelt sich die im zweiten Quartal konsolidierte dänische BUKH-Gruppe profitabler als ursprünglich geplant.

Für 2026 peilt Steyr Motors einen Umsatz zwischen 75 und 95 Millionen Euro bei einer EBIT-Marge von mindestens 15 Prozent an. Ab 2027 könnte ein Folgeauftrag der US Navy über rund 500 Boote einen weiteren Wachstumsschub liefern.

Drei Technologiepfade — eine Branchenlogik

Der heutige Handelstag verdichtet die Neupositionierung der deutschen Automobilbranche:

  • Schaeffler springt in den New-Space-Sektor und zeigt, dass klassische Zulieferer durch Diversifizierung neue Bewertungsdimensionen erreichen können
  • BMW setzt auf maximale Technologieoffenheit mit fünf Antriebsformen in einer Baureihe
  • Mercedes-Benz treibt Software-defined Mobility voran und arbeitet an der Zulassung autonomer Fahrfunktionen im deutschen Stadtverkehr
  • Daimler Truck stabilisiert den Kurs über Kapitalrückführung trotz operativer Delle
  • Steyr Motors positioniert sich als Nischen-Profiteur europäischer Verteidigungsprogramme

Zwischen Orbit und Asphalt — wohin steuert der Sektor?

Alle fünf Aktien schlossen heute im Plus. Hinter den grünen Vorzeichen zeichnet sich eine grundlegende Verschiebung ab. Die Grenzen zwischen Automobilzulieferer, Technologiekonzern und Verteidigungsunternehmen verschwimmen immer weiter. Schaefflers Satelliten-Ambitionen sind das plakativste Beispiel, aber auch Mercedes‘ Autonomie-Offensive und BMWs Wasserstoff-Inhouse-Strategie folgen derselben Logik: Wertschöpfung verlagert sich von der Hardware zum System.

Für Anleger bedeutet das: Wer heute Auto-Aktien kauft, investiert längst nicht mehr nur in Blech und Motoren. Die nächsten Quartalszahlen von BMW und Mercedes Ende Juli werden zeigen, ob die strategischen Weichenstellungen auch in den Margen ankommen — oder vorerst vor allem den Kapitalmarkt begeistern.

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