Scatec holt die EBRD als Kapitalpartner für seine ägyptischen Energieprojekte an Bord. Die Bank sagte bis zu 221 Mio. US-Dollar für die gemeinsame Plattform Egypt Renewables Holdings B.V. zu. Für Anleger ist vor allem die Struktur wichtig: Scatec teilt Finanzierung und Risiken mit einem Partner, behält aber die Mehrheit und zentrale Aufgaben bei der Projektumsetzung.
Eigenkapital und Garantien statt reiner Finanzspritze
Scatec hält 60 % an der Plattform, die EBRD übernimmt 40 %. Nach Angaben von Scatec entfallen rund 170 Mio. US-Dollar der Zusage auf Eigenkapital. Der übrige Teil besteht aus projektbezogenen Garantien.
Damit ist die Zusage nicht vollständig als unmittelbar verfügbares Eigenkapital zu verstehen. Die Kombination soll den Erwerb, die Entwicklung und den Bau von Energieanlagen unterstützen. Die EBRD meldete ihr Engagement gestern. Auch eine spätere Ausweitung über Ägypten hinaus ist vorgesehen beziehungsweise möglich.
Die geplanten Beteiligungen der Plattform reichen von 40 % am Solar- und Speicherprojekt Obelisk über 51 % am Windpark Shadwan bis zu jeweils rund 60 % an Dandara Phase 1 und Energy Valley.
Scatec soll dabei federführender Projektpartner, Entwickler, Auftragnehmer für Planung, Beschaffung und Bau sowie Vermögensverwalter bleiben. Die Partnerschaft verändert somit die Kapitalverteilung, nicht aber Scatecs vorgesehene zentrale Rolle bei der Umsetzung.
Projektfortschritt wird zum nächsten Prüfstein
Laut EBRD soll das Portfolio Ägyptens Stromnetz um 2,7 GW Solarleistung, 900 MW Windleistung und 4,2 GWh Batteriespeicher erweitern.
Diese Größen beschreiben den angestrebten Ausbau und sind nicht mit vollständig fertiggestellten Anlagen gleichzusetzen. Medienberichten zufolge ist Obelisk seit August vollständig kommerziell in Betrieb. Der Bau von Shadwan begann Anfang Oktober.
Für Energy Valley wird der Baustart bis Jahresende erwartet. Auch die Finanzierungsabschlüsse für Shadwan und Energy Valley sollen bis dahin erfolgen. Diese nächsten Schritte sind für Anleger entscheidend: Die Kapitalpartnerschaft schafft einen Rahmen, während Baufortschritt und Finanzierungsabschlüsse die Umsetzung konkretisieren müssen.
Kurzfristige Ergebnisbelastung bleibt bestehen
Die Ägypten-Plattform steht zugleich neben einem schwächeren kurzfristigen Ergebnisausblick. Scatec senkte am Mittwoch die Prognose für das EBITDA aus der Stromerzeugung im laufenden Jahr um 300 Mio. NOK auf 3,3–3,6 Mrd. NOK.
Als Gründe nannte das Unternehmen unter anderem den Ukrainekrieg, Änderungen am philippinischen Reservemarkt und Wechselkursentwicklungen. Hinzu kommt die Verzögerung beim kommerziellen Start des südafrikanischen Batteriespeichers Mogobe. Dort fehlen rechtzeitige Netzanschlussarbeiten des staatlichen Versorgers Eskom.
Die EBRD-Partnerschaft beseitigt diese operativen Belastungen nicht. Sie verteilt jedoch die Finanzierung künftiger ägyptischer Projekte auf mehrere Schultern. Für Scatec-Anleger liegen damit zwei unterschiedliche Aufgaben nebeneinander: die bereits gesenkte Ergebnisprognose operativ abzusichern und die geplanten Projekte mit dem neuen Kapitalpartner tatsächlich voranzubringen.
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