Während die großen Softwarekonzerne mit Kursverlusten und Rechtsstreitigkeiten kämpfen, preschen kleinere Tech-Firmen mit Übernahmen und Rüstungspartnerschaften vor. Die Kluft zwischen etablierten Schwergewichten und agilen Aufsteigern war selten so deutlich wie in dieser Woche.
SAP: Klagewelle und KI-Skepsis drücken den Kurs auf Jahrestief
Der Walldorfer Softwareriese steht an mehreren Fronten unter Beschuss. Eine 480-Millionen-Dollar-Vergleichszahlung an Teradata, laufende Ermittlungen des US-Justizministeriums wegen möglicher Überabrechnungen und drohende Sammelklagen belasten die Aktie massiv. Am Freitag schloss SAP bei 152,80 Euro — ein neues 52-Wochen-Tief und fast 44 Prozent unter dem Hoch vom vergangenen Juni.
Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Kanzlei Portnoy Law wirft SAP und seinen Führungskräften vor, bei der Abrechnung gegenüber US-Behörden ethische Standards missachtet zu haben. Parallel wächst die Skepsis gegenüber der KI-Strategie. Der Assistent Joule liefert nach Einschätzung vieler Nutzer bislang keinen überzeugenden Mehrwert.
Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp ein Viertel ihres Werts eingebüßt. Trotzdem halten Analysten mehrheitlich an Kaufempfehlungen fest — das durchschnittliche Kursziel liegt mit rund 300 Dollar weit über dem aktuellen Niveau. Institutionelle Investoren sehen das anders: Im jüngsten Quartal haben deutlich mehr Großanleger ihre Positionen reduziert als aufgestockt.
Oracle: Starke Cloud-Zahlen, hartnäckiger Gegenwind
Operativ läuft es bei Oracle besser als der Aktienkurs vermuten lässt. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Gesamtumsatz um 22 Prozent auf 17 Milliarden Dollar. Die Cloud-Infrastruktursparte legte sogar um 84 Prozent auf 5 Milliarden Dollar zu — ein Rekordwert.
Die Börse honoriert das nicht. Mit 129,46 Euro notiert die Aktie rund 54 Prozent unter ihrem Höchststand vom September 2025. Der Grund: massive Investitionen in KI-Infrastruktur drücken auf die Margen. Anleger fürchten, dass die hohen Ausgaben erst mit Verzögerung Früchte tragen.
Die Analystenlandschaft zeigt ein gespaltenes Bild:
- J.P. Morgan stufte die Aktie auf Overweight hoch — Kursziel 210 Dollar. Der Kursrückgang von über 55 Prozent habe das Chance-Risiko-Profil deutlich verbessert.
- Barclays hält an Overweight fest, kappte das Ziel aber von 310 auf 230 Dollar wegen erwarteten Margendrucks.
- Mizuho senkte auf 320 Dollar, bleibt bei Outperform — ein Signal, dass die langfristige Cloud-Story intakt ist.
Die Bandbreite der Kursziele zwischen 210 und 320 Dollar spiegelt die Unsicherheit über Oracles Investitionsrendite wider.
Ondas Holdings: Europäische Drohnen-Allianz als Wachstumshebel
Die aufsehenerregendste Meldung der Woche kam von Ondas. Gemeinsam mit Heidelberg gründete das Unternehmen am 18. März das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems. Ziel: Autonome Drohnen-Verteidigungs- und Sicherheitssysteme für Deutschland und die Ukraine zu produzieren und zu vermarkten.
ONBERG will Heidelbergs Standort in Brandenburg an der Havel zu einem Kompetenzzentrum für autonome Verteidigungssysteme ausbauen. Im Fokus stehen zunächst der Iron Drone Raider und ISR-Plattformen. CEO Eric Brock bezeichnete die Partnerschaft als strategischen Schritt zur Lokalisierung der Produktion innerhalb verbündeter Nationen.
Die vorläufigen Jahreszahlen übertrafen die eigene Prognose: Der Q4-Umsatz lag bei 29 bis 30 Millionen Dollar, das Gesamtjahr 2025 bei rund 50 Millionen. Für 2026 bekräftigte das Management die Umsatzerwartung von 170 bis 180 Millionen Dollar. Am 25. März folgt der finale Geschäftsbericht.
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Die Aktie gab am Freitag dennoch über 6 Prozent nach und schloss bei 8,73 Euro. Im Zwölfmonatsvergleich bleibt die Performance mit einem Kursanstieg von über 1.200 Prozent allerdings beeindruckend. Auffällig: Die Leerverkaufsquote stieg zuletzt um knapp 42 Prozent auf 25,8 Prozent des Streubesitzes — ein Zeichen für erhebliche bearishe Wetten.
Volatus Aerospace: Aufstieg an die TSX als Reifesignal
Für Volatus Aerospace markierte der Freitag einen Meilenstein. Die Aktie des kanadischen Drohnen- und Luftfahrtspezialisten wechselte von der TSX Venture Exchange an die reguläre Toronto Stock Exchange — ein Schritt, der den Zugang zu institutionellen und internationalen Investoren erheblich verbessert.
Der Börsengang an der Seniorliste krönt eine Woche voller Erfolgsmeldungen:
- NRC-IRAP-Förderung: Bis zu 320.000 kanadische Dollar nicht-verwässernde Mittel für die Entwicklung des Schwerlast-Drohnensystems Condor XL, das 180 Kilogramm über 200 Kilometer transportieren kann.
- Synergy-Aviation-Übernahme abgeschlossen: Volatus hält nun 100 Prozent an der kommerziellen Flugsparte nach Erwerb der restlichen 41,5 Prozent.
- TSX Venture 50: Platz 16 insgesamt und Top 3 im Technologiesektor dank 279 Prozent Kursanstieg im Jahr 2025.
Ein Analyst sieht den fairen Wert bei 1,00 kanadischen Dollar — deutlich über dem aktuellen Kurs von rund 0,61 Dollar. Die Profitabilität bleibt eine Herausforderung: Volatus muss quartalsweise Umsätze von 13 bis 17 Millionen kanadischen Dollar erreichen, um die Gewinnschwelle zu schaffen.
Diginex: Übernahmen im Eiltempo, Kurs im freien Fall
Der ESG-RegTech-Spezialist Diginex liefert das extremste Bild der Woche. Operativ herrscht Hochbetrieb: Ein 40-Millionen-Dollar-Reseller-Vertrag mit Resulticks über vier Jahre, die abgeschlossene Übernahme des Klima-Bilanzierungsspezialisten Plan A — die unter anderem Visa und Deutsche Bank als neue Aktionäre einbrachte — und die Ernennung von Lubomila Jordanova zur CEO zeugen von ambitionierter Expansion.
Der Aktienkurs erzählt eine andere Geschichte. Seit dem Hoch im Oktober 2025 brach die Notierung um knapp 99 Prozent ein und bewegt sich nun nahe der 52-Wochen-Tiefs um 0,57 Dollar. Die Marktkapitalisierung schrumpfte innerhalb eines Monats um über 40 Prozent. Mit einem negativen KGV von rund -13 spiegelt die Bewertung anhaltende Verluste wider.
Die einzige aktive Analysteneinschätzung lautet auf Verkaufen — ohne veröffentlichtes Kursziel. Diginex muss die wachsende Akquisitionspipeline erst in sichtbaren Umsatz umwandeln. Das wird mehrere Berichtszyklen dauern.
Tech-Sektor zwischen Rechtsrisiken und Rüstungsphantasie
Die fünf Titel verdeutlichen eine Bruchlinie im Technologiesektor. SAP und Oracle — zwei Konzerne mit Marktkapitalisierungen im dreistelligen Milliardenbereich — ringen mit Bewertungskorrekturen, regulatorischem Druck und der Frage, ob ihre KI-Investitionen die erhofften Renditen bringen.
Auf der anderen Seite nutzen Ondas und Volatus die geopolitische Nachfrage nach autonomen Verteidigungssystemen als Wachstumsmotor. Beide setzen auf Partnerschaften, staatliche Förderung und strategische Übernahmen. Diginex versucht einen ähnlichen Ansatz im ESG-Bereich — allerdings ohne dass der Markt die operative Aktivität bislang honoriert.
Für die kommenden Wochen richten sich die Blicke auf Ondas‘ finalen Geschäftsbericht am 25. März und die Frage, wie schnell das ONBERG-Joint-Venture erste Aufträge generiert. Bei SAP wird die Entwicklung der DOJ-Ermittlungen zum zentralen Kurstreiber. Oracle muss beweisen, dass das Cloud-Wachstum die Investitionskosten rechtfertigt — die nächsten Quartalszahlen werden zum Lackmustest.
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