Startseite » News zu Unternehmen » Analystenstimmen » SAP Aktie: Zwischenbilanz

SAP Aktie: Zwischenbilanz

Die SAP-Aktie notiert nahe einem Jahrestief, obwohl das Unternehmen solide operative Zahlen und ein zweistelliges Cloud-Wachstum vorlegt. Analysten sehen dennoch erhebliches Kurspotenzial.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aktie notiert nahe 52-Wochen-Tief im Abwärtstrend
  • Cloud-Umsatz wächst währungsbereinigt um 27 Prozent
  • Analysten-Konsens sieht über 40 Prozent Kurspotenzial
  • Nächster Prüfstein sind die Zahlen am 29. Januar

Die Börse straft SAP ab, obwohl Umsatz und Gewinn zuletzt klar zugelegt haben. Während die Software-Schmiede ihre Cloud-Strategie mit neuen KI-Partnerschaften vorantreibt, sendet der Kurs ein deutlich anderes Signal. Wie passt ein frisches 52‑Wochen‑Tief zu zweistelligen Wachstumsraten im Cloud-Geschäft?

Charttechnik signalisiert Schwäche

Am Freitag schloss die SAP Aktie bei 202,15 Euro und damit nur knapp über dem jüngsten 52‑Wochen‑Tief von 201,95 Euro. Vom Hoch aus den vergangenen zwölf Monaten ist der Titel rund 28 Prozent entfernt.

Charttechnisch ergibt sich damit ein klarer Abwärtstrend:

  • Schlusskurs Freitag: 202,15 Euro
  • Abstand zum 200‑Tage‑Durchschnitt: rund –14 %

Auch zum 50‑ und 100‑Tage‑Durchschnitt notiert die Aktie spürbar darunter. Die längeren gleitenden Durchschnitte deuten damit eine Phase anhaltender Kursschwäche an, nachdem die Aktie auf Sicht von zwölf Monaten über 20 Prozent verloren hat. Der RSI um 52 signalisiert dabei weder akute Überkauft‑ noch Überverkauft-Situationen – der Druck kommt also eher vom Trend als von kurzfristiger Übertreibung.

Fundamentaldaten im Kontrast zum Kurs

Der Kursverlauf steht im deutlichen Gegensatz zur operativen Entwicklung. Im dritten Quartal 2025 hatte SAP die Markterwartungen übertroffen und einmal mehr die Verlagerung ins Cloud-Geschäft unterstrichen.

Die wichtigsten Kennzahlen des Quartals im Überblick:

  • Gewinn je Aktie (IFRS): 1,72 Euro (Non‑IFRS: 1,59 Euro)
  • Gesamtumsatz: 9,08 Mrd. Euro (+7 % zum Vorjahr, +11 % währungsbereinigt)
  • Cloud-Umsatz: 5,29 Mrd. Euro, währungsbereinigt +27 %
  • Cloud ERP Suite: währungsbereinigt +31 %
  • Current Cloud Backlog: 18,8 Mrd. Euro, währungsbereinigt +27 %

Mit einer Nettomarge von rund 19 % und einer Eigenkapitalrendite von gut 17 % bewegte sich SAP auf einem soliden Profitabilitätsniveau. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis um 33 spiegelt dabei weiterhin eine deutliche Bewertungsprämie gegenüber klassischen Industrie- oder Finanzwerten wider – der Markt zahlt also nach wie vor für Wachstum und planbare Cloud-Erlöse, trotz der jüngsten Korrektur.

Analysten sehen weiterhin Luft nach oben

Trotz der Kursschwäche dominieren positive Einschätzungen auf der Sell-Side. Der Konsens fällt bemerkenswert einheitlich aus:

  • 17 von 18 Analysten mit Kaufempfehlung
  • Durchschnittliches Kursziel: 336 US‑Dollar
  • Spanne der Kursziele: 294 bis 375 US‑Dollar

Gegenüber dem aktuellen Kursniveau deutet das durchschnittliche Ziel einen Aufschlag von über 40 Prozent an. BMO Capital Markets hat das Kursziel zwar moderat von 330 auf 320 US‑Dollar reduziert, das Rating „Outperform“ aber bestätigt. Insgesamt spiegeln die Kursziele die Erwartung wider, dass SAP sein Cloud-Wachstum fortsetzen und mittelfristig in die Bewertung hineinwachsen kann.

Anzeige

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei SAP?

KI-Partnerschaften stärken die Cloud-Story

Strategisch setzt SAP weiter stark auf Cloud- und KI-Anwendungen rund um seine ERP-Plattformen. Mitte Januar wurde eine mehrjährige Technologie-Partnerschaft mit Syngenta bekannt gegeben, einem der größten Agrochemie-Konzerne weltweit.

Kernpunkte der Kooperation:

  • Einsatz von SAP Cloud ERP Private zur Modernisierung der Kernprozesse
  • Nutzung der SAP Business Data Cloud als zentrale Datengrundlage
  • Integration von SAP Business AI und Joule Copilot zur Unterstützung datengetriebener Entscheidungen

Bereits Anfang Januar hatte SAP auf der Fachmesse NRF 2026 neue KI-Lösungen für den Einzelhandel präsentiert. Dazu zählen die Plattform „Retail Intelligence“ sowie der „Order Reliability Agent“, der Bestellprozesse automatisiert und verlässlicher machen soll. Diese Produkte sollen die Cloud-Suiten aufwerten und zusätzliche wiederkehrende Erlöse ermöglichen.

Nächster Prüfstein: Zahlen am 29. Januar

Kurzfristig richtet sich der Blick auf die anstehenden Quartalszahlen. Am 29. Januar 2026 legt SAP die Ergebnisse für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor. Der Konsens rechnet mit:

  • Gewinn je Aktie: 1,76 US‑Dollar (rund +18 % zum Vorjahr)
  • Umsatz: etwa 9,75 Mrd. Euro

Da sich SAP in der üblichen „Quiet Period“ befindet, verzichtet das Management derzeit auf Aussagen zur laufenden Geschäftsentwicklung. Morgan Stanley sieht insbesondere beim Current Cloud Backlog Potenzial für positive Überraschungen und hält ein Übertreffen der Konsensschätzungen für möglich. Die Veröffentlichung könnte damit zum nächsten Kurskatalysator werden – im positiven wie im negativen Sinn.

EU-Verfahren als politischer Unsicherheitsfaktor

Parallel dazu bleibt ein regulatorisches Thema im Hintergrund: Die EU-Kommission führt ein formelles Verfahren zu den On‑Premise‑Wartungsrichtlinien von SAP. Der Konzern hat im November 2025 sein Bekenntnis zu fairem Wettbewerb bekräftigt, doch ein konkreter Ausgang ist weiterhin offen. Je nach Entscheidung könnten Anpassungen im Wartungs- und Lizenzgeschäft nötig werden, was den Übergang von On‑Premise- zu Cloud-Modellen zusätzlich beeinflussen würde.

Fazit: Starker Betrieb, schwacher Kurs

Unterm Strich prallen bei SAP derzeit zwei Welten aufeinander: operativ solide Zahlen mit kräftigem Cloud-Wachstum und ein Kurs, der nahe am Jahrestief verharrt und unter allen wichtigen langfristigen Durchschnittslinien liegt. Die Kombination aus hoher Bewertung, technischer Schwäche und politischer Unsicherheit durch das EU-Verfahren erklärt einen Teil dieser Diskrepanz.

Entscheidend für die weitere Entwicklung werden nun zwei Faktoren: Zum einen, ob SAP am 29. Januar die hohen Erwartungen an Wachstum und Profitabilität erneut übertreffen kann. Zum anderen, ob sich aus Brüssel absehbar Klarheit zum laufenden Verfahren ergibt. Gelingt beides, könnte sich das aktuelle Kursniveau im Rückblick als Zwischenstation in einer längeren Cloud- und KI‑Wachstumsphase erweisen; bleiben die Impulse aus, dürfte der Druck auf die Aktie zunächst anhalten.

Anzeige

SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 18. Januar liefert die Antwort:

Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 18. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

SAP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.

Weitere Nachrichten zu SAP