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SAP Aktie: Zahlenabend am Tiefpunkt

SAP veröffentlicht Quartalszahlen nahe Jahrestief. Der Cloud-Auftragsbestand und die Jahresprognose stehen im Fokus der Anleger.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Cloud-Auftragsbestand als Schlüsselkennzahl
  • Kurs nahe Jahrestief von 129,70 Euro
  • Analysten sehen Kurspotenzial von 45 Prozent
  • Entscheidende Marktreaktion am Freitag erwartet

Nur 1,14 Prozent trennen die SAP-Aktie aktuell von ihrem Jahrestief. Heute Abend um 22:05 Uhr veröffentlicht der Konzern die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 – und zwar erst nach Xetra-Schluss. Der Kurs steht bei 131,18 Euro, direkt über der Marke von 129,70 Euro vom 22. Juli.

Diese Nähe zum Tiefpunkt macht den Abend zum Belastungstest. Jede Abweichung von den Erwartungen dürfte den Kurs überproportional bewegen.

Der Cloud Backlog entscheidet

Eine Kennzahl wird über den Abend entscheiden: der Current Cloud Backlog, also der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft. Der Konsens erwartet hier ein Wachstum von 23 bis 24 Prozent. Beim Cloud-Umsatz rechnen Analysten mit einem Plus von 22 Prozent.

SAP selbst hat für 2026 bereits vorsichtige Töne angeschlagen. Der Konzern stellte in Aussicht, dass sich das Wachstum des Backlogs bei konstanten Wechselkursen leicht abschwächen könnte. Eine moderate Verlangsamung wäre also keine Überraschung.

Entscheidend wird sein, ob diese Abschwächung im erwarteten Rahmen bleibt. Fällt sie deutlich stärker aus, dürfte das Zweifel an der Jahresprognose wecken. Das fragile Kursniveau nahe dem Jahrestief würde jede Reaktion verstärken – in beide Richtungen.

Bullisches Szenario: Bestätigung als Signal

Für eine Erholung spricht zunächst die fundamentale Bewertung. Morningstar-Analyst Rob Hales taxiert den fairen Wert der Aktie auf 265 Euro und vergibt die Bestnote von fünf Sternen. Er sieht einen breiten Burggraben und nur mittleres Unsicherheitsrisiko.

Auch die breite Analystengemeinde bleibt trotz der Kursschwäche mehrheitlich zuversichtlich. Von 18 erfassten Einschätzungen lauten 14 auf Kaufen, drei auf Halten, eine auf Verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 199,57 Euro – rund 45 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Sollte SAP die Konsenserwartungen beim Cloud-Wachstum treffen oder übertreffen und den Jahresausblick bestätigen, wäre das ein starkes Signal. Es würde zeigen: Die Abschwächung des Backlogs verläuft planmäßig, kein strukturelles Nachfrageproblem steckt dahinter. Der RSI von 38,3 signalisiert zudem keine Extremüberverkauftheit, lässt aber technisch Raum für eine Gegenbewegung.

Bärisches Szenario: Die 129-Euro-Marke wackelt

Das Risikoszenario wiegt genauso schwer. Charttechnisch bewegt sich die Aktie an einer entscheidenden Unterstützungszone. Bricht der Kurs nachhaltig unter die 129-Euro-Marke, könnte sich der übergeordnete Abwärtstrend beschleunigen.

Das Anlegervertrauen ist bereits stark erodiert: Auf Zwölfmonatssicht steht ein Minus von 47,25 Prozent, seit Jahresbeginn ein Rückgang um 37,04 Prozent. Diese Vorgeschichte macht die Aktie besonders empfindlich für schlechte Nachrichten.

Mehrere inhaltliche Belastungsfaktoren kommen hinzu. Steigende Preise für Speicherhardware lenken den Blick der Anleger auf ein mögliches Risiko: Verschieben Kunden ihre IT-Budgets weg von Software hin zu Hardware? Morningstar verweist als Warnsignal auf IBM, dessen Kurs nach einer Gewinnwarnung um rund 25 Prozent einbrach.

SAPs Kundenbasis gilt zudem als konjunktursensibel. Sie ist stark im verarbeitenden Gewerbe verankert – einer Branche, die empfindlich auf geopolitische Spannungen und steigende Energiekosten reagiert. Aussagen zu längeren Verkaufszyklen würden laut Morningstar Zweifel an der Jahresprognose nähren und den Kurs treffen können.

Die Margenentwicklung steht ebenfalls im Fokus. Bloomberg berichtete im Quartalsverlauf, SAP schränke Neueinstellungen außerhalb der KI-Sparte sowie Dienstreisen ein. Der Konzern will die frei werdenden Mittel gezielt in KI-Investitionen lenken. Das kann Kostendisziplin signalisieren – oder ein Zeichen schwächerer organischer Dynamik sein. Die annualisierte Volatilität von 33,58 Prozent zeigt: Beide Ausschläge nach den Zahlen könnten kräftig ausfallen.

Der Freitag wird zum Prüfstein

Da SAP die Zahlen erst nach US-Börsenschluss veröffentlicht, zeigt sich eine klare Marktreaktion frühestens im Freitagshandel. Hält die 129-Euro-Marke als Unterstützung und bestätigt SAP die Wachstumserwartungen beim Cloud Backlog, spricht mehr für eine technische Stabilisierung.

Bricht der Kurs jedoch nachhaltig unter dieses Niveau – etwa durch eine Guidance-Senkung oder Hinweise auf längere Verkaufszyklen bei Großkunden – dürfte sich der Abwärtstrend seit Jahresbeginn fortsetzen. Der unmittelbare Prüfstein bleibt der Zahlenabend um 22:05 Uhr sowie die anschließende Analystenkonferenz. Dort dürften Aussagen zum Cloud-Wachstum, zur operativen Marge und zur Bestätigung der Jahresziele 2026 im Mittelpunkt stehen.

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Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.