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SAP-Aktie: Wie weit trägt die Erholung noch?

SAP-Aktie legt nach Einstellung der Kartellamts-Vorermittlungen zu. Cloud-Umsatz wächst stark, doch die operative Marge bleibt die zentrale Herausforderung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kartellamt stellt SAP-Verfahren ein
  • Cloud-Umsatz steigt um 22 Prozent
  • Prognose für Betriebsergebnis gesenkt
  • Aktienrückkaufprogramm mit 2,6 Milliarden Euro

Ausgangslage

SAP-Anleger erleben einen bemerkenswerten Sommer. Die Aktie legt am heutigen Montag um 3,40 Prozent auf 164,82 Euro zu und setzt damit eine Erholung fort, die seit Ende Juli deutlich an Fahrt gewonnen hat. Auslöser der jüngsten Kursstärke ist eine Entscheidung des Bundeskartellamts: Die Wettbewerbsbehörde stellte am Donnerstag ihre Vorermittlungen gegen SAP wegen des Vorwurfs des Machtmissbrauchs beim Datenzugriff ein – ohne Auflagen. Das Verfahren war ursprünglich durch eine Beschwerde des Wettbewerbers Celonis ausgelöst worden, berichteten Reuters und das Handelsblatt.

Parallel dazu wirkt die Zahlenvorlage vom 23. Juli nach. SAP steigerte den Cloud-Umsatz im zweiten Quartal um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro. Der Cloud-Auftragsbestand wuchs im selben Zeitraum auf 22,9 Milliarden Euro – ein Signal für anhaltende Nachfrage in den kommenden Quartalen. Die Kombination aus wegfallendem Regulierungsrisiko und robustem Cloud-Geschäft treibt den Kurs seither an.

Die entscheidende Frage

Für die weitere Kursentwicklung zählt vor allem eine Kennzahl: die operative Marge. Während der Umsatz im Cloud-Geschäft zweistellig wächst, legte das Non-IFRS-Betriebsergebnis im zweiten Quartal nur um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro zu – deutlich langsamer als die Umsatzdynamik.

Der Vorstand passte die Jahresprognose entsprechend an und senkte die Spanne für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 leicht auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Als Grund nannte SAP Verwässerungseffekte durch die im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs.

Die entscheidende Frage für Anleger lautet damit: Gelingt es SAP, das Cloud-Wachstum in profitables Wachstum zu übersetzen, sobald die neu integrierten Einheiten skalieren – oder bleibt die Marge länger belastet als bislang kommuniziert?

Bullisches Szenario

Mehrere Signale sprechen für eine anhaltende Erholung. SAP startete am 27. Juli die zweite Tranche seines Aktienrückkaufprogramms 2026 mit einem Volumen von bis zu 2,6 Milliarden Euro, umgerechnet rund 18,5 Millionen Aktien. Das Gesamtprogramm bis Ende 2027 umfasst 10 Milliarden Euro und signalisiert Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung.

Kurz zuvor, am 24. Juli, kaufte Vorstandschef Christian Klein laut Pflichtmitteilung eigene Aktien für 325.219 Euro zu einem Durchschnittspreis von rund 133,60 Euro – deutlich unter dem aktuellen Niveau.

Auch auf der Aktionärsseite tut sich etwas: Ankeraktionär Harald Tschira erhöhte seinen Stimmrechtsanteil durch neue Stimmbindungsverträge mit weiteren Familiengesellschaften von 0,57 auf 4,22 Prozent, wie einer Stimmrechtsmitteilung vom Freitag zu entnehmen war. Eine solche Aufstockung stärkt in der Regel die langfristig orientierte Aktionärsbasis.

Auf der Analystenseite bestätigte Jefferies am 28. Juli die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 210 Euro und verwies auf die anhaltende Dynamik bei Cloud-Abonnements. Goldman Sachs beließ es am 27. Juli ebenfalls bei „Buy“, senkte das Kursziel jedoch von 230 auf 215 Euro. Beide Marken liegen weiterhin über dem aktuellen Kursniveau. Zusätzliches Wachstumspotenzial verspricht die kürzlich verkündete Innovationspartnerschaft mit dem Versicherer SIGNAL IDUNA zur gemeinsamen Entwicklung von KI-Anwendungen für die Versicherungsbranche.

Bärisches Szenario und Risiken

Die Rally relativiert sich bei genauerem Hinsehen. Trotz des jüngsten Anstiegs notiert die Aktie noch rund 5,46 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt – ein technisches Signal, dass der längerfristige Abwärtstrend noch nicht vollständig gebrochen ist. Auch die Kürzung des Kursziels durch Goldman Sachs zeigt, dass selbst wohlwollende Analysten das Aufwärtspotenzial nach den jüngsten Zahlen vorsichtiger einschätzen als zuvor.

Die Guidance-Senkung wirft zudem die Frage auf, wie lange die Verwässerungseffekte aus den Zukäufen von Dremio und Prior Labs anhalten. Bleibt die Integration teurer oder langsamer als geplant, könnte die Marge auch im weiteren Jahresverlauf unter Druck bleiben. Und auch wenn das Bundeskartellamt seine Vorermittlungen ohne Auflagen einstellte, bleibt der zugrunde liegende Streit um den Datenzugriff mit Wettbewerbern wie Celonis ein Thema, das die Branche weiter beschäftigen dürfte.

Ausblick

Solange SAP den Cloud-Auftragsbestand weiter ausbaut und das Rückkaufprogramm den Markt stützt, dürfte die Erholung Rückenwind behalten. Kippt dagegen die Margenentwicklung erneut – etwa durch höhere Integrationskosten der Zukäufe – droht die jüngste Kursstärke schnell wieder an Substanz zu verlieren. Ein erstes verlässliches Bild liefert die nächste Zahlenvorlage: SAP veröffentlicht die Quartalsmitteilung für das dritte Quartal 2026 am 21. Oktober. Bis dahin bleibt die Marge die zentrale Messgröße, an der sich entscheidet, ob aus der Erholungsrally ein nachhaltiger Trend wird.

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Diskussion zu SAP

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.