SAP baut seine Position im Bereich künstlicher Intelligenz gezielt aus. Mitte Juli schloss der Konzern die Übernahme des Freiburger Spezialisten Prior Labs ab, der auf sogenannte tabellarische KI-Modelle spezialisiert ist. SAP kündigte an, über vier Jahre mehr als eine Milliarde Euro in diese Sparte zu investieren. Prior Labs bleibt dabei als eigenständige Einheit bestehen.
Die Aktie notiert an diesem Donnerstag bei 189,44 Euro und damit 4,6 Prozent im Plus. Sie profitiert von einer Erholungsbewegung, die seit dem Rückkauf im August anhält. Der Kurs liegt inzwischen 22 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 155,29 Euro – ein Zeichen, wie stark sich das Sentiment binnen wenigen Wochen gedreht hat.
Rechtliche Altlast ist vom Tisch
Parallel zur KI-Offensive hat SAP eine juristische Hürde beseitigt. Die Europäische Kommission beendete Anfang Juli ihre Überprüfung der Wartungs- und Support-Richtlinien des Konzerns für On-Premises-Lösungen.
Die Kommission akzeptierte von SAP zugesagte Verpflichtungen und schloss das Verfahren damit ab. Für Anleger bedeutet das: Ein Unsicherheitsfaktor rund um das margenstarke Bestandsgeschäft entfällt, ohne dass SAP Bußgelder oder Auflagen mit direkter Ergebniswirkung hinnehmen musste.
Diese regulatorische Klarheit fällt in eine Phase, in der SAP sein KI-Portfolio auch operativ verzahnt. Mitte August vereinbarte der Konzern mit NTT Data, die Personalsoftware SuccessFactors zusammen mit dem KI-Assistenten Joule in dessen globales Transformationsgeschäft für Personalwesen einzubringen.
Solche Partnerschaften sollen die Verbreitung der eigenen KI-Werkzeuge über den bestehenden Kundenstamm hinaus beschleunigen – ein Punkt, der zuletzt auch kritisch beleuchtet wurde, weil die Auslieferung eigener Joule-Agenten hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurückblieb.
Fundament aus dem Cloud-Geschäft trägt weiter
Die strategischen Schritte stehen auf einem soliden operativen Fundament. Im zweiten Quartal wuchs der Cloud-Umsatz um 22 Prozent, währungsbereinigt sogar um 24 Prozent.
Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft (Current Cloud Backlog) legte auf 22,9 Milliarden Euro zu, ein Plus von 27 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet SAP mit einem Cloud-Umsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 23 bis 25 Prozent entspräche.
Der Konzern wies darin auch auf einen Verwässerungseffekt von über 100 Millionen Euro aus den Übernahmen von Dremio und Prior Labs hin – ein Beleg dafür, dass die KI-Investitionen kurzfristig auf die Marge drücken, während sie langfristig neue Wachstumsfelder erschließen sollen.
Für Anleger ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild: Das Cloud-Kerngeschäft liefert weiterhin zweistelliges Wachstum und bildet die Basis für die aktuelle Kurserholung.
Gleichzeitig investiert SAP über Übernahmen wie Prior Labs kräftig in die nächste Technologiegeneration, deren Ertragsbeitrag sich erst über die kommenden Jahre zeigen wird. Die abgeschlossene Kartelluntersuchung der EU-Kommission nimmt dem Unternehmen zumindest ein Risiko aus dem Weg, das das etablierte On-Premises-Geschäft belastet hätte.
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