SAP-Aktien fallen am Freitag um 2,30 Prozent auf 137,82 Euro. Der Auslöser: UBS-Analyst Michael Briest hat sein Kursziel drastisch gesenkt. Der Grund liegt tiefer als nur in einer einzelnen Analystenmeinung.
UBS kürzt Kursziel um mehr als 20 Prozent
Briest senkte sein Kursziel am 13. Juli von 205 auf 164 Euro. Das ist ein Abschlag von über 20 Prozent. Trotzdem hält er an seiner Kaufempfehlung fest — sein neues Ziel liegt noch rund 19 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Als Grund nennt UBS die zu langsame Einführung von KI-Agenten bei SAP-Großkunden. Komplexe ERP-Systeme lassen sich nur schwer mit neuen KI-Werkzeugen verzahnen. Das bremst laut UBS die Monetarisierung der KI-Strategie. Die langfristige Investitionsthese stellt die Bank aber nicht infrage.
Gute Nachrichten verpuffen wirkungslos
Zwei positive Meldungen konnten der Aktie zuletzt nicht helfen. Die EU beendete ihr Kartellverfahren gegen SAP ohne Bußgeld. Parallel läuft ein Aktienrückkauf über bis zu 2,6 Milliarden Euro, der bis Ende Juli 2026 laufen soll.
Ein kurzer Kursanstieg auf rund 140 Euro schrieb UBS vor allem einer Sektor-Rotation zu. Diese Bewegung stufte die Bank als nicht tragfähig ein.
Zusätzlich drückt die schwache Stimmung im Softwaresektor. Auslöser der jüngsten Verkaufswelle waren enttäuschende Quartalszahlen von IBM. Der US-Konzern blieb mit 17,2 Milliarden Dollar Umsatz klar unter den Erwartungen. IBM verwies auf Kunden, die ihre IT-Budgets verstärkt in Server, Speicher und KI-Infrastruktur umschichten.
Bewertung hat sich deutlich entspannt
Nach dem Kursverfall der vergangenen Monate ist SAP günstiger geworden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 22 — nicht mehr teuer, aber weiter mit Aufschlag zum breiten Markt.
Der Kurs notiert derzeit 21,84 Prozent unter der 200-Tage-Linie von 176,34 Euro. Das zeigt, wie stark sich der langfristige Trend eingetrübt hat. Trotz der UBS-Kürzung bleiben alle Analystenziele über dem aktuellen Kurs.
Q2-Zahlen als nächster Prüfstein
Der nächste wichtige Termin steht fest: Die Halbjahreszahlen erscheinen am 23. Juli 2026 nach Börsenschluss. Die Analystenkonferenz folgt um 23:00 Uhr MESZ.
Bis dahin schweigt SAP zur aktuellen Geschäftslage — das Unternehmen befindet sich in der üblichen Quiet Period. Ob der Konzern konkrete Fortschritte bei der KI-Monetarisierung zeigen kann, entscheidet maßgeblich über die nächste Kursrichtung. Aktuell notiert die Aktie nur rund fünf Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro.
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