SAP dreht an der Kostenschraube – allerdings nicht bei den Löhnen. Reisekosten und Neueinstellungen stehen im Fokus. Der Softwarekonzern will damit Geld für seinen KI-Ausbau freischaufeln. Anders als beim Stellenabbau vor zwei Jahren bleiben die Jobs diesmal unangetastet.
Kostendisziplin statt Kürzungswelle
Ein SAP-Sprecher hat einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag bestätigt. Der Konzern will Ressourcen dort einsetzen, wo sie den größten langfristigen Nutzen für Kunden bringen. Deshalb fließt mehr Geld in KI-Kompetenzen und KI-Talente. Bei Neueinstellungen, externen Ausgaben und internen Reisen geht SAP dagegen bewusster vor.
Kundennahe Aktivitäten und wichtige KI-Projekte bleiben davon unberührt. Sie werden weiterhin vollständig unterstützt.
Der Unterschied zum Vorjahr ist entscheidend. 2024 hatte SAP ein Restrukturierungsprogramm gestartet, das tausende Stellen kostete. Diesmal versucht der Konzern, Entlassungen zu vermeiden. Stattdessen versetzt SAP Mitarbeiter in Rollen, in denen sie KI nutzen können, um produktiver zu arbeiten.
Die Maßnahme ist Teil einer größeren strategischen Wette. Sie hat in diesem Jahr bereits zweimal zu Umbauten in der Führungsetage geführt. Erst zum 1. Juli hatte SAP eine neue Produktorganisation eingeführt – Vorstandschef Christian Klein übernahm zentrale Entwicklungsbereiche direkt.
Die Aktie honoriert den Schritt zunächst leicht. Der Kurs steht bei 141,66 Euro, ein Plus von 1,06 Prozent gegenüber dem Vortag.
Auf Wochensicht steht sogar ein Zuwachs von 8,12 Prozent zu Buche – nach einem insgesamt schwachen Börsenjahr für SAP.
Analysten bleiben skeptisch bei der Wirkung
Die US-Bank JPMorgan hat SAP auf „Neutral“ belassen. Das Kursziel liegt bei 175 Euro. Analyst Toby Ogg wertet den Bericht als weiteres Signal: SAP brauche wohl erhebliche Investitionen und Zukäufe, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ob das reicht, bleibt nach seiner Einschätzung offen.
Ogg hält außerdem die vom Markt erwartete Margendynamik für die kommenden Jahre für zu optimistisch. Sie basiere noch auf Annahmen aus der Zeit vor der KI-Welle.
Der Kurs reagierte zunächst verhalten auf die Nachricht. Für SAP-Aktionäre bleibt es dennoch ein schmerzhaftes Jahr: Seit Januar steht ein Minus von 29,87 Prozent zu Buche, auf Zwölf-Monats-Sicht sind es sogar 43,91 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 266,00 Euro aus dem Juli 2025 trennt die Aktie noch rund 46,74 Prozent.
Zum 52-Wochen-Tief bei 130,80 Euro von Ende Juni sind es dagegen nur noch 8,30 Prozent. Der aktuelle Kurs liegt damit spürbar näher am Jahrestief als am Jahreshoch.
Ausblick: Q2-Zahlen als nächster Prüfstein
Der Sparkurs bei Personal- und Reisekosten steht in den kommenden Wochen auf dem Prüfstand. Investoren achten bei den anstehenden Quartalszahlen genau auf neue Details zum KI-Investitionsprogramm. Der Einstellungsstopp wirft Fragen auf, die SAP wegen der laufenden Stillhalteperiode vor den Zahlen noch nicht beantwortet hat.
Die Aktie schwankt kräftig: Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 45,58 Prozent. Dennoch notiert der Kurs deutlich unter seinen mittelfristigen Durchschnittslinien – der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 146,45 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 181,53 Euro.
Die zweiten Quartalszahlen dürften zeigen, ob der Sparkurs mehr ist als eine Ankündigung. Bis dahin bleibt der Kurs bei 141,66 Euro ein fragiler Zwischenstand zwischen kurzfristiger Erholung und langfristigem Kursverfall.
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