SAP schweigt. Seit dem 22. Juni läuft die Quiet Period — und mit ihr die Frage, ob der Konzern am 23. Juli die Stimmung drehen kann. Der Kurs liegt knapp vier Prozent über seinem 52-Wochen-Tief.
Kommunikationssperre bis Ende Juli
Die selbst auferlegte Quiet Period untersagt SAP, sich zu Umsätzen, Margen oder dem Cloud-Geschäft zu äußern. Das Schweigen endet am 23. Juli um 22:05 Uhr, wenn SAP die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vorlegt. Eine Stunde später folgt die Analystenkonferenz.
Für den Kapitalmarkt ist das eine echte Durststrecke. Wichtige Updates zur KI-Transformation fehlen vorerst.
Aktie nahe Mehrjahrestief
Die SAP-Aktie schloss am Freitag bei 136,16 Euro — ein Wochenplus von knapp vier Prozent, aber seit Jahresbeginn ein Minus von 32,59 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch lag bei 266,00 Euro. Der Abstand dazu beträgt heute fast 49 Prozent.
Was den Kurs drückt, ist kein operatives Problem. Es ist eine strukturelle Angst: Verliert klassische Unternehmenssoftware im KI-Zeitalter an Relevanz? Oracles Ankündigung, bis zu 95 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur zu investieren, hat die Sorge vor Margendruck im gesamten Sektor verstärkt. Salesforce und ServiceNow stehen aus demselben Grund unter Druck.
Operative Basis solide
Dabei liefert SAP starke Zahlen. Im ersten Quartal 2026 stieg der Gesamtumsatz um rund sechs Prozent auf 9,56 Milliarden Euro. Die Cloud-Erlöse wuchsen um 27 Prozent auf knapp sechs Milliarden Euro. Die operative Marge kletterte erstmals seit 13 Quartalen wieder auf 30 Prozent.
Für das Gesamtjahr erwartet SAP Cloud-Erlöse zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro — ein währungsbereinigtes Wachstum von 23 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Analysten bleiben trotz des Kurseinbruchs konstruktiv. UBS setzt das Kursziel auf 205 Euro, Berenberg auf 215 Euro. Bernstein Research hält sogar 276 Euro für fair — mehr als das Doppelte des aktuellen Kurses. Jefferies senkte sein Ziel auf 210 Euro, behielt aber die Kaufempfehlung.
Rückkauf und Ausblick
SAP kauft seit Februar 2026 eigene Aktien zurück. Das laufende Budget beträgt bis zu 2,6 Milliarden Euro. In der ersten Tranche erwarb der Konzern rund 16,3 Millionen Aktien zu einem Durchschnittspreis von 161,16 Euro — deutlich über dem aktuellen Niveau. Das Gesamtprogramm läuft bis Ende 2027 und umfasst bis zu zehn Milliarden Euro.
Am 23. Juli fällt ein Sondereffekt weg, der das Cloud-Wachstum im ersten Quartal begünstigt hatte. Der Markt schaut vor allem auf Cloud-Auftragsbestand und Cloud-Bruttomarge. Starke Zahlen und ein bestätigter Ausblick könnten die Stimmung drehen. Bleiben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück, dürfte das 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro erneut getestet werden.
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