SAP hat binnen einer Woche eine bemerkenswerte Kehrtwende hingelegt. Am 23. Juli markierte die Aktie bei 127,50 Euro ein neues 52-Wochen-Tief – ausgerechnet an jenem Tag, an dem der Softwarekonzern seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorlegte und die Jahresprognose für das operative Ergebnis nach unten korrigierte. Seither hat sich das Bild gedreht: Die Aktie notiert aktuell bei 161,42 Euro und liegt damit rund 27 Prozent über ihrem jüngsten Tiefpunkt. Am heutigen Donnerstag gibt das Papier leicht um 0,49 Prozent nach.
Cloud-Geschäft wächst zweistellig, Prognose leidet unter Zukäufen
Der Blick auf die Geschäftszahlen erklärt, warum Anleger trotz der gesenkten Prognose Vertrauen fassen. Der Cloud-Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, währungsbereinigt sogar um 24 Prozent. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft, der Current Cloud Backlog, wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Das IFRS-Ergebnis je Aktie stieg von 1,46 Euro im Vorjahresquartal auf 1,89 Euro.
Trotz dieser Dynamik senkte SAP die Prognose für das operative Ergebnis auf Non-IFRS-Basis leicht von zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro auf nun 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Als Grund nannte der Konzern Verwässerungseffekte durch jüngste KI-Zukäufe. Erst Anfang Juli hatte SAP die Übernahme von Dremio zur besseren Datenverknüpfung über hybride Cloud-Umgebungen abgeschlossen, am 17. Juli folgte der Vollzug der Akquisition des KI-Spezialisten Prior Labs, dessen Technologie die sogenannten Tabular Foundation Models für strukturierte Geschäftsdaten stärken soll. Beide Zukäufe belasten kurzfristig die Marge, sollen aber die KI-Strategie des Konzerns untermauern.
Analysten uneins über Tempo, einig über Richtung
Die Reaktion der Analysehäuser fiel differenziert, aber überwiegend positiv aus. Am Dienstag bestätigte Jefferies die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 210 Euro; Analyst Charles Brennan hob nach Gesprächen mit SAP-Vorstandschef Christian Klein die strategische Vorreiterrolle des Konzerns bei der KI-Transformation hervor. Ebenfalls am Dienstag bestätigte Barclays die Einstufung „Overweight“, senkte jedoch das Kursziel von 230 auf 220 Euro und verwies auf steigende Kostenrisiken trotz des starken Cloud-Wachstums.
Weitere Häuser schlugen in eine ähnliche Kerbe: Berenberg reduzierte am Montag das Kursziel von 215 auf 205 Euro und begründete dies mit kurzfristigem Margendruck durch die erhöhten KI-Investitionen, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Goldman Sachs führte SAP am selben Tag weiterhin auf der „Conviction Buy List“ mit einem Kursziel von 215 Euro, während J.P. Morgan die Einstufung „Overweight“ bei einem Kursziel von 175 Euro bestätigte. UBS lobte den robusten Cloud-Auftragsbestand und sah die Einstufung „Buy“ bei einem Kursziel von 164 Euro bestätigt. Die Bandbreite der genannten Kursziele reicht damit von 164 bis 220 Euro – der Tenor bleibt trotz unterschiedlicher Preisvorstellungen mehrheitlich zuversichtlich.
Charttechnisches Bild zeigt Erholung mit Fragezeichen
Die jüngste Kurserholung hat SAP zwar deutlich vom Rekordtief weggeführt, die längerfristige Schwäche des Jahres ist damit aber noch nicht ausgeglichen. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt weiterhin bei minus 7,80 Prozent, die Aktie notiert also noch unter ihrem langfristigen Trend. Ob sich die Erholung fortsetzt, dürfte sich auch an der weiteren Integration der jüngsten Zukäufe entscheiden. Der nächste konkrete Prüfstein folgt mit der Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal 2026, die SAP für den 21. Oktober angekündigt hat.
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