SAP hat seine Wachstumsstrategie im Bereich Künstliche Intelligenz mit zwei Übernahmen in den vergangenen Wochen weiter untermauert. Nach dem Abschluss der Akquisition von Dremio Anfang Juli sicherte sich der Walldorfer Softwarekonzern am 17. Juli auch Prior Labs, einen Pionier für sogenannte Tabellarische Foundation Models.
SAP kündigte an, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, um aus Prior Labs ein weltweit führendes Frontier-AI-Labor für strukturierte Daten zu formen.
Die Dremio-Übernahme zielt in eine ähnliche Richtung, verfolgt aber einen anderen technischen Ansatz. Die Data-Lakehouse-Plattform des Anbieters soll es künftig ermöglichen, Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Umgebungen in Echtzeit für Analysen und KI-Anwendungen zusammenzuführen. Für Anleger ist das mehr als eine technische Randnotiz: SAP baut damit gezielt die Dateninfrastruktur aus, auf der agentische KI-Anwendungen wie Joule aufsetzen sollen.
Kartellamt gibt grünes Licht
Regulatorisch verschaffte sich SAP zudem Rückenwind. Das Bundeskartellamt leitete Ende Juli kein Verfahren gegen den Konzern ein – eine Entscheidung, die mögliche Unsicherheiten rund um die Marktstellung des Unternehmens ausräumt.
Wenige Wochen später, am 19. August, meldete SAP mit NTT DATA einen weiteren Referenzkunden für seine KI-Werkzeuge: Der IT-Dienstleister integriert SuccessFactors und Joule in seine globale Transformation im Personalbereich.
Auf der operativen Seite bestätigen die Zahlen zum zweiten Quartal, veröffentlicht am 23. Juli, den eingeschlagenen Kurs. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft (Current Cloud Backlog) wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent. Die Erlöse aus dem Cloud-ERP-Suite-Geschäft legten währungsbereinigt um 27 Prozent zu, der Gesamtumsatz stieg um 9 Prozent beziehungsweise währungsbereinigt um 11 Prozent.
Ausblick angehoben, Kursziel nach Abstufung höher
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet SAP nun mit einem Cloud-Umsatz von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro bei konstanten Wechselkursen, ein Plus von 23 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 21,02 Milliarden Euro. Das Non-IFRS-Betriebsergebnis soll auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro klettern, verglichen mit 10,42 Milliarden Euro im Vorjahr.
Trotz dieser soliden operativen Entwicklung bewertet nicht jedes Analystenhaus die Aktie unverändert positiv. UBS stufte SAP am 26. August von Kaufen auf Neutral ab, hob das Kursziel gleichzeitig aber auf 211 Euro an – ein Signal, dass die Bank zwar operative Fortschritte anerkennt, die Bewertung nach dem Kursverlauf der vergangenen Monate aber als ausgereizter einschätzt.
Am Kapitalmarkt zeigt sich diese Ambivalenz bereits im Kursbild. Nach dem 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro im vergangenen Oktober notiert die Aktie inzwischen rund ein Viertel darunter, hat sich vom Jahrestief bei 127,52 Euro im Juli aber deutlich erholt.
Der Schlusskurs von 185,10 Euro am Freitag liegt gut 15 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 161,58 Euro – ein Hinweis darauf, dass sich der kurzfristige Trend zuletzt aufgehellt hat, auch wenn die Aktie seit Jahresbeginn noch mit 12 Prozent im Minus liegt.
Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ liefert SAP mit Cloud-Wachstum und gezielten KI-Übernahmen die erhofften Impulse, während die Marktbewertung nach den Kursrückgängen des vergangenen Jahres skeptischer bleibt als das fundamentale Zahlenwerk nahelegt.
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