SAP hat die Übernahme des Freiburger KI-Spezialisten Prior Labs abgeschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, fließen in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro in das dortige Forschungsteam. Die Transaktion reiht sich in eine Serie von KI-Zukäufen ein, mit denen der Walldorfer Softwarekonzern seine technologische Basis verbreitert.
Bereits Anfang Juli hatte SAP die Übernahme von Dremio abgeschlossen, einem Anbieter einer offenen Data-Lakehouse-Plattform. Die Akquisition soll das Angebot im Bereich agentischer KI erweitern und es erleichtern, Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Umgebungen zusammenzuführen. Mit Prior Labs kommt nun gezielt Forschungskapazität hinzu – ein Signal, dass SAP nicht nur Produkte zukauft, sondern auch in eigene Entwicklungskompetenz investiert.
Regulatorische Altlasten abgearbeitet
Parallel zu den Zukäufen hat SAP in den vergangenen Wochen regulatorischen Rückenwind erhalten. Vor rund zwei Wochen erklärte das Unternehmen, dass das deutsche Bundeskartellamt keine Kartellverfahren gegen SAP einleitet – seither hat die Aktie um 6,4 Prozent zugelegt.
Bereits Anfang Juli hatte die Europäische Kommission ihre Untersuchung zu den On-Premise-Wartungs- und Support-Richtlinien des Konzerns abgeschlossen. Beide Verfahren belasteten die Aktie zuvor als Unsicherheitsfaktor; ihr Wegfall schafft nun Klarheit für Investoren, die sich stärker auf das operative Geschäft konzentrieren können.
Genau dieses operative Geschäft liefert derzeit die eigentliche Substanz der Investmentgeschichte. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft (Current Cloud Backlog) währungsbereinigt um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Die Clouderlöse legten währungsbereinigt um 24 Prozent zu, das Segment Cloud ERP Suite sogar um 27 Prozent. Der Gesamtumsatz stieg währungsbereinigt um 11 Prozent.
Verwässerung durch Zukäufe drückt Gewinnausblick
Die frischen Übernahmen haben allerdings ihren Preis. SAP passte den Ausblick für das operative Ergebnis 2026 auf Non-IFRS-Basis wegen der Verwässerungseffekte durch Dremio und Prior Labs von zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro an. Das entspricht weiterhin einem Wachstum von 13 bis 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 10,42 Milliarden Euro. Die Cloud-Umsatzprognose von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro blieb dagegen unangetastet.
Barclays reagierte auf diese Gemengelage Ende Juli mit einer Kurszielsenkung von 255 auf 220 Euro, behielt die Einstufung „Overweight“ aber bei. Als Begründung nannten die Analysten kurzfristige Unsicherheiten bei der Kostenentwicklung – ein Hinweis darauf, dass der Markt die zusätzlichen Investitionen in KI-Kompetenz zwar strategisch begrüßt, aber genau beobachtet.
Ausblick auf das dritte Quartal
Die SAP-Aktie notiert aktuell bei 179,56 Euro und damit rund 4,7 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 171,44 Euro – ein Zeichen, dass sich der mittelfristige Trend trotz der Belastungen aus dem laufenden Jahr stabilisiert hat. Seit Jahresbeginn liegt das Papier dennoch mit 14 Prozent im Minus.
Anleger blicken nun auf den 21. Oktober, wenn SAP die Zahlen zum dritten Quartal 2026 vorlegt. Der Konsens erwartet einen Gewinn je Aktie von 1,83 Euro bei einem Umsatz von 10,09 Milliarden Euro. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob die frisch integrierten KI-Zukäufe bereits messbare Impulse für das Wachstum liefern – oder ob die Verwässerungseffekte weiter auf der Marge lasten.
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