SAP legt Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor. Die Aktie reagiert am Freitag mit einem Sprung um 9,15 Prozent auf 140,80 Euro. Das reicht nicht, um den Absturz der letzten Monate zu tilgen. Die Aktie bleibt 44,60 Prozent unter ihrem Hoch von 254,15 Euro. Ob der Sprung ein echter Wendepunkt ist oder nur eine kurze Erleichterung, entscheidet sich erst in den kommenden Quartalen.
Die entscheidende Kennzahl
Im Zentrum der Zahlen steht der Current Cloud Backlog. Er misst den vertraglich gesicherten Cloud-Umsatz für die nächsten zwölf Monate. Diese Kennzahl wächst um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent.
Gleichzeitig senkt SAP den Ausblick fürs Betriebsergebnis leicht. Grund ist der Verwässerungseffekt aus den Übernahmen von Dremio und Prior Labs. Die zentrale Frage lautet damit: Schafft SAP es, das Wachstumstempo im Auftragsbestand in echte Profitabilität zu übersetzen? Oder bleibt die margenseitige Belastung durch Zukäufe ein Dauerproblem? Der RSI von 52,5 signalisiert eine neutrale Lage – weder überkauft noch überverkauft. Das lässt Raum für beide Szenarien.
Bullisches Szenario: Cloud-Wachstum trägt
Die operative Substanz der Zahlen spricht für eine echte Erholung. Die Clouderlöse steigen um 22 Prozent, die Erlöse der Cloud-ERP-Suite sogar um 25 Prozent. Das ERP-Kerngeschäft zeigt: Die Migration in die Cloud gewinnt an Fahrt, statt abzuflachen.
Auch der Jahresausblick fürs Cloud-Geschäft bleibt stabil. SAP erwartet für 2026 weiterhin einen Cloud-Umsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von etwa 23 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Vorstandschef Christian Klein verweist auf die KI-Strategie als Treiber: „Auch in diesem Quartal haben wir ein starkes Wachstum beim Current Cloud Backlog erzielt. Dieses Ergebnis wird durch unsere Strategie für das autonome Unternehmen gestützt, in deren Rahmen unsere SAP Autonomous Suite und SAP Business AI Platform auf große Resonanz stoßen.“ Hält diese Nachfrage an, liefert sie Argumente für eine fortgesetzte Kurserholung. Der Nahost-Konflikt taucht in den Zahlen bislang nur als Risiko im Ausblick auf, nicht als eingetretene Belastung.
Bärisches Szenario: Marge unter Druck
Dagegen steht ein Bild, das deutlich verhaltener ausfällt als die Wachstumszahlen suggerieren. Der Gewinn bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Aktie notiert weiterhin unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 144,01 Euro – der übergeordnete Abwärtstrend ist also noch nicht gebrochen.
Die Prognosesenkung ist real, wenn auch klein. SAP erwartet nun ein Betriebsergebnis zwischen 11,8 und 12,2 Milliarden Euro, vorher waren es 11,9 bis 12,3 Milliarden. Das entspricht einer Wachstumsrate von 13 bis 17 Prozent statt der zuvor angepeilten Spanne.
Finanzvorstand Dominik Asam räumt zudem ein, dass bei beiden zugekauften Einheiten im zweiten Halbjahr Verluste anfallen dürften. Auch operativ verfehlt SAP die Erwartungen: Eine wichtige Ergebniskennzahl steigt um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro – weniger als erhofft.
Hinzu kommt eine Unsicherheit, die SAP selbst offen benennt. Der Ausblick für 2026 basiert auf der Annahme, dass sich der Nahost-Konflikt in nächster Zeit entschärft. Bleibt die Lage angespannt oder verschärft sie sich weiter, drohen laut SAP erhebliche negative Folgen. Diese Bedingung ist bislang nicht erfüllt und bleibt ein offenes Risiko für die zweite Jahreshälfte.
Ausblick: Zwei Wege, ein Prüfstein
Hält der Cloud-Backlog sein zweistelliges Wachstumstempo und verläuft die Integration von Dremio und Prior Labs ohne weitere Korrekturen, spricht mehr für eine anhaltende Stabilisierung der Aktie. Die annualisierte Volatilität von 43,48 Prozent zeigt allerdings: Der Markt rechnet weiterhin mit kräftigen Ausschlägen in beide Richtungen.
Rutscht die operative Marge dagegen weiter unter die bereits gesenkten Zielwerte, oder eskaliert die Lage im Nahen Osten entgegen der eigenen Annahme von SAP, dürfte sich der jüngste Kurssprung schnell wieder relativieren. Der nächste konkrete Prüfstein ist die Entwicklung von Cloud-Backlog und operativer Marge in den kommenden Quartalen 2026. Entscheidend wird dabei, ob die bereits eingepreiste Verwässerung durch die Zukäufe im angekündigten Rahmen bleibt – oder sich ausweitet.
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