CEO Christian Klein zieht die Zügel enger. Ab 1. Juli übernimmt er direkt die Kernbereiche der SAP-Produktentwicklung — und verzichtet dabei auf einen Nachfolger für den scheidenden Chief Product Officer Muhammad Alam. Der Markt reagiert mit Skepsis.
Alam geht, Klein übernimmt
SAP teilt Alams bisherige Aufgaben auf zwei Schultern auf. Klein verantwortet künftig die „Business Suite“ — das Herzstück der SAP-Geschäftssoftware — sowie eine Transaktionsplattform für Einkäufe und Reisebuchungen. Operativ führt beide Bereiche Manoj Swaminathan, der nun direkt an den CEO berichtet. COO Sebastian Steinhäuser erhält die Verantwortung für Industrial AI.
Alam verbleibt bis zum Auslaufen seines Vertrags im März 2027 im Unternehmen. Sein verbleibendes Ressort — der Bereich „Product Experience“ mit voraussichtlich weniger als 2.000 Beschäftigten — ist ein Bruchteil seiner früheren Verantwortung. Klein bezeichnete die Neuaufstellung intern als Übergangslösung. Ziel sei, Ablenkungen durch Alams Abschied „auf ein Minimum zu beschränken“.
Es ist die zweite Führungsreorganisation in diesem Jahr. Bereits 2024 hatte Klein nach dem Abgang von Chief Revenue Officer Scott Russell Teile der Vertriebsverantwortung an sich gezogen. Das Muster wiederholt sich.
KI als Antrieb, Fluktuation als Risiko
Klein hatte intern bereits im März sein Motto ausgegeben: „All in on AI“. Kürzere Entscheidungswege sollen die KI-Integration in die wichtigsten Produkte beschleunigen. Das ist die Logik hinter der Machtkonzentration.
Nokia unterstreicht das als Großkundensignal. Der Konzern unterzeichnete eine mehrjährige Vereinbarung, um seine SAP-Landschaft auf RISE with SAP zu migrieren — gehostet auf Microsoft Azure. Der Deal kam Ende 2025 zustande.
Allerdings trübt die anhaltende Führungsfluktuation das Bild. Mit Alam verlässt ein weiterer KI-Experte den Vorstand. Ob das Wissen wirklich beim CEO landet oder schlicht verloren geht, lässt sich von außen kaum beurteilen.
Aktie nahe Jahrestief
An der Börse verfängt die Botschaft nicht. Die SAP-Aktie notiert bei 134,16 Euro — nur rund 2,6 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als ein Drittel seines Wertes verloren.
Der Markt zweifelt daran, wie schnell sich KI in echte Umsätze übersetzen lässt. Konkurrent Oracle heizt den Druck an: Mit angekündigten Investitionen von bis zu 95 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2027 stellt sich die Frage, ob SAP bei den Ausgaben mithalten kann oder will.
Am 23. Juli 2026 legt SAP die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Investoren achten dabei auf den Cloud-Auftragsbestand und die Cloud-Bruttomarge — beides zeigt, ob die KI-Strategie kommerziell Fahrt aufnimmt oder vorerst nur das Organigramm verändert hat.
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