SAP bekommt eine juristische Entlastung. Das Bundeskartellamt stellt seine Vorermittlungen gegen den Softwarekonzern ein. Der Vorwurf: SAP soll den Konkurrenten Celonis beim Marktzugang behindert haben. Ein Missbrauchsverfahren kommt nicht zustande.
Für die Aktie ist das ein Etappensieg, aber kein Befreiungsschlag. Der Kurs steht bei 155,58 Euro und hat sich innerhalb von sieben Tagen um 10,73 Prozent erholt. Seit Jahresbeginn bleibt dennoch ein Minus von 25,74 Prozent stehen. Die eigentliche Frage lautet: Reicht die deutsche Entwarnung aus, um das größere Risiko in den USA aus dem Kurs zu verdrängen?
Die entscheidende Weichenstellung
Während das Bundeskartellamt keine Anhaltspunkte für Marktmachtmissbrauch sieht, wartet in den USA ein weit gewichtigeres Verfahren. Der Prozess in San Francisco startet am 7. Dezember 2026. Bis dahin bleibt die rechtliche Unsicherheit ein Belastungsfaktor, den die Aktie nicht einfach abschütteln kann.
Der Markt schaut deshalb parallel auf zwei Dinge: die operative Stärke im Cloud-Geschäft und die Nachrichtenlage aus den USA. Nur wenn beides zusammenpasst, dürfte sich die Aktie nachhaltig lösen.
Bullisches Szenario: Die Erholung hat Substanz
Für Optimisten spricht die technische Ausgangslage. SAP hat sich mit einem Plus von 22,00 Prozent deutlich von seinem 52-Wochen-Tief bei 127,52 Euro entfernt, das erst am 23. Juli 2026 markiert wurde. Der RSI liegt bei 61,0 – konstruktiv, aber noch nicht überkauft. Das lässt Raum für weitere Käufe.
Der Wegfall des deutschen Kartellrisikos nimmt eine konkrete Belastung vom Tisch. Hinzu kommt ein günstiges Branchenumfeld: US-Wettbewerber wie Microsoft melden bei Cloud-Diensten Wachstumsraten von über 30 Prozent. Profitiert SAP von diesem Rückenwind, könnte die Aktie ihre Erholung fortsetzen und technisch orientierte Käufer anziehen, sobald sie sich weiter vom 50-Tage-Durchschnitt bei 144,42 Euro absetzt.
Bärisches Szenario: Der Schatten aus San Francisco
Das Gegenargument ist ebenso greifbar. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt SAP mit 38,18 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 258,60 Euro trennen die Aktie fast 40 Prozent. Das ist kein kurzfristiger Rücksetzer, sondern eine tiefe Bewertungskorrektur.
Der US-Prozess bindet nicht nur mögliche Strafzahlungen, sondern auch Managementkapazität. Ein Verfahren dieser Größenordnung zieht sich oft über Monate und belastet die Kommunikation nach außen. Hinzu kommt eine mögliche Übertragung der Schwäche aus dem Hardware- und Chipsektor auf Software-Werte: Bremsen Unternehmen ihre Tech-Investitionen wegen steigender Infrastrukturkosten, trifft das auch SAPs Wachstumsraten.
Ein technisches Warnsignal bleibt der 200-Tage-Durchschnitt bei 174,65 Euro. Solange der Kurs darunter verharrt, gilt das langfristige Chartbild als angeschlagen.
Ausblick: Zwei Termine entscheiden
Zwei Ereignisse dürften die nächsten Monate prägen. Erstens die Berichterstattung zum dritten Quartal, bei der Anleger vor allem auf Margenentwicklung und Cloud-Wachstum achten werden. Zweitens der Prozessauftakt in San Francisco am 7. Dezember 2026, der über Monate hinweg für Nachrichtenrisiko sorgen kann.
Eine Stabilisierung über der Marke von 160,00 Euro könnte den Weg für eine Annäherung an den 200-Tage-Durchschnitt ebnen. Bleibt der Kurs darunter, dürfte die Aktie technisch angeschlagen bleiben – trotz der Entlastung durch das Bundeskartellamt.
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