Die SAP-Aktie hat sich von ihrem Tief bei 128 Euro um fast 50 Prozent erholt. Das konstatiert Henrik Muhle vom Vermögensverwalter Gané in einer aktuellen Einschätzung – für ihn ein Beleg dafür, dass der Softwarekonzern im KI-Wettbewerb besser positioniert ist als es der Kursverlauf der vergangenen Monate vermuten ließ.
Muhle begründet seine positive Sicht mit der strategischen Aufstellung des Konzerns im Cloud- und KI-Geschäft. Der Cloud-Auftragsbestand von SAP war im zweiten Quartal um 26 Prozent gewachsen – eine Kennziffer, die für Anleger als Frühindikator künftiger Umsätze gilt, weil sie bereits abgeschlossene, aber noch nicht abgerechnete Verträge abbildet. Für Muhle ist das ein Signal, dass Kunden dem SAP-Ökosystem auch im KI-Zeitalter treu bleiben.
Joule Studio bereits im Rollout
Ein zentraler Baustein der SAP-KI-Strategie ist die Plattform Joule. Deren Ausbau verlief zunächst holpriger als geplant: SAP hatte sich vorgenommen, 200 KI-Agenten anzubieten.
Mit Joule Studio hat der Konzern im Juni damit begonnen, eine Suite mit 200 spezialisierten Agenten über 50 fachbereichsspezifische Assistenten an Kunden auszurollen. Das ursprüngliche Ziel ist damit in der Umsetzung, auch wenn der Weg dorthin für den Markt zeitweise zäher wirkte als von SAP in Aussicht gestellt.
Für Investoren ist diese Entwicklung deshalb relevant, weil der gesamte Softwaresektor derzeit unter genauer Beobachtung steht, ob etablierte Anbieter den Sprung zu KI-nativen Produkten schaffen oder von jüngeren Herausforderern überholt werden.
SAP versucht, seine breite Kundenbasis im Bereich Unternehmenssoftware als Hebel zu nutzen, um KI-Funktionen direkt in bestehende Geschäftsprozesse einzubetten – ein Ansatz, den Muhle als strukturellen Vorteil gegenüber reinen KI-Start-ups wertet.
Kursverlauf spiegelt Stimmungswechsel
Am Markt hat sich die Einschätzung zuletzt in der Kursentwicklung niedergeschlagen. Die Aktie schloss am Freitag bei 185,10 Euro, ein Minus von 0,6 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Plus von 8,9 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die von Muhle beschriebene Erholung von den Tiefständen sich fortgesetzt hat, auch wenn kurzfristig etwas Schwung genommen wurde.
Trotz der jüngsten Erholung bleibt der Wert von seinem 52-Wochen-Hoch bei 242,00 Euro, erreicht im Oktober vergangenen Jahres, noch 24 Prozent entfernt. Diese Lücke verdeutlicht, dass der Markt die Aufholjagd bislang nur als Teilkorrektur einer zuvor deutlich stärkeren Abwärtsbewegung wertet – seit Jahresbeginn steht bei SAP weiterhin ein zweistelliges Minus.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob sich die operative Umsetzung der KI-Strategie – allen voran der Rollout von Joule Studio – in den kommenden Quartalen in messbaren Umsatzeffekten niederschlägt. Der Cloud-Auftragsbestand liefert dafür erste Indizien, dass sich die strategische Neuausrichtung des Konzerns bei Bestandskunden bemerkbar macht.
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