Vor den anstehenden Geschäftszahlen zum dritten Quartal gehen die Meinungen an der Wall Street über den weiteren Kursverlauf von SAP auseinander. Während vorsichtige Stimmen eine Fortsetzung der bisherigen Konsolidierung erwarten, sieht das Analysehaus Jefferies wieder deutlicheres Aufwärtspotenzial für den Softwarekonzern.
Optimismus vor den Quartalszahlen
Jefferies-Analyst Charles Brennan hob das Kursziel für die Walldorfer gestern von 210 auf 220 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Zwar sei die Nachrichtenlage im bisherigen Jahresverlauf unbeständiger als erwünscht gewesen, für das dritte Quartal rechnet der Experte jedoch mit einem weniger ereignisreichen Verlauf sowie einem robusten Auftragseingang.
Ganz anders blickt JPMorgan auf die kurzfristigen Perspektiven. Analyst Toby Ogg beließ die Einstufung vor den anstehenden Quartalszahlen auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 175 Euro, da er mit Ergebnissen lediglich im Rahmen der Markterwartungen rechnet.
An den Märkten spiegelt diese Spanne die Debatte über das mittelfristige Bewertungsniveau wider. Die Zuversicht stützt sich vor allem auf die fortschreitende Umstellung der Kunden auf wiederkehrende Cloud-Verträge, während skeptische Stimmen die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit und den intensiven Wettbewerb betonen.
Dynamisches Cloud-Wachstum und milliardenschwerer Rückkauf
Fundamentalen Rückhalt lieferte zuletzt das zweite Quartal 2026. Bis Ende Juni kletterte der Cloud-Abo-Umsatz für die kommenden zwölf Monate um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Der gesamte Quartalsumsatz verbesserte sich zeitgleich um neun Prozent auf 9,88 Milliarden Euro.
Der Periodengewinn erreichte 2,21 Milliarden Euro und lag damit gut ein Viertel über dem Vorjahresniveau. Neben dem operativen Geschäft stützt der Konzern den Aktienkurs über den Kapitalmarkt: Ein im Januar angekündigtes Rückkaufprogramm umfasst bis zu zehn Milliarden Euro bis Ende 2027. Eine Tranche sieht seit Ende Juli den Erwerb eigener Papiere für bis zu 2,6 Milliarden Euro vor.
Großinvestitionen in Unternehmens-KI
Um das Wachstumstempo hochzuhalten, richtet das Management den Fokus auf Softwareanwendungen mit künstlicher Intelligenz. Unter dem Konzept des autonomen Unternehmens treibt SAP die eigene Plattform sowie die autonome Softwaresuite voran.
Nach dem vollzogenen Zukauf des Spezialisten Dremio plant der Konzern über das Projekt Prior Labs, innerhalb von vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro in die Erschließung strukturierter Unternehmensdaten für künstliche Intelligenz zu investieren.
Herausforderungen bleiben jedoch bestehen, da hohe Entwicklungsausgaben und die Integration von Übernahmen auf den Margen lasten können. Am Markt schloss die Aktie gestern mit einem leichten Plus von 0,6 Prozent bei 183,76 Euro und notiert damit 9,8 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt.
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