SAP steckt mitten im Umbau. Am Donnerstagabend legt der Konzern die Zahlen zum zweiten Quartal vor – und die Aktie notiert nur noch knapp über ihrem Jahrestief. Der Kurs von 136,26 Euro liegt gerade einmal 4,17 Prozent über der Marke von 130,80 Euro vom 25. Juni. Für die Geschäftsführung um Christian Klein steht viel auf dem Spiel.
Ausgangslage: Die Stunde der Wahrheit am Donnerstag
SAP veröffentlicht die Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 am Donnerstag, den 23. Juli, um 22:05 Uhr.
Der Termin fällt in eine heikle Phase. Zum 1. Juli traten neue Managementstrukturen in Kraft. SAP teilte die Bereiche Produkt und Engineering neu auf, um die „All-in on AI“-Strategie operativ zu stützen.
Die Erwartungshaltung an Klein ist entsprechend hoch. Er muss beweisen, dass die Cloud-Transformation vorankommt und sich KI-Lösungen tatsächlich monetarisieren lassen.
Die entscheidende Frage: Kompensiert die Cloud die License-Erosion?
Der wichtigste Faktor für den weiteren Kursverlauf ist die Wachstumsrate im Cloud-Geschäft. Analysten erwarten für das zweite Quartal einen Cloud-Umsatz von rund 6,26 Milliarden Euro. Das entspräche einem Wachstum von etwa 22 Prozent.
Im klassischen Lizenzgeschäft rechnen Analysten dagegen mit einem Einbruch von bis zu 31 Prozent. Entscheidend ist, ob SAP das Cloud-Tempo hält, während das alte Geschäft wegbricht.
Rutscht das Cloud-Wachstum unter 20 Prozent, dürfte die Abwertung der Aktie weitergehen. Das gilt auch, wenn der Auftragsbestand – Cloud Backlog oder TCB – Schwächezeichen zeigt.
Bullisches Szenario: KI-Agenten als Wachstumstreiber
Für eine Erholung spricht die wachsende Reife der „Business AI Platform“. Auf der Sapphire-Konferenz 2026 schärfte SAP die Vision des „Autonomous Enterprise“. KI-Agenten wie Joule sollen tief in die Kernprozesse einziehen.
Ein bullisches Signal wäre ein Cloud-Wachstum über der 22-Prozent-Marke. Rückenwind dafür liefert die Cloud ERP Suite: Sie legte im ersten Quartal währungsbereinigt um 30 Prozent zu.
Kann SAP zeigen, dass Kunden trotz hoher Hardware-Kosten weiter in Software-Transformation investieren, entsteht Raum für eine Bodenbildung. Der RSI von 44,2 signalisiert zudem noch keine massive Überverkauft-Situation. Das lässt Platz für eine positive Überraschung.
Bärisches Szenario: Margendruck und geopolitische Bremsspuren
Dem optimistischen Blick steht das Risiko einer Margen-Kompression gegenüber. Die seit 2024 laufenden Restrukturierungen kosten Geld. Auch die Umschichtung von Budgets in Richtung KI-Entwicklung belastet die Marge.
Analysten warnen zudem vor längeren Verkaufszyklen. Grund sind geopolitische Spannungen im Nahen Osten, die Investitionsentscheidungen in der Industrie verzögern könnten.
Technisch gesehen ist die Lage angespannt. SAP notiert 22,28 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt und 5,70 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt.
Verfehlt SAP die Cloud-Ziele oder senkt den Margenausblick, dürfte die Aktie die Unterstützung bei 129 bis 130 Euro testen.
Ausblick: Weichenstellung an der 130-Euro-Marke
Solange die Aktie über dem Jahrestief von 130,80 Euro bleibt, besteht die Chance auf eine Stabilisierung. Voraussetzung: Der Quartalsbericht bestätigt am Donnerstagabend ein Cloud-Wachstum von mindestens 22 Prozent.
Rutscht der Kurs jedoch nachhaltig unter diese Marke, dürfte sich der Abwärtstrend Richtung der psychologischen 125-Euro-Zone beschleunigen. Der nächste Katalysator ist die Telefonkonferenz zu den Q2-Zahlen am Donnerstag um 22:05 Uhr.
Investoren achten dabei vor allem auf zwei Werte: die operative Marge, für die der Konsens 29,4 Prozent erwartet, und den freien Cashflow. Beide Kennzahlen liefern die Antwort, ob die mit 162,68 Milliarden Euro bewertete Aktie ihren aktuellen Preis rechtfertigt.
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