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SAP-Aktie: Entscheidet die Marge über die Erholung?

SAP verzeichnet starkes Cloud-Wachstum, senkt aber die EBIT-Prognose für 2026. Analysten bewerten die Folgen der KI-Zukäufe unterschiedlich.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Cloud-Auftragsbestand steigt um 27 Prozent
  • EBIT-Wachstumsprognose leicht gesenkt
  • Aktie springt um über neun Prozent
  • CEO Klein kauft eigene Aktien

Ausgangslage

Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026, die SAP am Donnerstag vorlegte, haben die Anleger überrascht – gleich in zwei Richtungen. Der Cloud-Auftragsbestand wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent. Zugleich senkte der Konzern seine EBIT-Wachstumsprognose für das Gesamtjahr auf 13 bis 17 Prozent, nachdem zuvor eine Spanne von 14 bis 18 Prozent gegolten hatte. Als Grund nannte SAP Verwässerungseffekte durch die jüngsten KI-Zukäufe. Der Markt reagierte am Freitag mit einem Kurssprung von 9,15 Prozent auf 140,80 Euro. Damit bleibt die Aktie aber weiterhin deutlich unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 173,78 Euro zurück, der Abstand beträgt 18,98 Prozent. Genau diese Diskrepanz – starkes operatives Wachstumssignal gegen eingetrübte Profitabilitätsaussicht – bestimmt jetzt, wie belastbar die Erholung ist.

Die entscheidende Frage

Im Zentrum steht eine einzige Kennzahl: die EBIT-Wachstumsspanne. Bleibt sie bei 13 bis 17 Prozent stabil, oder verschiebt sich der Korridor in den kommenden Quartalen weiter nach unten, wenn die Integration der im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs weitere Kosten verursacht? Beide Zukäufe sollen die „Business AI Platform“ technisch erweitern, belasten aber kurzfristig die Marge. Ob das Cloud-Wachstum diese Belastung dauerhaft überkompensiert, entscheidet, ob der Kurssprung vom Freitag der Beginn einer Trendwende ist oder ein einmaliger Ausschlag bleibt.

Bullisches Szenario

Für eine nachhaltige Erholung spricht zunächst das Tempo im Cloud-Geschäft: Ein Auftragsbestand, der um mehr als ein Viertel wächst, liefert über die kommenden Quartale hinweg Umsatzsichtbarkeit. Jefferies-Analyst Charles Brennan bestätigte am Freitag seine Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 210 Euro und verwies auf eine Dynamik bei den Cloud-Abonnements, die über den Erwartungen liege. Auch andere Häuser werteten das Quartal als Bestätigung eines sich ab 2027 beschleunigenden Wachstumspfads, mit Kurszielen bis 200 Euro.

Hinzu kommt ein Signal aus dem eigenen Haus: Vorstandschef Christian Klein kaufte unmittelbar nach der Zahlenvorlage SAP-Aktien im Wert von 325.219 Euro zu einem Durchschnittskurs von rund 133,60 Euro – ein Kauf, der auf Vertrauen in die aktuelle Bewertung hindeutet und an den Erwerb von Finanzvorstand Dominik Asam im Januar zu 169,20 Euro anknüpft. Parallel läuft das mit 10 Milliarden Euro dotierte Aktienrückkaufprogramm: Die erste Tranche über rund 2,6 Milliarden Euro und 16,28 Millionen Aktien ist bereits abgeschlossen und stützt den Wert je Aktie. Zusätzlich fiel Anfang Juli ein regulatorisches Risiko weg, als die Europäische Kommission ihre wettbewerbsrechtliche Prüfung der SAP-Richtlinien für Wartung und Support von On-Premise-Lösungen beendete, ohne weitere Schritte anzukündigen.

Bärisches Szenario

Die Gegenseite hat mit der gesenkten EBIT-Prognose ein handfestes Argument. JPMorgan-Analyst Toby Ogg beließ seine Einstufung am Freitag auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 175 Euro und bezeichnete den Margenrückgang im Quartal ausdrücklich als negative Überraschung. Die Kürzung der Guidance-Spanne zeigt, dass die KI-Zukäufe die Profitabilität real belasten – und die Integration von Dremio und Prior Labs steht erst am Anfang. Sollten weitere Akquisitionen folgen oder sich die Integrationskosten über mehrere Quartale hinziehen, könnte sich der Effekt verstetigen statt abzuklingen.

Auch die Kursreaktion selbst relativiert sich bei näherem Hinsehen: Trotz des Sprungs vom Freitag notiert die Aktie weiterhin fast ein Fünftel unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Ein einzelner starker Handelstag hat den mittelfristigen Abwärtstrend bislang nicht gebrochen. Die zuvor von UBS geäußerte Zurückhaltung mit einem Kursziel im Bereich von 164 Euro – Analystenziele reichen aktuell von dort bis 210 Euro – zeigt, wie unterschiedlich die Häuser den Ausgang bewerten.

Ausblick

Solange der Cloud-Auftragsbestand im zweistelligen Prozentbereich wächst und sich in tatsächliche Umsätze übersetzt, ohne dass die EBIT-Spanne erneut gekappt wird, bleibt das bullische Lager im Vorteil – dann rückt eine Annäherung an den 200-Tage-Durchschnitt bei 173,78 Euro in den Blick. Kippt die Margenentwicklung dagegen in den kommenden Quartalen weiter, dürfte sich JPMorgans vorsichtigere Haltung als treffender erweisen, und der Freitagssprung würde rückblickend als Strohfeuer gelten. Der nächste konkrete Prüfstein ist die Quartalsvorlage für das dritte Quartal 2026, wenn sich zeigen muss, ob die Integration der KI-Zukäufe die Marge weiter belastet oder ob sich die Wachstumsprognose stabilisiert.

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Diskussion zu SAP

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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