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SAP-Aktie: Entscheidet der Herbst über die Rallye?

SAP verzeichnet starken Kursanstieg dank Cloud-Wachstum, senkt aber die operative Ergebniserwartung. Analysten uneins über Nachhaltigkeit der Rallye.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Cloud-Wachstum von 24 Prozent
  • Prognose für operatives Ergebnis gesenkt
  • Aktienrückkauf und Insiderkauf als Vertrauenssignal
  • Analysten uneins über Kursentwicklung

Ausgangslage

SAP-Anleger erleben gerade eine bemerkenswerte Gegenbewegung. Binnen sieben Handelstagen ist die Aktie um 20,38 Prozent gestiegen und notiert aktuell bei 157,12 Euro. Ausgelöst hat den Sprung der Quartalsbericht vom vergangenen Donnerstag: SAP meldete ein währungsbereinigtes Cloud-Wachstum von 24 Prozent und einen Cloud-Auftragsbestand, der um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro kletterte. Gleichzeitig senkte der Konzern jedoch die Prognose für das operative Ergebnis auf Non-IFRS-Basis von zuvor 14 bis 18 Prozent auf nun 13 bis 17 Prozent – Verwässerungseffekte durch Zukäufe belasten die Marge.

Der Zeitpunkt für Anleger ist heikel. Innerhalb weniger Tage hat SAP gleich mehrere Weichen gestellt: Die zweite Tranche des 10-Milliarden-Euro-Rückkaufprogramms startete am Montag mit einem Volumen von bis zu 2,6 Milliarden Euro, das bis spätestens Januar 2027 über die Börse verwendet werden soll. Vorstandschef Christian Klein kaufte am Freitag 2.052 eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von 158,49 Euro. Parallel wurden die Übernahmen des Freiburger KI-Start-ups Prior Labs und der US-Datenplattform Dremio abgeschlossen – genau jene Zukäufe, die für die Verwässerung im Ausblick verantwortlich sind. Die Kombination aus Wachstumssignal und Kostenwarnung macht die aktuelle Kursreaktion zu einer Wette auf die nähere Zukunft.

Die entscheidende Frage

Im Kern läuft alles auf eine Kennzahl hinaus: Gelingt es SAP, das kräftige Cloud-Wachstum in operative Hebelwirkung zu übersetzen, obwohl Dremio und Prior Labs kurzfristig auf die Marge drücken? Die Antwort entscheidet, ob die jüngste Rallye trägt oder ob sie sich als Strohfeuer erweist. Der Auftragsbestand von 22,9 Milliarden Euro zeigt zwar solide Nachfrage, doch er sagt nichts darüber, wie schnell sich die Integrationskosten der Zukäufe wieder abbauen. Genau an dieser Stelle trennen sich die Lager der Analysten.

Bullisches Szenario

Für Optimisten sprechen mehrere Datenpunkte. Der Free Cashflow legte im zweiten Quartal um 27 Prozent auf 3,00 Milliarden Euro zu, das IFRS-Ergebnis je Aktie stieg im ersten Halbjahr auf 1,89 Euro nach 1,45 Euro im Vorjahr. Neue Großaufträge untermauern die Nachfrage: Airbus unterschrieb einen „RISE with SAP“-Vertrag zur Migration zentraler Prozesse in die Sovereign Cloud, und mit SIGNAL IDUNA vereinbarte SAP eine Partnerschaft für KI-Lösungen in der Versicherungsbranche. Jefferies bestätigte am Dienstag die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 210 Euro und verwies auf die fortgeschrittene strategische Positionierung des Konzerns bei KI-Technologien. Läuft die Integration der Zukäufe reibungslos, könnte sich die Margenbelastung als temporär erweisen – gestützt durch das laufende Rückkaufprogramm und den Aktienkauf des eigenen Vorstandschefs, der als Vertrauenssignal gewertet werden kann.

Bärisches Szenario

Die Gegenseite argumentiert mit der gesenkten Guidance selbst: Wenn ein Konzern seine Ergebnisspanne kurz nach milliardenschweren Übernahmen nach unten korrigiert, ist das kein gutes Omen für die Kostendisziplin. DZ Bank senkte bereits am Freitag ihr Kursziel auf 120 Euro und beließ die Einstufung bei „Sell“ – ein Wert, der weit unter dem aktuellen Kursniveau liegt und tiefe Skepsis an der Bewertung signalisiert. Auch technisch bleibt Vorsicht angebracht: Trotz der Kursrallye notiert SAP noch immer rund 10,44 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt, ein Hinweis darauf, dass der übergeordnete Abwärtstrend noch nicht gebrochen ist. Die hohe annualisierte Volatilität von 47,84 Prozent zeigt zudem, wie nervös der Markt die Aktie derzeit handelt. Weitere Zukäufe oder eine erneute Anpassung der Margenprognose könnten die Erholung schnell wieder infrage stellen.

Ausblick

Solange SAP die Balance zwischen Cloud-Wachstum und Kostenkontrolle glaubhaft demonstriert, dürfte das Rückkaufprogramm zusammen mit dem Insiderkauf des Vorstandschefs als Stütze wirken – ein Szenario, das in Richtung des Jefferies-Kursziels von 210 Euro weisen würde. Kippt jedoch die Wahrnehmung, dass die jüngste Prognosesenkung nur der Auftakt weiterer Anpassungen ist, rückt das deutlich pessimistischere Bild der DZ Bank näher. Die eigentliche Bewährungsprobe steht mit den Zahlen zum dritten Quartal an, die SAP für den 21. Oktober angekündigt hat. Erst dann zeigt sich, ob die Integration von Dremio und Prior Labs tatsächlich nur eine kurzfristige Delle war – oder ob die Kostenfrage den Konzern länger begleitet als der aktuelle Kurssprung vermuten lässt.

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Diskussion zu SAP

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.