SAP hat am Dienstag im Rahmen seines monatlichen Security Patch Day 19 neue Sicherheitshinweise veröffentlicht. Darunter befinden sich sieben Einträge mit dem höchsten Schweregrad HotNews, zwei davon erreichen den CVSS-Maximalwert von 10,0. Betroffen sind unter anderem das Extended Passport Processing, der NetWeaver Message Server sowie der Data Hub Adapter der Commerce Cloud.
Für Unternehmenskunden bedeutet das erneut Handlungsdruck: Kritische Lücken in zentralen Systemkomponenten erfordern zeitnahes Einspielen der Patches, da SAP-Systeme oft geschäftskritische Prozesse steuern. Für die Aktie selbst hat der Patch Day historisch selten unmittelbare Kursrelevanz, dennoch fügt sich die Nachricht in ein Bild, das zuletzt von gedämpfter Dynamik geprägt war.
Kurs unter Druck, fundamentale Basis bleibt solide
Der Kurs schloss am Mittwoch bei 180,18 Euro und büßte damit 0,9 Prozent ein. Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,2 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat das Papier 14 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 242,00 Euro, erreicht im Oktober vergangenen Jahres, trennen die Aktie mittlerweile 26 Prozent.
Diese Schwäche steht im Kontrast zu robusten operativen Zahlen. Im zweiten Quartal 2026 meldete SAP einen Anstieg des Cloud-Auftragsbestands um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt waren es 26 Prozent.
Der Cloud-Umsatz legte um 22 Prozent zu, die Cloud-ERP-Suite sogar um 25 Prozent. Der Gesamtumsatz wuchs um 9 Prozent, währungsbereinigt um 11 Prozent. Das operative Ergebnis nach IFRS stieg um 8 Prozent, non-IFRS um 7 Prozent.
Der Ausblick für 2026 wurde allerdings wegen Verwässerungseffekten aus den Übernahmen von Dremio und Prior Labs angepasst – SAP rechnet hier mit einer Belastung des non-IFRS-Betriebsergebnisses von über 100 Millionen Euro.
Zukäufe treiben die KI-Strategie
Mit dem Kauf von Dremio, einem Anbieter einer Data-Lakehouse-Plattform, will SAP seine agentische KI-Strategie beschleunigen und SAP- sowie Nicht-SAP-Daten nahtlos zusammenführen. Zu den finanziellen Details der im Juli abgeschlossenen Transaktion machte SAP keine Angaben.
Parallel dazu hat SAP die Übernahme von Prior Labs aus Freiburg abgeschlossen, einem Spezialisten für tabellarische Foundation Models. Über vier Jahre will der Konzern mehr als eine Milliarde Euro in das Forschungsteam investieren, das als unabhängige Einheit weiterarbeiten soll.
Die Ambitionen im KI-Bereich stoßen an der Wall Street allerdings auf Skepsis. UBS-Analyst Michael Briest stufte die Aktie Ende August von „Kaufen“ auf „Neutral“ zurück, hob das Kursziel zugleich von 164 auf 201 Euro an. Als Begründung nannte er die schleppende Integration der KI-Agenten – bis Jahresende seien statt der geplanten rund 200 Agenten bislang nur 17 produktiv im Einsatz.
Insider kaufen, Großaktionär stockt auf
Trotz der Kursschwäche gab es zuletzt Insiderkäufe: Mitte August erwarb ein Insider 1.700 Aktien zu 179,15 Euro, Ende August folgten weitere 1.500 Stück zu 178,30 Euro. Auch BlackRock baute seine Position aus und hält nun 6,75 Prozent der Stimmrechte an SAP, nach zuvor 6,74 Prozent.
Anleger richten den Blick nun auf den 21. Oktober, wenn SAP die Zahlen zum dritten Quartal 2026 vorlegt. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob das Tempo bei der KI-Agenten-Integration anzieht und ob sich die operative Stärke im Cloud-Geschäft stärker im Kurs niederschlägt.
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