SAP kann den Nutzen seiner KI-Agenten mit konkreten Kundenbeispielen belegen. Die heute berichteten Anwendungen zeigen automatisierte Abläufe im Einkauf und weniger Aufwand bei administrativen Aufgaben. Für Anleger ist allerdings die Trennung entscheidend: Gemessene Verbesserungen im Kundeneinsatz sind belastbarer als erwartete Effekte künftiger Anwendungen. Nicht jede genannte Effizienzsteigerung ist bereits erreicht.
Automatisierung im laufenden Betrieb
Laut SAP verarbeitet der Großhändler Lemvigh-Müller jährlich 100.000 Lieferantenbestätigungen. Über 90 % davon werden ohne menschliche Bearbeitung abgewickelt. Dafür arbeiten nach Unternehmensangaben drei koordinierte KI-Agenten zusammen.
Der Anwendungsfall verbindet die Prüfung von Dokumenten mit der Bearbeitung eines konkreten Geschäftsprozesses. SAP zufolge arbeiten die Agenten direkt in SAP Cloud ERP. Zwischen Entscheidung und Ausführung ist demnach keine zusätzliche Vermittlungssoftware erforderlich. Das verdeutlicht den Ansatz, KI nicht nur als Auskunftssystem einzusetzen, sondern Aufgaben innerhalb bestehender Abläufe erledigen zu lassen.
Weitere Praxisbeispiele betreffen die Zuordnung von Materialien und die Zeiterfassung. Bei Synthomer ordnete ein im Test eingesetzter Agent Materialien im Auftragseingang in 98 % der Fälle beim ersten Versuch korrekt zu. Bei zeb sank der Zeitaufwand je Zeiteintrag um 50 %.
Diese Ergebnisse betreffen unterschiedliche Arbeitsschritte. Sie lassen sich deshalb nicht zu einer einheitlichen Leistungskennzahl für SAPs KI-Angebot zusammenfassen. Gemeinsam ist ihnen der konkrete Bezug zu betrieblichen Aufgaben statt zu allgemeinen Leistungsversprechen.
Takeda-Ziele sind noch keine Ergebnisse
Anders liegt der Fall bei Takeda. SAP zufolge soll das Unternehmen Agenten in der regulierten Fertigung einsetzen. Als erwartete Ergebnisse nennt SAP bis zu 10 % höhere Produktivität und 25 % weniger Umsatzverluste durch Lieferengpässe.
Das sind Prognosen, keine gemessenen Verbesserungen. Für die Bewertung der KI-Strategie macht dieser Unterschied viel aus: Ein erfolgreicher Praxiseinsatz stützt die technische Umsetzbarkeit. Eine erwartete Einsparung beschreibt zunächst das wirtschaftliche Potenzial, das sich im Betrieb erst bestätigen muss.
Joule steht im Wettbewerb um Nutzer
Auch die Nutzung innerhalb von SAP-Prozessen ist nicht automatisch ein Erfolg für SAPs eigenen Assistenten. Nach einer Studie von Precisely und ASUG verwenden 60 % der befragten Unternehmen dort Microsoft Copilot. SAP Joule kommt bei 26 % zum Einsatz.
Die Befragung zeigt damit Wettbewerb innerhalb der SAP-Arbeitsabläufe. Aus den Anteilen lässt sich allerdings keine ausschließliche Nutzung eines einzigen Assistenten ableiten.
Für Anleger ergibt sich eine differenzierte Einordnung: Die Kundenbeispiele liefern konkrete Belege für den operativen Nutzen von KI-Agenten. Sie sind jedoch nicht mit zusätzlichem Umsatz für SAP gleichzusetzen. Entscheidend ist, ob SAP aus erfolgreichen Anwendungen eine breitere Nutzung seiner eigenen Angebote entwickeln kann.
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