Die EU-Kommission hat ihr Kartellverfahren gegen den Softwarekonzern wegen dessen Wartungsrichtlinien eingestellt, ohne ein Bußgeld zu verhängen. Im Gegenzug verpflichtet sich SAP zu zehnjährigen Auflagen und verzichtet künftig auf Reaktivierungsgebühren für Kunden. Parallel hat der Konzern die Übernahme des KI-Startups Prior Labs abgeschlossen – für mehr als eine Milliarde Euro, davon über 500 Millionen US-Dollar in bar, verteilt auf vier Jahre. Prior Labs soll dabei eigenständig bleiben.
Die Aktie reagierte auf die Nachrichtenlage mit Abgaben und schloss bei 138,50 Euro, ein Minus von 1,81 Prozent. Damit notiert das Papier rund 4,3 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 144,72 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 265,75 Euro, erreicht im Juli 2025, klafft mittlerweile eine Lücke von 47,88 Prozent.
Analysten kappen Kursziele vor den Zahlen
Der Übernahmedeal und das Ende des Kartellverfahrens konnten die Stimmung unter Analysten nicht drehen. UBS senkte ihr Kursziel für SAP von 205 auf 164 Euro, behält aber die Kaufempfehlung bei. JPMorgan stuft die Aktie neutral ein und sieht das Kursziel bei 175 Euro. Belastend wirkte zudem eine Gewinnwarnung von IBM, dessen Quartalsumsatz von 17,2 Milliarden US-Dollar unter den Erwartungen blieb und den gesamten Softwaresektor unter Druck setzte. Auf der anderen Seite bewerten insgesamt 20 Analysten die SAP-Aktie mit Kaufempfehlungen, das mittlere Kursziel liegt bei 202 Euro. Morningstar wiederum sieht einen fairen Wert von 265 Euro und vergibt die Bestnote von fünf Sternen.
Noch bis zum 27. Juli läuft ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 2,6 Milliarden Euro, mit dem SAP Kapital an die Aktionäre zurückführt, während zugleich die milliardenschwere Übernahme finanziert wird.
Blick auf die Quartalszahlen am 23. Juli
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der 23. Juli, wenn SAP nach Börsenschluss um 22:05 Uhr MESZ seine Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt. Analysten erwarten ein Cloud-Umsatzwachstum von 22 Prozent. Im ersten Quartal 2026 hatte SAP den Umsatz währungsbereinigt um 12 Prozent gesteigert, das operative Ergebnis (EBIT) wuchs um 24 Prozent bei einer Marge von über 30 Prozent. Das Cloud-Geschäft war dort bereits um 27 Prozent gewachsen.
Konzernchef Christian Klein zeigte sich trotz der massiven Kursverluste der vergangenen Monate unbeeindruckt von Sorgen, künstliche Intelligenz könnte klassische Unternehmenssoftware verdrängen. Er setzt stattdessen auf eine KI-Agenten-Plattform, die sowohl in der Cloud als auch in On-Premise-Umgebungen laufen soll – ein strategischer Kontrapunkt zur laufenden Übernahme von Prior Labs, mit der SAP zusätzliche KI-Kompetenz ins Haus holt.
Technische Analysten sehen kurzfristig weiteres Abwärtspotenzial und rechnen mit einem möglichen Rutsch in eine Spanne zwischen 112 und 138 Euro innerhalb der kommenden Wochen. Für Anleger bleibt der 23. Juli damit der entscheidende Termin: Bestätigt SAP das erwartete Cloud-Wachstum, dürfte sich zeigen, ob die jüngste Konsolidierung der Aktie eine Stabilisierung oder nur eine Verschnaufpause im laufenden Abwärtstrend darstellt.
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