Christian Klein wird deutlich. Der Vorstandsvorsitzende von SAP warnte am heutigen Donnerstag öffentlich vor einer einseitigen technologischen Abhängigkeit Europas von den USA und China im Bereich Künstliche Intelligenz und forderte eine stärkere europäische Souveränität in diesem Feld. Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Softwarekonzern operativ so stark performt wie selten zuvor in diesem Jahr.
Starkes Quartal als Rückenwind
Am 23. Juli hatte SAP die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Der Cloud-Umsatz stieg um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, währungsbereinigt sogar um 24 Prozent. Der Current Cloud Backlog, also die vertraglich gesicherten künftigen Cloud-Erlöse, wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Das Non-IFRS-Betriebsergebnis legte um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro zu. Gleichzeitig passte der Konzern die Jahresprognose für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 leicht an: Die neue Spanne liegt bei 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, nach zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro. Als Grund nannte SAP Effekte aus jüngsten Akquisitionen.
Kurz nach der Zahlenvorlage griff Klein selbst zum Portemonnaie. Am 24. Juli erwarb er 12.122 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 182,10 Euro, ein Gesamtvolumen von rund 2,38 Millionen Euro. Solche Insiderkäufe des eigenen Vorstandschefs gelten als Signal für Vertrauen in die Geschäftsentwicklung, auch wenn der Kaufkurs damals über dem aktuellen Niveau lag.
Aktienrückkauf läuft parallel weiter
Neben dem operativen Geschäft treibt SAP auch die Kapitalrückführung an die Anteilseigner voran. Zwischen dem 27. und 31. Juli erwarb der Konzern 2.184.430 eigene Aktien. Diese erste Zwischenmeldung zur zweiten Rückkauf-Tranche 2026 summiert sich auf ein Transaktionsvolumen von 344,3 Millionen Euro. Der Rückkauf reduziert die im Umlauf befindliche Aktienzahl und stützt damit strukturell den Kurs je Anteil, unabhängig von der operativen Entwicklung.
Die Reaktion der Analysten auf die Quartalszahlen fiel überwiegend positiv aus, wenn auch mit unterschiedlicher Tonlage. Jefferies bestätigte am 28. Juli seine Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 210,00 Euro. Bereits am Tag davor hatte JPMorgan die Einstufung „Neutral“ bei einem Kursziel von 175,00 Euro belassen. Berenberg und UBS ergänzten das Bild mit Einschätzungen zwischen „Buy“ und „Neutral“, die Kursziele der vier genannten Häuser bewegten sich in einer Spanne von 164,00 bis 210,00 Euro – ein Konsens, der die Aktie mehrheitlich als moderat unterbewertet einstuft, mit UBS als vorsichtigem Ausreißer.
Kurs nähert sich wichtiger Marke
Die SAP-Aktie notiert aktuell bei 172,04 Euro und legt am heutigen Handelstag um 1,20 Prozent zu. Damit nähert sich das Papier seinem 200-Tage-Durchschnitt von 173,41 Euro, von dem es nur noch knapp 0,79 Prozent entfernt liegt – ein Bereich, den Chartbeobachter häufig als Prüfstein für den mittelfristigen Trend werten. Binnen der vergangenen sieben Handelstage hat die Aktie bereits 9,71 Prozent gewonnen, getragen von den starken Quartalszahlen und den nachfolgenden Analystenkommentaren. Zur Einordnung: Ein automatisierter Überhitzungsindikator signalisiert nach dem jüngsten Anstieg bereits deutlich erhöhte Werte, was kurzfristige Rückschläge nicht ausschließt.
Kleins Ruf nach europäischer KI-Souveränität fällt damit in eine Phase, in der SAP operativ liefert und gleichzeitig eigenes Kapital in den Rückkauf investiert. Ob sich die Forderung nach mehr technologischer Unabhängigkeit auch in konkreten strategischen Schritten des Konzerns niederschlägt, dürfte spätestens bei der nächsten Quartalsmitteilung am 21. Oktober klarer werden.
SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 6. August liefert die Antwort:
Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 6. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
SAP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
